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18 Mousepads im Test

ÖKO-TEST Oktober 2011
vom 30.09.2011

Mousepads

Unten durch

Manche Mousepads sind schlichtweg Sondermüll. Hersteller Hama hat die Produktion seines Produktes gestoppt, nachdem die von uns beauftragten Labore darin giftiges Quecksilber gefunden haben. Ein weiterer Produzent behauptet, sein Produkt vom Markt zu nehmen.

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30.09.2011 | Manche legen im Büro immer wieder Hand und Handgelenk drauf. Und Computerspielfreunde pflegen auch schon mal von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang Hautkontakt zu ihrem Mousepad. Die Unterlage wurde einst entwickelt, damit Computermäuse, die die Tischoberfläche mit einer gummierten Kugel abtasten, nicht ins Stolpern geraten. Mittlerweile gibt es optische Mäuse, die überhaupt keine Unterlage mehr benötigen. Und zur neuesten Generation gehören Mäuse, in deren Bauch ein Laser den Untergrund scannt - für diese Geräte sind selbst hochglänzende Tischplatten kein Hindernis mehr. Dennoch: Auf vielen Schreibtischen rollt immer noch eine normale Maus, geführt von einem Mousepad.

Mousepads sterben vielleicht auch deshalb nicht aus, weil man auf dem riesigen Markt spielend die passende Unterlage zum eigenen Typ findet: Mousepads gibt es aus Leder im Braun der Louis-Vuitton-Handtaschen. Die Unterlagen bestehen aus Schaumgummi, Filz, PVC, sind zu haben mit oder ohne Textiloberfläche. Auch Pads aus Naturkautschuk warten auf Käufer. Die Matten werden als Ein-Euro-Artikel und Highendprodukt mit gel- oder schaumstoffgefüllten Handgelenkruhekissen angeboten. Und wie Kaffeetassen und T-Shirts auch, kann man Mousepads individuell gestalten. Hund, Katze, Kerstin oder Rolf: Dank Druck sind die Liebsten auch am Arbeitsplatz dabei.

Doch was steckt eigentlich drin in den Mousepads und was kommt raus? Den ÖKO-TEST-Lesern jedenfalls stinkt es: "Machen Sie doch mal was über Mousepads, die riechen oft extrem schlecht", baten immer wieder Anrufer in unserer Verbraucherberatung. Einer mailte sogar, dass sein neues Mousepad so extrem rieche, dass "sich meine Frau fast übergeben musste".

Dem Wunsch unserer Leser kommen wir gern nach. Wir haben 18 Mousepads in die Labore geschickt. Alles ist dabei: von ganz schön teuer (33,14 Euro) bis fast geschenkt (1,99 Euro), Unterlagen aus China, Taiwan, aber auch Deutschland und den Niederlanden.

Das Testergebnis

Klassenziel verfehlt. Wären die 18 Mousepads eine Schulklasse, der Test eine Mathearbeit, hätte der Lehrer die Arbeit wiederholen lassen: Zehnmal "ungenügend", jeweils zwei "mangelhaft", "ausreichend" und "befriedigend" und nur einmal "gut" und "sehr gut" lautet das Testergebnis. Einziger Einserkandidat ist das Filzpad Enter für 15,90 Euro. Das Hauptärgernis: 16 der 18 Mousepads enthalten polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, vier von ihnen in Spuren. Einige Stoffe dieser Gruppe sind krebserzeugend, die meisten riechen unangenehm. Sie können über die Haut in den Körper gelangen. Das Mousepad Top Model vom Depeche Vertrieb und das der Firma Vistaprint weisen sogar erhöhte Werte Benzo[a]pyrens auf. Diese Substanz ist stark krebserregend und schädigt das Erbgut.

Jedes Material hat seine Probleme. Unterlagen aus PVC/PVDC/chlorierten Kunststoffen schneiden mit "ungenügend" ab. Denn um diese Materialien geschmeidig und stabil zu machen, ist oft der Einsatz von weiteren Schadstoffen nötig. So besteht zum Beispiel das Dura

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Wir haben 18 Mousepads im Fachhandel oder via Internet gekauft. Artikel von bekannten Marken wie 3M und Hama sind dabei, ebenso Produkte von unbekannten Herstellern. Wir suchten teure Unterlagen aus Leder oder mit Handgelenkauflagen aus, aber auch schlichte Kunststoffmatten. Um Alternativen zu den gängigen Produkten aufzuzeigen, haben wir zwei Filzpads getestet. Schließlich bestellten wir noch zwei individuell gestaltbare Mousepads für den Test.

Die Inhaltsstoffe
Die Mousepads durchliefen spezielle Testprogramme. Bei Kunststoffunterlagen suchten wir nach Weichmachern, die die Matten elastisch machen und sich wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe aus dem Material herauslösen können. Bei Filzpads macht es dagegen wenig Sinn, nach Weichmachern zu suchen. Halogenorganische Verbindungen, oft in Farben und Klebstoffen enthalten, können dagegen auch Filz verunreinigen. Kautschuk enthält oft Nitrosamine. War Farbe im Spiel, ließen wir nach krebserregenden oder Allergien auslösenden Farbstoffen suchen. Beim Leder bleibt oft Chrom vom Gerben im Material, außerdem gibt es schädliche Konservierungsstoffe. Logisch, dass wir das ebenfalls untersuchen ließen.

Die Bewertung
Benutzer berühren Mousepads oft stundenlang mit der bloßen Haut. Deshalb erhalten Dreckschleudern von uns nur ein "ungenügend".

So haben wir getestet

Im Labor schneiden Mitarbeiter die Mousepads in "analysegerechte" Stücke.