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18 Lätzchen im Test

ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2013
vom 11.01.2013

Lätzchen

Eins auf den Latz

In Familien mit kleinen Kindern sind Lätzchen im Dauereinsatz: umbinden, dreckig machen, ab in die Waschmaschine. Von 18 Produkten im Test können wir die Hälfte im Großen und Ganzen empfehlen. Drei Lätzchen sollte man jedoch lieber im Geschäft lassen.

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11.01.2013 | Schwupps...schon ist es passiert und der orangefarbene Möhrenbrei kleckst auf Babys Kleidung. Ärgerlich, aber nicht zu ändern. Denn das Baby muss erst lernen, mit dem Löffel zu essen. Bis es so weit ist, tun Lätzchen gute Dienste.

Wir ließen 18 Produkte einkaufen und in die Labore schicken.

Das Testergebnis

Fifty-fifty: Die Hälfte der Testprodukte bekommt ein "gut" oder "sehr gut". Die andere Hälfte konnte im Vergleich dazu weniger überzeugen. Drei Produkte sind derart mit Schadstoffen gespickt, dass sie mit "ungenügend" durchfallen.

Kleine, bunte Bildchen finden sich auf den meisten Lätzchen. Problematisch sind insbesondere gummierte Drucke, da schädliche Hilfsstoffe enthalten sein können. Wir ließen sie daher gesondert untersuchen. Das Ergebnis bestätigt unsere Vermutung: Alle drei Lätzchen mit diesen Aufdrucken weisen Gehalte an PAK-Verbindungen auf, eine der gefundenen Substanzen steht unter Krebsverdacht. Im Babydream Ärmellätzchen, Robbe, gelb von Rossmann steckt zusätzlich ein erhöhter Gehalt an Dibutylzinn, einer Substanz, die das Immunsystem beeinträchtigen kann.

Problemsubstanzen auch im Stoff: Im Hello Kitty Lätzchen wurde der krebsverdächtige Farbstoffbaustein Anilin gefunden. In den Lätzchen von Jako-O, Wörner und Dm stecken halogenorganische Verbindungen.

Weißmacher mit Nebenwirkung: Fast alle Lätzchen enthalten optische Aufheller, die mit dem Schweiß auf die Haut gelangen und allergische Reaktionen hervorrufen können.

Einige Materialien färben ab. Als nicht farbecht erwiesen sich die gelben und grünen Einfassbänder von zwei untersuchten Baby Butt Wochentag-Lätzchen, das grüne Einfassband eines My Little Bear Baby Lätzchens sowie das Motiv des Ärmellätzchens von Baby Walz. Sprich wenn Kinder daran lutschen, können sich Farben herauslösen.

Saugfähigkeit lässt zu wünschen übrig: Zwei Produkte saugten die Prüfflüssigkeit deutlich zu langsam auf. Konkret vergingen beim Hello Kitty Lätzchen, rosa 15 bis 30 Sekunden, bis die Flüssigkeit verschwunden war. Das Lätzchen von Alnatura brauchte dafür sogar 30 bis 60 Sekunden.

In den Produkten von Baby Walz, BabyOne und Baby Butt fand das Labor Nonylphenolethoxylate (NPEs). NPEs werden in der Textilherstellung etwa als Tensid eingesetzt. In Abwässern kann daraus Nonylphenol entstehen. Dieser Stoff schädigt jedoch Wasserorganismen und gilt als hormonell wirksam.

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Im Test: 18 Babylätzchen aus unterschiedlichen Materialien, eingekauft in Drogerien, Kaufhäusern, Großmärkten, Naturwarenläden oder im Internet. Berücksichtigt wurden Lätzchen mit Klettverschlüssen, zum Binden, mit Druckknopf oder als Schlupflätzchen. Fünf Produkte sind zudem mit einer wasserundurchlässigen Folie ausgestattet.

Die Inhaltsstoffe
Lätzchen gehören zu den Babyartikeln, die nicht nur mit der Haut Kontakt haben, sondern durchaus auch in den Mund genommen werden. Alles Gründe, weshalb das Textil möglichst frei von Schadstoffen sein sollte. Stoffe wie halogenorganische Verbindungen, aromatische Amine und Formaldehyd standen daher ganz oben auf der Agenda. Plastikfolien wurden gesondert untersucht, etwa auf Weichmacher. Auch gummierte Aufdrucke haben wir uns näher angesehen, da darin problematische Hilfsstoffe zum Einsatz kommen können. Hier lagen die Prüfschwerpunkte auf Weichmachern, zinnorganischen Verbindungen und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK). Zusätzlich wurde nach Nonylphenolethoxylaten gesucht, die aus ökologischer Sicht bedenklich sind.

Die Materialeigenschaften
Weil Babys am Stoff nuckeln könnten, interessierte uns, ob die Farben stabil bleiben oder ausbluten. Im Labor untersucht man dies mithilfe einer Speichelsimulanz. Die Saugfähigkeit des Materials ließen wir mit dem Tagewa Tropfentest prüfen. Dabei wird gemessen, wie lange es dauert, bis eine definierte Menge Prüfflüssigkeit an unterschiedlichen Stellen der Lätzchen aufgesogen ist. Die Teile waren zuvor einmal gewaschen worden.

Die Bewertung
Krebsverdächtige Substanzen, die im Labor nachgewiesen wurden, werteten wir besonders stark ab, etwa Anilin oder stark erhöhte PAK-Gehalte. Zu Abwertungen unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führten weiterhin zinnorganische Verbindungen, halogenorganische Verbindungen und optische Aufheller. Die Resultate der Materialtests gingen zu 50 Prozent in das Gesamturteil ein, es sei denn, die Bewertung der Inhaltsstoffe fiel schlechter aus - dann konnte das Gesamturteil nicht besser sein. Substanzen, die vor allem für die Umwelt problematisch sind, wurden unter den Weiteren Mängeln bewertet.

So haben wir getestet

Gummierter Aufdruck: Das Material ist nicht nur oft mit Schadstoffen verunreinigt, sondern hat auch im Saugfähigkeitstest versagt.

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