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After-Sun im Test: Bekannte Cremes und Lotionen überzeugen nicht

ÖKO-TEST Juli 2019: Titelthema Mineralwasser | Autor: Meike Rix/Lena Wenzel | Kategorie: Kosmetik und Mode | 27.06.2019

After-Sun im Test: Bekannte Cremes und Lotionen überzeugen nicht
(Foto: ÖKO-TEST)

Bei einem Sonnenbrand kühlen After-Sun-Produkte die Haut und versorgen sie mit Feuchtigkeit. Überzeugt auch der Inhalt der Lotionen und Sprays? Im Test fallen sieben durch. Mehr als die Hälfte können wir aber empfehlen.

After-Sun-Produkte wirken kühlend und befeuchtend. Rezepturen mit viel Alkohol, Wasser und beispielsweise Aloe vera machen das möglich. Was die leichten Bodylotions leider nicht können, ist die Haut zu entlasten, wenn wir zu viel UV-Strahlung abbekommen haben. Auch können sie, anders als die Werbung oft suggeriert, keinen Sonnenbrand beheben. Auch weitere angepriesene Wohltaten für die „sonnengestresste“ oder „sonnenstrapa­zierte“ Haut sind fraglich.

After-Sun im Test mit den besten Lotionen, Sprays und Gels im Vergleich

„Die Werbung auf After-Sun-Produkten ärgert mich schon lange“, sagt Professor Eckard Breitbart von der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention. Wenn etwa von Regeneration oder Reparatur die Rede sei, führe das zu völlig falschen Erwartungen. Wir finden, diese überzogenen Werbeversprechen sind ärgerlich. Viel wichtiger aber ist es, dass die Inhaltsstoffe der Produkte überzeugen. Wir haben 29 Lotionen, Gele und Sprays mit etwa „After Sun“ oder „Après Soleil“ im Namen getestet, darunter auch Naturkosmetik.

Das Ergebnis: 20 der 29 Produkte können wir empfehlen. Sie schneiden mit „sehr gut“ und „gut“ ab. 14 Kandidaten enthalten umweltbelastende Kunststoffverbindungen oder Stoffe, die ein Risiko für die Gesundheit darstellen können. Zum Teil liegt das an Substanzen, deren Einsatz nicht mehr zeitgemäß ist und auch nicht mehr lange erlaubt sein wird. Fünf After-Sun-Produkte fallen insgesamt mit „ungenügend“, zwei mit „mangelhaft“ durch. Darunter ausgerechnet auch namhafte Marken. Zwei weitere Produkte schneiden „befriedigend“ und „ausreichend“ ab. 

Im Fokus der Analysen standen Duftstoffe, die Allergien auslösen können, oder die Verbraucherschützer wegen anderer gesundheitlicher Risiken kritisieren. After-Sun-Produkte, in deren Zutatenlisten Erdölprodukte wie Paraffine stehen, ließen wir von einem spezialisierten Labor auf Mineralöl-Verunreinigungen untersuchen.

Weiter zu den getesteten Produkten

After-Sun-Lotionen mit Problemstoff Lilial belastet

Problematische Duftstoffe: Vier Produkte enthalten Lilial. Der künstliche Duftstoff hat sich schon vor Jahren in Tierversuchen als fortpflanzungsschädigend erwiesen. Und die Hersteller setzen ihn trotzdem immer noch ein. Ein Produkt hat neben Lilial auch noch Lyral in seiner Duftmischung. Der Einsatz von Lyral in Kosmetika ist wegen des allergenen Potenzials bereits verboten worden. Lyralhaltige Produkte dürfen derzeit aber noch übergangsweise verkauft werden.

Durch die Haut und gegen die Natur: Polyethlyenglycolen und/oder chemische Verwandte (PEG/PEG-Derivate) stecken in sieben Produkten. Wir kritisieren solche künstlichen Emulgatoren, weil sie die Haut durchlässiger für körperfremde Stoffe machen können.

Als kritisch sehen wir auch synthetische Polymere, also lösliches Plastik in den Rezepturen der Lotionen, Gele und Sprays. Mit dem Umweg über die Dusche und Kläranlage können die Stoffe in die Umwelt gelangen. Sie sind in vielen getesteten Produkten enthalten. 

Mineralöl-Rückstände in After-Sun-Produkten 

Gefahrstoff in einem Markenprodukt: Eins der getesteten Produkte enthält den als Gefahrstoff eingestuften Konservierer Polyaminopropylbiguanid (PHMB) in einer Konzentration von weniger als 0,1 Prozent. Das wissenschaftliche Beratergremium der EU-Komission hat PHMB bis zu einer Konzentration von 0,1 Prozent in kosmetischen Mitteln als sicher bewertet, rät jedoch vom Einsatz in sprühbaren Darreichungsformen ab.

Bekannte Marke mit Mineralöl belastet: Im Produkt einer weiteren namenhaften Marke hat das von uns beauftragte Labor aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) nachgewiesen. Wenn Kosmetika Erdölprodukte wie in diesem Fall den Inhaltsstoff Paraffinum liquidum enthalten, finden wir regelmäßig Verunreinigungen mit MOAH. Zu der Stoffgruppe können Verbindungen gehören, die unter Verdacht stehen, Krebs zu erregen. 

Werbung zum Rotsehen: Die Werbung auf der Vorderseite einer Verpackung suggeriert unserer Meinung nach, ein Notfallmittel gegen akuten Sonnenbrand zu sein. Diesen Extremfall haben wir abgewertet. Laut eines Gutachtens des Herstellers gehen Rötungen nur minimal mehr als ohne Eincremen zurück. Und wann die Entzündungsreaktionen ausgeheilt waren, geht aus der Untersuchung nicht hervor. 

Haut trotz After-Sun immer vor Sonne schützen 

Unser Tipp: After-Sun-Produkte können kühlen, wie es auch ein nasser Lappen kann. Sie können die Haut aber nicht reparieren. Am besten Sie schützen Ihren Körper daher von vorneherein vor zu viel Sonne.   

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Alga Maris After-Sun Fluid
Alga Maris After-Sun Fluid
Laboratoires de Biarritz (Naturwarenladen)
Alterra Après Sun Lotion Bio-Aloe Vera & Bio-Arnika
Alterra Après Sun Lotion Bio-Aloe Vera & Bio-Arnika
Rossmann
Alverde Après-Gel Bio-Aloe Vera
Alverde Après-Gel Bio-Aloe Vera
Dm
Annemarie Börlind After Sun Kühlendes Gel
Annemarie Börlind After Sun Kühlendes Gel
Börlind (Reformhaus/Naturwarenladen)
Bevola Après Lotion After Sun
Bevola Après Lotion After Sun
Kaufland
Biosolis After Sun Milch
Biosolis After Sun Milch
Pro-Vera (Naturwarenladen)
Clarins After Sun Soothing After Sun Balm
Clarins After Sun Soothing After Sun Balm
Clarins (Parfümerie)
Clinique After Sun Rescue Balm with Aloe
Clinique After Sun Rescue Balm with Aloe
Clinique (Parfümerie)
Dado Sens After Sun Gel
Dado Sens After Sun Gel
Dado-Cosmed
Douglas Sun After Sun Lotion Face & Body
Douglas Sun After Sun Lotion Face & Body
Douglas
Dr. Hauschka Nach der Sonne Körperlotion
Dr. Hauschka Nach der Sonne Körperlotion
Wala
Eco Cosmetics After Sun Lotion
Eco Cosmetics After Sun Lotion
Eco Cosmetics (Naturwarenladen)
Ey! AS Shimmering Aftersun Spray
Ey! AS Shimmering Aftersun Spray
Ey! Cosmetics (Naturwarenladen)
Garnier Ambre Solaire After Sun Feuchtigkeits-Spray
Garnier Ambre Solaire After Sun Feuchtigkeits-Spray
L'Oréal
Hawaiian Tropic Silk Hydration Air Soft After Sun Lotion
Hawaiian Tropic Silk Hydration Air Soft After Sun Lotion
Wilkinson Sword
Korres After Sun Moisturising Body Milk Aloe Vera
Korres After Sun Moisturising Body Milk Aloe Vera
Korres
Ladival Après Empfindliche Haut Lotion
Ladival Après Empfindliche Haut Lotion
Stada (Apotheke)
Lavera After Sun Lotion Bio-Aloe Vera & Bio-Sheabutter
Lavera After Sun Lotion Bio-Aloe Vera & Bio-Sheabutter
Laverana
Lavozon Kühlendes Après Spray
Lavozon Kühlendes Après Spray
Müller Drogeriemarkt
Nivea Sun Pflegendes After Sun Spray
Nivea Sun Pflegendes After Sun Spray
Beiersdorf
Piz Buin After Sun Soothing & Cooling Moisturising Lotion
Piz Buin After Sun Soothing & Cooling Moisturising Lotion
Johnson & Johnson
Rituals The Ritual of Karma After Sun Hydrating Lotion
Rituals The Ritual of Karma After Sun Hydrating Lotion
Rituals
Speick Sun After Sun Lotion
Speick Sun After Sun Lotion
Speick Naturkosmetik
Sun Dance After Sun Lotion
Sun Dance After Sun Lotion
Dm
Sunozon Aprèslotion
Sunozon Aprèslotion
Rossmann
Terra Naturi Feuchtigkeit Après Sun Lotion
Terra Naturi Feuchtigkeit Après Sun Lotion
Müller Drogeriemarkt
Today After Sun Lotion SOS Anti-Rötung
Today After Sun Lotion SOS Anti-Rötung
Rewe
Vichy Idéal Soleil Soothing After-Sun Milk Sensitive Skin
Vichy Idéal Soleil Soothing After-Sun Milk Sensitive Skin
Vichy (Apotheke)
Weleda Sun Edelweiss After Sun Lotion
Weleda Sun Edelweiss After Sun Lotion
Weleda

Testverfahren

Wir haben 29 Lotionen, Gele, Sprays mit „After Sun“, „Après Soleil“ oder „nach der Sonne“ im Namen eingekauft. Davon tragen elf ein Label, das ÖKO-TEST als Garant für echte Naturkosmetik einstuft. Mit dabei sind bekannte Markenprodukte, Discounter- und Drogerieeigenmarken, Produkte aus dem Naturwarenladen, aus der Apotheke und der Parfümerie. Die Preise reichten von 92 Cent bis 40 Euro für 200 Milliliter.

Ein Labor analysierte Duftstoffe, die Allergien auslösen können, oder die Verbraucherschützer wegen anderer gesundheitlicher Risiken kritisieren. Kosmetika, in deren Zutatenlisten Erdölprodukte wie Paraffine stehen, ließen wir auf Verunreinigungen mit aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffen untersuchen. Außerdem prüften die Labore alle After-Sun-Produkte auf bedenkliche Formaldehyd-/abspalter und umstrittene halogenorganische Verbindungen.

Bewertungslegende 

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: PHMB. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) Lilial (Butylphenylmethylpropional); b) PEG/PEG-Derivate; c) mehr als 10 mg/kg polyzyklische Moschusverbindungen (in Tabelle: künstlicher Moschusduft); d) halogenorganische Verbindungen; e) der Nachweis von MOAH. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) der Duftstoff Lyral, der Allergien auslösen kann; b) mehr als ein Prozent Silikonverbindungen und/oder Paraffine/künstliche paraffinartige Stoffe.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) Sili­kone und/oder der künstliche paraffinartige Stoff Hydrogenated Polyisobutene, wenn sie nicht schon unter den Inhaltsstoffen abgewertet wurden, und/oder weitere synthetische Polymere (hier eine oder mehrere der folgenden Verbindungen: Carbomer, Acrylates/C10–30 Alkyl Acrylate Crosspolymer, Sodium Polyacrylat, Glyceryl Acrylate/Acrylic Acid Copolymer, PVM/MA Copolymer, Ammonium Acryloyldimethyltaurat/VP Copolymer, Hydroxyethyl Acrylate/Sodium Acryloyldimethyl Taurate Copolymer); b) eine hervorgehobene Aufschrift, die Akuthilfe bei Sonnenbrand suggeriert (hier: in Rot „SOS Anti-Rötung“ auf der Verpackungsvorderseite). Zur Abwertung um eine Note führt: Umkarton, der kein Glas schützt.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ausfällt, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „mangelhaft“ oder „ungenügend“ ausfällt, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.

Testmethoden 

Je nach Zusammensetzung der Produkte: Silikonverbindungen/Paraffine/Erdölprodukte: Deklaration und/oder NPLC-RI. Gesättigte Kohlenwasserstoffe (MOSH/MOSH-Analoge): LC-GC/FID. Nach dem Lösen der Probe in geeignetem Lösungsmittel und Zugabe des internen Standards wird der Extrakt verseift, durch eine Normalphasen-HPLC aufgereinigt und die MOSH/MOSH-Analoge- und MOAH-¬Fraktionen voneinander sowie von Störkomponenten abgetrennt. Nach der Vortrennung mittels HPLC werden beide Fraktionen zeitversetzt in den Gaschromatografen transferiert und die gesättigten Kohlenwasserstoffe über den internen Standard quantifiziert.

Aromatische Kohlenwasserstoffe (MOAH): Die Mineralölkohlenwasserstoffe werden aus der Probe mit dem geeigneten Lösemittel extrahiert und verseift. Ein Aliquot des Extrakts wird auf eine Festphasensäule zugegeben. Diese dient der Aufreinigung und Vortrennung der MOSH/MOSH-Analoge- und MOAH-Fraktionen. Zunächst werden die MOSH/MOSH-Analoge eluiert und verworfen, anschließend werden die MOAH eluiert und das Eluat aufgefangen. Das Eluat wird eingeengt und die MOAH mittels Online-HPLC-GC bestimmt.

Deklarationspflichtige Duftstoffe, polyzyklische Moschusverbindungen, Cashmeran und Diethylphthalat: Extraktion mit TBME, GC-MS.

Formaldehyd/-abspalter: saure Wasser¬dampfdestillation, Derivatisierung mit Acetylaceton, Ausschütteln mit n-Butanol und Bestimmung mittels Fotometrie. Halogenorganische Verbindungen: a) Heißwasserextraktion mit anschließender Zentrifugation und Membran-filtration, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; b) Extraktion mit Essig¬ester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. Polyaminopropyl¬biguanid: HPLC-DAD nach Extraktion. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: April 2019. 

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