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18 Mousepads im Test

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2013
vom 19.10.2012

Mousepads

Unten durch

Manche Mousepads sind schlichtweg Sondermüll. Hersteller Hama hat die Produktion seines Produktes gestoppt, nachdem die von uns beauftragten Labore darin giftiges Quecksilber gefunden haben.

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19.10.2012 | Machen Sie doch mal was über Mousepads, die riechen oft extrem schlecht", baten immer wieder ÖKO-TEST-Leser in unserer Verbraucherberatung. Dem Wunsch unserer Leser sind wir nachgegangen und haben 18 Mousepads in die Labore geschickt. Alles ist dabei: von ganz schön teuer (33,14 Euro) bis fast geschenkt (1,99 Euro).

Das Testergebnis

Zehnmal "ungenügend", jeweils zwei "mangelhaft", "ausreichend" und "befriedigend" und nur einmal "gut" und "sehr gut" lautet das Testergebnis. Einziger Einserkandidat ist das Filzpad Enter für 15,90 Euro. Das Hauptärgernis: Zwölf Mousepads enthalten polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Einige Stoffe dieser Gruppe sind krebserzeugend, die meisten riechen unangenehm. Sie können über die Haut in den Körper gelangen. Das Mousepad Top Model vom Depeche Vertrieb und das der Firma Vistaprint weisen sogar erhöhte Werte Benzo[a]pyren auf. Diese Substanz ist stark krebserregend und schädigt das Erbgut.

Jedes Material hat seine Probleme, Unterlagen aus PVC/PVDC/chlorierten Kunststoffen schneiden mit "ungenügend" ab. Denn um diese Materialien geschmeidig und stabil zu machen, ist oft der Einsatz von weiteren Schadstoffen nötig. So besteht zum Beispiel das Durable Extraflaches Mousepad zu gut einem Drittel (!) aus dem in Kinderspielzeug und Babyartikeln verbotenem Weichmacher Diisodecylphthalat (DIDP). Doch auch das Mousepad aus Naturkautschuk von Rossmann hat enttäuscht. Es enthält große Mengen krebserregender Nitrosamine.

Die Ledermousepads Foster Series Mousepad Leder von Helit und Klassik Leder von Spezia Lederwaren wiederum weisen beide einen hohen Chromgehalt auf. Der stammt wahrscheinlich vom Gerben. Dazu halogenorganische Verbindungen - viele Stoffe aus dieser großen Gruppe gelten als allergieauslösend, manche als Krebs erzeugend. Das Pad Klassik Leder enthält auch Chlorkresol: Das Lederkonservierungsmittel kann die Schleimhäute reizen.

Das Mousepad von Hama ist Sondermüll. Bereits seit dem 3. April 2009 ist das Inverkehrbringen von neuen quecksilberhaltigen Messinstrumenten wie Fieberthermometern in der Europäischen Union verboten. Mit ihrer "Gemeinschaftsstrategie für Quecksilber" wollen die EU-Staaten die Verschmutzung der Umwelt durch Quecksilber reduzieren. Umso überraschender, dass ein beauftragtes Labor in der Unterseite des Mouse Pad Pro, mini, blau von Hama sage und schreibe 3.000 Milligramm Quecksilber pro Kilogramm gefunden hat. In einer weiteren Untersuchung, die das Verhalten des im Material enthaltenen Schwermetalls im Kontakt zu Schweiß untersucht, haben sich 4,1 Milligramm des Giftes aus dem Mousepad gelöst.

Um sich von der Masse der blauen, grauen und schwarzen Mousepads abzuheben, setzen einige Hersteller auf Farben. Leider auch zum Schaden der Verbraucher. So enthält das Mousepad Top Model den Farbbaustein Anilin, der im Tierversuch Krebs erzeugt. Die Mousepads von 3M, Ednet und Hama enthalten das aromatische Amin 4,4-Diaminodiphenylmethan. Die Bedarfsgegenständeverordnung verbie

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Wir haben 18 Mousepads im Fachhandel oder via Internet gekauft. Artikel von bekannten Marken wie 3M und Hama sind dabei, ebenso Produkte von unbekannten Herstellern. Wir suchten teure Unterlagen aus Leder oder mit Handgelenkauflagen aus, aber auch schlichte Kunststoffmatten. Um Alternativen zu den gängigen Produkten aufzuzeigen, haben wir zwei Filzpads getestet. Schließlich bestellten wir noch zwei individuell gestaltbare Mousepads für den Test.

Die Inhaltsstoffe
Die Mousepads durchliefen spezielle Testprogramme. Bei Kunststoffunterlagen suchten wir nach Weichmachern, die die Matten elastisch machen und sich wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe aus dem Material herauslösen können. Bei Filzpads macht es dagegen wenig Sinn, nach Weichmachern zu suchen. Halogenorganische Verbindungen, oft in Farben und Klebstoffen enthalten, können dagegen auch Filz verunreinigen. Kautschuk enthält oft Nitrosamine. War Farbe im Spiel, ließen wir nach krebserregenden oder Allergien auslösenden Farbstoffen suchen. Beim Leder bleibt oft Chrom vom Gerben im Material, außerdem gibt es schädliche Konservierungsstoffe. Logisch, dass wir das ebenfalls untersuchen ließen.

Die Bewertung
Benutzer berühren Mousepads oft stundenlang mit der bloßen Haut. Deshalb erhalten Dreckschleudern von uns nur ein "ungenügend".

So haben wir getestet

Im Labor schneiden Mitarbeiter die Mousepads in "analysegerechte" Stücke.

Online abrufbar

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Bestellnr.: J1210
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