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Puzzlematten im Test

Jahrbuch Kleinkinder 2016 | Autor: ÖKO-TEST Redaktion | Kategorie: Kinder und Familie | 31.01.2016

Puzzlematten im Test
Foto: Fotolia

Neben schadstoffbelasteten Puzzlematten gibt es mittlerweile auch einige, in denen wir keine problematischen Inhaltsstoffe gefunden haben. Als Fußbodenbelag sorgen die Matten allerdings für kein besonders angenehmes Raumklima.

Immer wieder rufen verärgerte Leser bei uns an und beschweren sich über übel riechende Puzzlematten. In Untersuchungen sind die beliebten Bodenauflagen in der Vergangenheit aber vor allem wegen des geruchlosen Schadstoffs Formamid aufgefallen. Das ist ein Lösungsmittel, welches im Gegensatz zu vielen anderen nicht stechend riecht. Es kommt als Reduktionsmittel und Industriechemikalie zum Einsatz. In Schaumstoffen wie Ethylen-Vinylacetat-Copolymer (EVA oder Moosgummi), aus dem die meisten Puzzlematten bestehen, könnte es auch aus Treibmitteln gebildet werden. Es besteht die Gefahr, dass nach und nach Formamid freigesetzt wird. Formamid ist als Gefahrstoff eingestuft, der das Erbgut und die Entwicklung des ungeborenen Kindes im Mutterleib schädigen kann. Bei unserem Puzzlemattentest im Jahr 2011 enthielten 13 von 15 Produkten Formamid. Unfassbar: Das Gift steckte in Produkten, auf denen Kleinkinder stundenlang spielen.

Puzzlematten im Test

Mit der EU-Spielzeugrichtlinie 2009/48 ist im Juli 2013 ein allgemeines Verbot von CMR-Stoffen eingeführt worden - CMR-Stoffe sind solche, die als krebserregend, erbgutverändernd und reproduktionstoxisch eingestuft sind. Viele CMR-Stoffe von besonderer Relevanz für Spielzeug sind durch eigene Normen abgedeckt. In der Richtlinie 2009/48/EG über die Sicherheit von Spielzeug heißt es zu Formamid: "Es gibt auch CMR-Stoffe, die nicht durch diese Normen abgedeckt sind. Ein Beispiel für diese Stoffe ist Formamid, ein fortpflanzungsgefährdender CMR-Stoff der Kategorie 1 B, der bekanntermaßen in bestimmten Spielzeugmaterialien nachgewiesen wurde (teilweise in Konzentrationen, die ein Gesundheitsrisiko darstellen können)." Für solche Stoffe gilt gemäß der Spielzeugsicherheitsrichtlinie ein allgemeiner Grenzwert von 5.000 mg/kg. Streng ist das nicht.

Immerhin: Vereinzelte Hersteller haben Puzzlematten aus EVA wegen der Formamidproblematik aus dem Programm genommen und lassen ihre Produkte zum Beispiel aus Polyethylen fertigen. Ob diese besser sind und wie viel Formamid in Puzzlematten steckt, die derzeit zu kaufen sind, hat ÖKO-TEST untersuchen lassen: Wir schickten acht Matten in die Labore.

Das Testergebnis

Fünf "gute" Produkte können wir empfehlen. Die bei der ersten Veröffentlichung dieses Tests mit gravierenden Mängeln durchgefallenen Produkte sind nicht mehr in den Sortimenten der Hersteller. Vermissen wird sie niemand.

Das Produkt Grandi Giochi Tappeto Puzzle Lettere & Numeri enthält Formamid in einer Höhe, die wir um zwei Noten abwerten. Dass es auch anders geht, zeigen die EVA-Matten der Mitbewerber im Test. Dort war Formamid nicht nachweisbar.

In den Bruin Puzzlematten "Wir verreisen" hat ein Labor erhöhte Gehalte an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) nachgewiesen. PAK können im schlimmsten Fall krebserregend sein.

Alle Puzzlematten ließen sich während der Prüfung auf mögliche elektrostatische Oberflächen...


Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Besttoy Soft Puzzle Matte Zahlen 0 bis 9
Besttoy Soft Puzzle Matte Zahlen 0 bis 9
Besttoy
Bruin Puzzlematten "Wir verreisen"
Bruin Puzzlematten "Wir verreisen"
Toys"R"Us
Foam Puzzle Mat
Foam Puzzle Mat
Intertoys
Grandi Giochi Tappeto Puzzle Lettere & Numeri
Grandi Giochi Tappeto Puzzle Lettere & Numeri
Grandi Giochi
Kinder-Garden ABC Puzzle Spielmatten-Set aus EVA_FOTO NEU
Kinder-Garden ABC Puzzle Spielmatten-Set aus EVA_FOTO NEU
Xtrem Toys & Sports
Ludi Fond de Parc Carré Puzzlematte
Ludi Fond de Parc Carré Puzzlematte
Ludi
Playshoes Schaumstoffpuzzle
Playshoes Schaumstoffpuzzle
Playshoes
Solex Puzzel-Matte "Stadt" aus EVA
Solex Puzzel-Matte "Stadt" aus EVA
L.A. Sports

Testverfahren

Der Einkauf: Wir haben 8 Puzzlematten eingekauft. Da Puzzlematten aus Ethylen-Vinylacetat-Copolymer (EVA) in der Vergangenheit durch hohe Formamidbelastungen aufgefallen sind, haben wir in den Geschäften auch nach Produkten gesucht, die aus anderen Materialien, etwa Polyethylen hergestellt wurden. Auch achteten wir bei der Auswahl auf Produkthinweise wie "formamidfrei" oder "geprüftes EVA".

Die Inhaltsstoffe: Natürlich prüften die Labore alle Puzzlematten auf Formamid, den Stoff, der das Erbgut schädigen kann. Formamid kann sich als Nebenprodukt aus Treibmitteln bilden, die bei der Schaumstoffherstellung eingesetzt werden, Gase bilden und so den Kunststoff aufblähen. Weiterhin beauftragten wir die Untersuchungen, die Produkte aus weichem Kunststoff fordern. So überprüften die Labore unter anderem, ob hormonwirksame Weichmacher in den Matten stecken oder krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe als Verunreinigungen enthalten sind.

Die Praxisprüfung: Sicherheitsanforderungen: Puzzlematten müssen den gesetzlichen Sicherheitsanforderungen entsprechen, die der Gesetzgeber an Spielzeug für Kinder jünger als drei Jahre stellt. Denn wenn sich etwa verschluckbare Kleinteile schon mit wenig Kraft abreißen lassen, besteht akute Erstickungsgefahr, wenn ein Kind diese Teile verschluckt. Deshalb prüfte eine Labor die Reißfestigkeit aller Mattenteile nach der Spielzeugrichtlinie EN 71-1.

Oberflächenspannung: Kunststoffoberflächen wie Puzzlematten können sich elektrostatisch aufladen. Dazu genügt es, wenn das Kind beim Krabbeln mit Textilien und Handflächen über die Matte reibt. Zu hohe elektrostatische Oberflächenspannung wirkt sich negativ auf das Raumklima aus, da die Spannung Staub und Schadstoffe aufwirbelt. Baubiologen haben diese Oberflächenspannungen unter realistischen Alltagsbedingungen erzeugt und gemessen.

Die Bewertung: ÖKO-TEST macht es wie Eltern es tun: Geht es um die Sicherheit der Kinder, gibt es keine Kompromisse. Deshalb werten wir streng ab – Schadstoffe genauso wie Sicherheitsmängel. So kann das Gesamturteil nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis der Tests Inhaltsstoffe und Praxisprüfung.

Bewertungslegende: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) ein Gehalt von mehr als 100 bis 200 μg/kg einer oder mehrerer PAK-Einzelverbindungen; b) ein Gehalt von mehr als 200 mg/kg Formamid. Zur Abwertung um eine Note führen: halogenorganische Verbindungen. Unter dem Testergebnis Praxisprüfung führt zur Abwertung um eine Note: eine mögliche leicht erhöhte elektrostatische Oberflächenspannung der rauen/strukturierten Mattenseite von mehr als 1.000 bis 3.000 Volt. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: unangemessener Warnhinweis "Für Kinder unter drei Jahren nicht geeignet” oder vergleichbarer/es Wortlaut/ Piktogramm, wenn das Spielzeug aufgrund von Material und Gestaltung für Kinder unter drei Jahren geeignet ist. Zur Abwertung um eine Note führen: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung (Klarsichtbeutel). Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe und auf dem Testergebnis Praxisprüfung. Es kann nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend” ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note.

Testmethoden: Probenzusammensetzung: repräsentative Mischprobe, sofern nicht anders aufgeführt. Halogenorganische Verbindungen: Elution mit Reinstwasser in der Soxhlet-Apparatur, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. Weichmacher, phosphororganische Verbindungen, sonstige Verbindungen: GC/MS nach Extraktion und Derivatisierung. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen (in Produkt und ggf. Verpackung), Schwermetalle: Röntgenfluoreszenzanalyse (Nachweis in Einzelteilen). Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe: GC-MSD (getestet auf 25 polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe nach EU/EPA/JECFA). Formamid: GC/MS nach Extraktion. Mögliche elektrostatische Oberflächenspannung: Messung nach alltagstypischer Reibung bei 20 bis 22 °C und 40 bis 50 % relativer Luftfeuchte ohne leitenden Unterboden; circa 1.000 cm² Puzzlematte, Proben waren vorab mehrere Tage den Klimabedingungen ausgesetzt, Luftionisation im Messraum: 600 bis 800 Ionen pro Kubikzentimeter; Untergrund: ein schwimmend über Polystyrol verlegter Holzfußboden; Oberflächen wurden 5 bis 30 Sekunden vor der Messung mit alltagstypischen Reibungen provoziert (Schuhe mit verschiedenen Sohlen [Leder, Kunststoff], Handfläche, verschiedene Textilien); die Messungen der Oberflächenspannungen wurden mindestens fünf Mal wiederholt; verwendete Messgeräte: Elektrofeldmeter EFM 022, EFM 110 bzw. EFM 251, Teraohmmeter TOM 374 mit verschiedenen Messelektroden, Insulationtester Beha Typ Giga Ohm 93406, Feuchte- und Temperaturmessgerät Testo 615, Luftionenmessgerät Ionometer IM 5005. Sicherheitsprüfung von Spielzeug: nach DIN EN 71-1 - Mechanische und physikalische Eigenschaften.

Einkauf der Testprodukte: 2014

Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST Ratgeber Kleinkinder 2014 und ÖKO-TEST Magazin 08/2014. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben, sofern sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

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