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9 Zahnputz-Lernsets im Test

Putz ich?

ÖKO-TEST April 2011 | Kategorie: Kinder und Familie | 25.03.2011

9 Zahnputz-Lernsets im Test

Die untersuchten Zahnputzlernsets enttäuschen, weil sie bedenkliche Schadstoffe enthalten und viel zu scharfkantige Zahnbürstenborsten haben. Nur zwei Produkte sind empfehlenswert.

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Bevor Kinder komplett ohne Hilfe die eigenen Zähne richtig sauber bekommen, können sie schon lange laufen, sprechen und meistens auch Fahrrad fahren. Die Zahnpflege ist eines der ganz langwierigen Lernprojekte der Kindheit und seit Generationen in den Top Five der Streitthemen zwischen Kind und Eltern gut vertreten.

Damit es friedlicher und für die Kinder motivierender abläuft, empfehlen Zahnärzte, Babys schon früh vorsichtig daran zu gewöhnen, dass ihnen ein Fremdkörper im Mund herumfuhrwerkt. Im Alter von fünf oder sechs Monaten kann man langsam damit beginnen, auch wenn der erste Zahn dann noch nicht durchgebrochen sein sollte.

Im Handel sind für diesen Zweck spezielle Zahnputzlernsets erhältlich, zu denen in der Regel eine Babyzahnbürste sowie je ein Teil mit einem Massagekopf und einem bürstenähnlichen Aufsatz aus Weichkunststoff gehören. Die Idee dahinter: Gegen Gegenstände, die sie sich selber in den Mund stecken, haben Kinder nichts einzuwenden, sondern finden sie besonders spannend. Man nehme also ein zahnbürstenähnliches Gebilde mit kindgerechter kompakter Griffform und einem unverwüstlichen Massagekopf aus Weichkunststoff und biete es dem Kind an. Das Kauen darauf kann beim Zahnen angenehm sein. Die bald folgende Zahnbürste in der Hand der Eltern verliert dann hoffentlich ihren Schrecken.

Wegen dieser Vorteile hat Willi-Eckhard Wetzel, heute emeritierter Professor für Kinderzahnheilkunde an der Uni Gießen, den Herstellern vor 25 Jahren zugeraten, solche Produkte auf den Markt zu bringen. "Im vergangenen Jahrzehnt habe ich meine positive Einstellung dazu aber deutlich geändert", sagt der Experte für Zahnbürsten. "Ich bin Kunststoffteilen in Kindermündern gegenüber generell skeptischer geworden, weil man nie weiß, ob sie problematische Weichmacher oder andere gesundheitsgefährdende Stoffe enthalten."

Wir wollten wissen, ob Professor Wetzels Skepsis begründet ist oder ob Zahnpflegelernsets frei von Schadstoffen sind und ob die dazugehörenden Babyzahnbürsten eine kindgerechte Form und Borstenqualität bieten.

Das Testergebnis

Es ist unser erster großer Test dieser Produktgruppe und wir stellen fest: Da liegt vieles im Argen, sowohl was die Inhaltsstoffe als auch was die Gebrauchseignung betrifft. Nur zwei Sets sind "sehr gut". Alle anderen fallen mit "mangelhaften" und "ungenügenden" Ergebnissen durch.

"Das Ergebnis ist überdurchschnittlich schlecht im Vergleich zu meinen bislang durchgeführten Zahnbürstenstudien", wundert sich Professor Martin Jung, der an der Universität Gießen die Gebrauchseignung der zu den Sets gehörenden Zahnbürsten für uns untersucht hat. "Bei der Abrundung der Borstenenden fehlt es an der nötigen Sorgfalt." Scharfkantige oder spitze Borstenenden sind eine Verletzungsgefahr fürs Zahnfleisch - besonders bei Kleinkindern, die noch sehr unkoordinierte Putzbewegungen machen. Beim Babydream Zahnputz-Lernset von Rossmann und beim Baby-Nova Zahnputzlernset ist sage und schreibe keine einzige der untersuchten


Zahnputz-Lernsets: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Babydream Zahnputz-Lernset
  • Rossmann

Fashy Baby Zahnpflegeset
  • Fashy

MAM Learn to Brush Set
  • MAM Babyartikel

Beauty Baby Zahnputz-Lernset
  • Müller Drogeriemarkt

Reer Lern-Zahnbürstenset
  • Reer

NUK Zahnpflege-Lernset
  • Mapa

Baby-Nova Zahnputzlernset
  • Novatex

Babylove Zahnputzlernset
  • Dm

Nuby Zahnbürste 3m+
  • Luv n' Care

9 Zahnputz-Lernsets im Test
ÖKO-TEST April 2011 Seite 172
ÖKO-TEST April 2011 Seite 173
ÖKO-TEST April 2011 Seite 174
ÖKO-TEST April 2011 Seite 175
ÖKO-TEST April 2011 Seite 176
ÖKO-TEST April 2011 Seite 177

6 Seiten
Seite 172 - 177 im ÖKO-TEST April 2011
vom 25.03.2011
Abrufpreis: 1,00 €

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Zahnputzlernsets richten sich an Eltern mit Babys kurz vorm und beim Durchbruch der ersten Milchzähne. Bevor die Feinmotorik so weit ist, dass sie das Zähneputzen wirklich lernen können, werden zwar noch Jahre vergehen, aber das Ziel ist zunächst mal, die Kinder an zahnbürstenähnliche Gegenstände im Mund zu gewöhnen. Dazu dienen in den Sets der Teil mit dem Massagekopf und der Teil mit dem Mundstück mit Kunststoffborsten. Dritte im Bunde ist meistens eine "normale" Babyzahnbürste, mit der die Eltern die ersten Zähnchen putzen können. Wir haben neun Zahnputzlernsets zu Preisen von drei bis sechs Euro eingekauft, vor allem in Drogerien und Kaufhäusern. Von der Firma MAM haben wir nur ein Set aus zwei Zahnbürsten gefunden, von denen eine mit langem Griff für die Eltern und eine fürs Kind gedacht ist. Der Massagekopf steckt am Ende der Bürste. Bei der Marke NUK ist keine Babyzahnbürste mit im Lernset, sondern wird einzeln angeboten.

Die Gebrauchseignung

Für Kinderzahnbürsten gibt es klare Qualitätskriterien. So muss der Stiel eine kompakte Form haben, damit Kinder ihn gut per Faustgriff halten können. Der Bürstenkopf muss klein genug und vorne möglichst abgerundet sein. Und besonders wichtig, um Verletzungen am Zahnfleisch vorzubeugen, sind gut abgerundete Borstenenden. Professor Martin Jung von der Poliklinik Zahnerhaltungskunde und Präventive Zahnheilkunde der Universität Gießen beurteilte für uns den Aufbau der Zahnbürste und untersuchte die Borstenendabrundungen unter dem Mikroskop. Die Bilder zeigen das in dieser Hinsicht beste (rechts) und eines der beiden schlechtesten (links) Produkte.

Die Inhaltsstoffe

In unseren Tests von Kinder- und Babyprodukten mit weichen Kunststoffbestandteilen stoßen wir immer wieder auf erstaunlich hohe Schadstoffgehalte. Wenn, wie bei den Zahnputztrainern, das Kunststoffteil auch noch dafür bestimmt ist, von den Babys in den Mund genommen zu werden, interessiert umso mehr, wie es um die Qualität des Materials bestellt ist. Nicht nur die inzwischen in Babypflegeartikeln und Kinderspielzeug verbotenen Phthalate sind nach Erfahrung von ÖKO-TEST nach wie vor ein Problem. Es können auch Weichmacheröle eingesetzt worden sein, die krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) enthalten. Bei der Analyse dieser Inhaltsstoffe haben wir uns auf die Mundstücke konzentriert. Manchmal ist das gleiche Material auch an den Griffen verarbeitet. Wir haben außerdem in allen Teilen nach umweltschädlichem PVC-Kunststoff und Schwermetallen fahnden lassen.

Die Bewertung

Auch wenn ein gesetzlicher Grenzwert für PAK in Gebrauchsgegenständen bisher fehlt: Diese Stoffe sollten gerade in Babyprodukten so weit wie irgend möglich reduziert werden. Wir bewerten sie daher streng. Des Weiteren gibt es keinen vernünftigen Grund, weshalb die Borsten von Babyzahnbürsten schlechter abgerundet sein sollten als die von Zahnbürsten für Erwachsene - ganz im Gegenteil! Da Zahnbürste und Zahnputztrainer in einer gemeinsamen Verpackung als ein Produkt verkauft werden, schlagen Mängel an den Einzelteilen voll auf das Gesamturteil durch.

Aktuelle Ausgabe
ÖKO-TEST November 2018: Schwerpunkt Mikroplastik
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Zugehörige Ausgabe:
ÖKO-TEST April 2011
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Erschienen am 25.03.2011

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