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20 Kinderschlafanzüge im Test

ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2013
vom 11.01.2013

Kinderschlafanzüge

Albtraum

Na dann gute Nacht: Die Hälfte der Kinderschlafanzüge fällt mit "ungenügend" durch den Test, darunter einige Traditionsmarken. Nur sieben Modelle lassen den Nachwuchs schadstoffarm schlummern.

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11.01.2013 | Haben die Kinder das Kommando, schmücken Prinzessin Lillifee und Spiderman den Anzug, in dem Mamas und Papas Lieblinge Abend für Abend dem Sandmännchen begegnen. Geht es nach dem Wunsch der Eltern, sollen Kinderschlafanzüge aber nicht nur schicke Aufdrucke haben: Sie sollen flauschig und vor allem frei von Schadstoffen sein.

Man bekommt Kinderpyjamas bei Internethändlern, klassisch im Katalog bei Otto und Co., im Fachhandel oder als Aktionsware, etwa bei Tchibo. ÖKO-TEST hat 20 Kinderschlafanzüge im Labor auf Schadstoffe prüfen lassen. Zudem wollten wir wissen, ob die Anzüge nach dem Waschen ihre Form behalten.

Das Testergebnis

Dreck im Druck. Von 20 getesteten Kinderschlafanzügen landen zehn mit "ungenügend" ganz am Ende der Bewertungsskala. Es gibt ein "mangelhaft", zwei Mal "befriedigend" und sieben Mal die Note "gut". Die bekamen etwa drei Produkte aus kontrolliert biologisch angebauter Baumwolle, unter anderem von Maas-Naturwaren, außerdem das Modell vom Versender Otto.

Was auffällt: Bis auf zwei Produkte haben alle mit der Note 6 bewerteten Schlafanzüge einen Aufdruck. In dem stecken bei den Modellen Angel Cat Sugar vom Hersteller United Labels, Bob der Bär Schlafanzug Stegosaurus von Galeria Kaufhof und dem Kinderschlafanzug Herzen von Dm auch PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe.

Damit beginnt oft die Misere. Denn um sprödem Kunststoff die Härte zu nehmen, verwenden die Hersteller gesundheitsschädliche Phthalate und umstrittene Ersatzweichmacher. Krebsverdächtige polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) gelangen über Weichmacheröle in den Kunststoff. Und der Einsatz von zinnorganischen Verbindungen soll das Material stabilisieren. Einige dieser Verbindungen beeinträchtigen vermutlich bereits in geringen Dosen das Hormonsystem des Menschen.

In den ungenügenden Kinderschlafanzügen mit Aufdruck fanden sich im Test stets erhöhte Werte einer oder mehrerer dieser Substanzen. So besteht der Aufdruck des Modells Angel Cat Sugar zu zwölf Prozent aus dem in Babyartikeln und Spielzeug gesetzlich reglementierten Weichmacher Diethylhexylphthalat (DEHP), der als fortpflanzungsgefährdend eingestuft ist. Das Gesetz verbietet DEHP in Babyartikeln ab einer Konzentration von mehr als 0,1 Masse in Prozent.

Öko-Tex-Label zu Unrecht. An der 0,1-Prozent-Marke orientiert sich auch der Öko-Tex Standard 100 in seiner Produktklasse I (Baby). Neben DEHP dürfen auch die gesetzlich reglementierten Phthalate DINP, DNOP, DIDP, BBP, DBP sowie das besonders besorgniserregende DIBP in der Summe 0,1 Masse in Prozent nicht überschreiten. Da der Schlafanzug Prinzessin Lillifee mit Einhorn, lila von Schiesser mit diesem Label beworben wird, trägt er es zu Unrecht. Denn das Modell enthält in der Summe mehr als den erlaubten Gehalt der Phthalate Diisononylphthalat (DINP) und Diisodecylphthalat (DIDP).

Dass Schadstoffe in solchen Konzentrationen im Aufdruck nicht sein müssen, weiß Peter Schardt von Lamu Lamu. Schardt kümmert sich bei der Handelsmarke Lamu Lamu

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Wir haben die Kinderschlafanzüge beim Fachhändler, im Internet, im Supermarkt und als Angebotsware im Drogeriemarkt gekauft. Dabei sind Modelle für Mädchen und Jungen in den Größen 104 bis 122. Da der Winter naht, haben unsere Einkäufer Pyjamas mit langen Ärmeln und Hosen besorgt. Im Test waren Produkte für jeden Geldbeutel dabei. So liegt das günstigste Angebot bei 5 Euro, das teuerste Markenprodukt bei satten 55 Euro. Von den insgesamt 20 Kinderschlafanzügen sind drei Modelle aus Bio-Baumwolle hergestellt.

Die Inhaltsstoffe
Schlafanzüge liegen direkt auf der Haut auf. Da ist es besonders wichtig, dass keine Schadstoffe in den Sachen stecken. Wir haben die Kinderschlafanzüge deshalb auf verbotene und problematische Farben untersuchen lassen, auf optische Aufheller und halogenorganische Verbindungen, die im Färbe- und Ausrüstungsprozess zum Einsatz kommen. Weil viele Mädchen und Jungen gern Ponys, Comichelden und Feen als Aufdruck auf dem Schlafanzug tragen, haben wir diese Aufdrucke auf PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe, den Druck weichmachende Phthalate und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) untersuchen lassen. Letztere sind manchmal in Weichmacherölen enthalten. Die Labore suchten auch nach schädlichen zinnorganischen Verbindungen, die die Komponenten in "gummierten" Aufdrucken stabilisieren.

Die Praxisprüfung
Eltern wissen das: Ist der Lieblingsschlafanzug eingelaufen oder ausgeleiert, ist das schlichtweg ärgerlich. Deshalb haben wir die Schlafanzüge gemäß Pflegeetikett gewaschen und trocknen lassen, und wo es das Pflegeetikett verlangt, auch in Form gezogen. Die Veränderungen in Länge, Breite und Verzug wurden anschließend gemessen.

Die Bewertung
Da ÖKO-TEST oft bei Schadstoffkonzentrationen abwertet, die bei Labeln wie dem Öko-Tex Standard 100 oder dem Global Organic Textile Standard noch zulässig sind oder keine Rolle spielen, gibt es auch für die zertifizierten Bio-Baumwollprodukte kein "sehr gut", denn sie enthalten bedenkliche und/oder umstrittene Inhaltsstoffe wie halogenorganische Verbindungen und optische Aufheller.

So haben wir getestet

Im Fokus der Labore: Die Aufdrucke der Kinderschlafanzüge enthalten oft schädliche Substanzen wie Phthalate oder zinnorganische Verbindungen.

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