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13 Pflanzliche Venenmittel im Test

Beinhart

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2013 | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 19.10.2012

13 Pflanzliche Venenmittel im Test

Müde, schwere und geschwollene Beine sind die ersten Anzeichen der weitverbreiteten Venenschwäche. Hilfreich sind einige Arzneimittel zum Einnehmen, die auf einem Extrakt aus Rosskastaniensamen basieren.

Krampfadern sind gefährlich. In ihnen fließt das Blut langsamer, sodass es leichter gerinnen kann. Bei einer Thrombose verstopft ein solches Gerinnsel eine Beinvene: Das Bein schwillt an und schmerzt. Löst sich das Gerinnsel und gelangt bis in die Lunge, kann es für die Atmung lebenswichtige Adern verschließen und so eine Lungenembolie verursachen.

Bei Venenschwäche entlasten Kompressionsstrümpfe das Gefäßsystem von außen; doch wenn im Sommer die Temperaturen steigen, bleiben sie oft in der Schublade. Dann wird schon mal in Apotheken oder Drogerien nachgefragt.

Im ÖKO-TEST: 13 pflanzliche Venenmittel zum Einnehmen, die zur Behandlung von Beschwerden der Beinvenen wie Schmerzen und Schweregefühl in den Beinen angewendet werden.

Das Testergebnis

Zwölf der 13 Präparate schneiden mit "sehr gut" oder "gut" ab, nur eines fällt mit "mangelhaft" aus der Reihe.

Nach aktuellem Wissensstand sind Präparate zu empfehlen, die als Wirkstoff einen alkoholischen Trockenextrakt aus den Samen der Rosskastanie enthalten. In Studien konnten diese Extrakte nach 2- bis 16-wöchiger Einnahme nicht nur die Schmerzen in den Beinen, Wasseransammlungen und den Juckreiz verringern, sondern auch den Umfang der Beine vermindern. Die Mittel ergänzen in sinnvoller Weise andere therapeutische Maßnahmen, wenn diese nicht ausreichen, um einen beschwerdefreien Zustand zu erreichen.

Als wirksamkeitsbestimmende Inhaltsstoffe in Rosskastaniensamenextrakten gelten Triterpene, eine Gruppe von Verbindungen, deren Gehalt sich als Aescin berechnen lässt. Voraussetzung für einen positiven Effekt eines Venenmittels ist ein Aescingehalt von mindestens 100 Milligramm (mg) in einer Tagesdosis. Daher sollten Rosskastaniensamenextrakte auf Aescin standardisiert sein.

Bei den Aescuven forte, Dragees von Cesra fehlen Angaben zum Droge-Extrakt-Verhältnis und zum Extraktionsmittel. Diese sind unentbehrlich, um Aussagen über die Wirksamkeit von pflanzlichen Extrakten machen zu können. Denn die Art und Weise der Herstellung beeinflusst entscheidend die Zusammensetzung des Extrakts und damit dessen Wirksamkeit. Unabhängig davon wäre der in einer Tagesdosis enthaltene Triterpengehalt mit 60 mg ohnehin zu niedrig.

Nicht so gut belegt ist die Wirksamkeit des Trockenextrakts aus rotem Weinlaub, der in den Antistax Venenkapseln steckt. Die Anwendungsdauer ist laut Gebrauchsinformation auf drei Monate begrenzt.

Positiv: In den Beipackzetteln aller getesteten Mittel wird darauf hingewiesen, dass sich auch ohne Arzneimittel viel zur Stärkung der Venen tun lässt. Sinnvolle vorbeugende Maßnahmen wie Wassergüsse, Stützstrümpfe oder Bewegung werden genannt.


Venenmittel: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Aescuven forte, Dragees
  • Cesra

Venoplant retard S, Retardtabletten
  • Dr. Willmar Schwabe

Aescusan retard 50, Retardtabletten
  • Mibe

Venoruton retard Rosskastanie, Retardtabletten
  • Novartis Consumer Health

Plissamur, Dragees
  • Ardeypharm

Aescorin forte, Hartkapseln
  • Steigerwald

Venostasin retard, Hartkapseln retardiert
  • Astellas

Veno-Biomo retard 50 mg, Retardtablette
  • Biomo Pharma

Venen-Tabletten Stada, Retardtabletten
  • Stadapharm

Venentabs-Ratiopharm Retardtabletten
  • Ratiopharm

Antistax Venenkapseln, Hartkapseln
  • Boehringer Ingelheim

Venodura retard 50 mg, Retardtabletten
  • Mylan dura

SE Rosskastanie, Retardtabletten
  • Spitzner

13 Pflanzliche Venenmittel im Test
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2013 Seite 88
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2013 Seite 89
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2013 Seite 90
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2013 Seite 91

4 Seiten
Seite 88 - 91 im ÖKO-TEST Jahrbuch für 2013
vom 19.10.2012
Abrufpreis: 1,00 €

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Gerade im Sommer machen vielen Menschen nach einem langen Arbeitstag geschwollene Beine und Füße zu schaffen. Grund genug für uns, einmal in Apotheken und Drogerien nachzuschauen, welche Hilfe der Markt so anbietet. Berücksichtigt haben wir nicht nur Arzneimittel mit konkreten venenbezogenen Anwendungsgebieten, sondern auch kosmetische Mittel, die müde und schwere Beine pflegen und die Durchblutung aktivieren sollen.

Die Begutachtung

Unser wissenschaftlicher Berater, Professor Manfred Schubert-Zsilavecz, ist den Fragen nachgegangen, wie gut die Wirksamkeit der arzneilichen Venenmittel in Studien belegt und wie es um den Nutzen der kosmetischen Mittel bestellt ist. Die Anbieter der Letzteren hatten wir vorab darum gebeten, uns Nutzenbelege für ihre Produkte zuzuschicken - es kamen leider keine. Lediglich Abtei schickte einige allgemeine Ausführungen über Menthol, Kampfer und die Rosskastanie. Professor Schubert-Zsilavecz musste bei seiner Recherche erstaunt feststellen, dass "in den letzten Jahren de facto keine neuen Daten publiziert wurden".

Die Hilfs- und weiteren Inhaltsstoffe

Manch bedenklicher und/oder umstrittener Inhaltsstoff findet sich schon beim aufmerksamen Lesen der Deklaration, seien es Paraffine oder bestimmte Farbstoffe. Andere sind nur mittels aufwendiger Laboranalyse aufzuspüren, da sie sich hinter Oberbegriffen verbergen können: allergieauslösende Duftstoffe oder Moschus-Verbindungen hinter "Parfüm", das den Schutzmechanismus der Haut beeinflussende Diethylphthalat im zugesetzten Alkohol, zu dessen Vergällung es eingesetzt wird. Manchmal meinen es die Anbieter auch zu gut mit der Information der Verbraucher: So war das im Klosterfrau Venengold Bein-Gel deklarierte Methyleugenol analytisch nicht nachweisbar. Laut Anbieter handelt es sich um einen natürlichen Bestandteil des verwendeten Rosmarinöls.

Die Bewertung

Das A und O sind für uns Studien oder Untersuchungen, die die Wirksamkeit eines Arzneimittels bzw. den Nutzen eines Produktes eindeutig belegen. Fehlen diese, kann es in der Pharmakologischen Begutachtung bzw. in der Beurteilung der maßgeblichen Inhaltsstoffe nur ein "mangelhaft" geben. Doch nicht nur wirksam sollte ein Arzneimittel sein, sondern auch unbedenklich: Überschreitet ein Wirkstoff in der Dosierung die vom Bundesinstitut für Risikobewertung festgelegte tolerierbare tägliche Aufnahmemenge um ein Vielfaches, kann das Mittel in unserem Test natürlich nur schlecht abschneiden. Vermissen wir dann noch sinnvolle ergänzende Hinweise zur Vorbeugung und Behandlung von Venenerkrankungen, gehen die Produkte mit "ungenügend" aus dem Rennen. Der umgekehrte Fall, dass ein wirksames Präparat aufgrund bedenklicher und/oder umstrittener Hilfsstoffe am Schluss des Feldes landet, kam in diesem Test nicht vor.

Aktuelle Ausgabe
ÖKO-TEST November 2018: Schwerpunkt Mikroplastik
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Zugehörige Ausgabe:
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2013
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Erschienen am 19.10.2012

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2013
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