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12 Trinklerntassen im Test

ÖKO-TEST Oktober 2011
vom 30.09.2011

Trinklerntassen

Schnabelhaft

Trinklernbecher sind praktisch und robust, den Kleinen erleichtern sie den Übergang zum eigenständigen Trinken. Und unser Test zeigt: Die Mehrzahl der Produkte ist rundum in Ordnung.

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30.09.2011 | Babys sind lernbegierig: Um ihren ersten Geburtstag herum, manche ein paar Monate früher, andere etwas später, möchten sie wie ihre Eltern selbstständig trinken. Doch aller Anfang ist schwer, die Koordination bereitet Schwierigkeiten - und beim Versuch, aus einer offenen Tasse oder einem Glas zu trinken, landet die Flüssigkeit überall, nur nicht im Mund.

Um den Sprösslingen den Übergang von der Brust oder vom Fläschchen zum Trinkgefäß der Großen zu erleichtern, werden Trinklerntassen und -becher angeboten. Voraussetzung ist, dass das Kind den Becher allein halten kann. Griffe links und rechts vereinfachen das Festhalten.

Die Trinkschnäbel der Becher gibt es in verschiedenen Ausführungen. So schreibt Anbieter Mapa zu seinem Produkt Nuk Rose & Blue First Choice: "Die Trinktülle aus TPE ist angenehm weich und erlaubt es zu lernen - indem auch mal was danebengehen darf." Neben weichen Trinkschnäbeln ab dem sechsten Monat für empfindliches Zahnfleisch werden aber auch harte Schnäbel ab dem zwölften Monat angeboten.

Mit Einführung der Beikost bekommen viele Kinder zusätzliche Getränke. Die Experten des Netzwerks Junge Familie empfehlen zusätzliche Flüssigkeit erst, wenn der dritte Beikostbrei eingeführt wird, also frühestens mit Beginn des siebten Monats. Davon ausgenommen sind Phasen mit erhöhtem Flüssigkeitsbedarf, zum Beispiel wenn das Baby Fieber oder Durchfall hat. Bei Einjährigen sollten es rund 600 Milliliter (ml) sein, vorzugsweise Wasser oder ungesüßte Kräuter- oder Früchtetees. Die Wirklichkeit sieht allerdings anders aus: Jungen trinken lediglich 343 ml, Mädchen gar nur 239 ml, weist der Ernährungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung aus. Milch wird dabei nicht mitgerechnet, sie zählt als nährstoffreiches Lebensmittel.

Als Trostspender, auf dem die Babys lange herumnuckeln, sollten die Becher allerdings nicht fungieren. Zucker- und säurehaltige Getränke wie Saftschorlen können dann zu Karies an den Milchzähnen führen. Mit normalen Bechern oder Tassen lässt sich das Problem umgehen: Wird das Gefäß anfangs fast bis zum Rand gefüllt, öffnet das Baby seinen Mund, sobald die Oberlippe befeuchtet wird. Der Mannheimer Kinderarzt und ÖKO-TEST-Berater Dr. Falko Panzer hält Trinklernbecher lediglich für eine nette Spielerei: "Wenn man das Kind von vornherein an einen normalen Becher gewöhnt, funktioniert das Trinkenlernen hervorragend", sagt er.

Nichtsdestotrotz erfreuen sich Trinklernbecher und -tassen bei Eltern großer Beliebtheit, sind sie doch praktisch, unzerbrechlich und mehr oder weniger auslaufsicher. ÖKO-TEST hat zwölf Produkte eingekauft und im Labor auf Schadstoffe sowie Geruchs- und Geschmackseigenschaften untersuchen lassen.

Das Testergebnis

Fast alles gut: Beim Kauf einer Trinklerntasse kann man nicht viel verkehrt machen: Zehn der zwölf getesteten Produkte schneiden mit "sehr gut" oder "gut" ab. Nur die Babydream Schnabeltasse mit Motiv "Bienchen" aus Melamin von Anbieter Rossmann fällt mit "mangelhaft" du

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So haben wir getestet

Der Einkauf
An beiden Seiten mit Griffen ausgestattete Trinklernbecher sollen den Übergang vom Nuckelfläschchen und das eigenständige Trinken aus einem Glas oder einer Tasse erleichtern. Die meisten der eingekauften Becher waren mit der Altersangabe ab sechs Monate versehen. Die Preise reichten von knapp 2,50 Euro bis zu fast neun Euro.

Die Inhaltsstoffe
Die Mehrzahl der Becher besteht laut Anbieterangaben aus Polypropylen, die Mundstücke häufig aus Silikon. Ein Labor überprüfte, ob nicht doch irgendwo PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe verarbeitet wurden. Weitere Analysen galten bedenklichen und gesundheitsschädlichen Weichmachern, Phenolen wie Bisphenol A und Verunreinigungen durch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, von denen einige krebserzeugend sind, sowie einer speziellen Migrationsuntersuchung auf Melamin und Formaldehyd für den Melaminbecher.

Die Sensorik
Frisch ausgepackt, verströmen Kunststoffprodukte oft eine unangenehme Chemienote. Das muss nicht an gesundheitsgefährdenden Stoffen liegen, kann sich aber geschmacklich nachteilig auf den Inhalt des Trinklernbechers auswirken. Um das zu testen, rochen sechs Experten in Anlehnung an die DIN-Norm 10955 (2004) erst an den ungereinigten, dann an den gespülten Bechern und verkosteten gemäß der Norm stilles Mineralwasser, das in den gereinigten Bechern 24 Stunden lang stehen gelassen wurde.

Die Bewertung
Im Idealfall ist ein Trinklernbecher frei von Schadstoffen, riecht nicht und wirkt sich auch nicht geschmacklich auf seinen Inhalt aus. Daher setzt sich das Gesamturteil aus den Testergebnissen Inhaltstoffe und Sensorik zusammen und kann nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis. Zeigt ein Becher schon bei einer einfachen Migrationsprüfung Risse, dann kann er nicht besser als "mangelhaft" sein.

So haben wir getestet

Risse am Becherrand: Das Melamin-Produkt von Rossmann war schon nach dem ersten Durchgang der Migrationsprüfung nicht mehr brauchbar.