Festes Shampoo im Test: Mehr als drei Viertel der Produkte sind empfehlenswert

Ratgeber Kosmetik 2024 | Autor: Dimitrij Rudenko/Marieke Mariani/Hannah Pompalla | Kategorie: Kosmetik und Mode | 10.07.2024

Wir haben 32 feste Shampoos überprüft.
Foto: New Africa/Shutterstock

Die Plastikflut im Badezimmer lässt sich mit festem Shampoo etwas eindämmen. In unserem Test können die meisten überprüften Shampoos überzeugen. Einige wenige enttäuschen jedoch mit problematischen Duftstoffen oder deutlichen Mengen an Blei.

  • Wir haben 32 feste Shampoos getestet, die Hälfte davon mit Naturkosmetik-Zertifikat.
  • Das Resultat: Mehr als drei Viertel der Produkte können wir mit "sehr gut" rundum empfehlen. 
  • Doch es gibt auch Kritik, zum Beispiel für problematische Duftstoffe und Verunreinigungen mit Blei.

Aktualisiert am 10.7.2024 | Ergiebig, plastikfrei, nachhaltig: Die ökologische Revolution im Badezimmer ist fest in Stückform gepresst und in Pappe verpackt. Feste Shampoos haben die Öko-Nische längst verlassen und sich als echte Alternative zu ihren flüssigen Pendants in Kunststofftuben und -flaschen etabliert.

Mit einem Shampoostück kommt man deutlich länger aus als mit einem flüssigen Shampoo. Da es kein Wasser enthält, braucht es zudem keine Konservierungsmittel. Als Schutz reicht ihm ein einfacher Pappkarton – so leistet festes Shampoo auch einen wichtigen Beitrag gegen die allgegenwärtige Plastikflut.

Die Vorteile liegen also buchstäblich auf der Hand. Mit den klassischen Haarseifen, die früher nur echte Idealisten auf Dauer überzeugen konnten, haben die festen Shampoos von heute nur noch wenig gemein. Sie sind tatsächlich einfach Shampoo in Stückform, mit fluffigem Schaum und rückstandslosem Ausspülen.

Festes Shampoo im Test: Foamie, dm & Co. im Vergleich

All das könnten wir nun unbesehen als nachhaltige Errungenschaft im Badezimmer feiern. Aber wir wären nicht ÖKO-TEST, wenn wir nicht auch die Inhaltsstoffe genauestens unter die Lupe nehmen würden.

Wir haben 32 feste Shampoos eingekauft und im Labor untersuchen lassen. Das Ergebnis ist erfreulich: Wir können mehr als drei Viertel der Shampoostücke im Test empfehlen. Damit haben wir, und natürlich Sie als Verbraucherinnen und Verbraucher, wirklich allen Grund zum Feiern.

Aber ganz ohne Problemstoffe kommt auch diese Produktgruppe nicht aus. Die setzen Hersteller entweder bewusst ein, wie problematische Duftstoffe – oder sie gelangen als Verunreinigungen der Rohstoffe ins Produkt, wie Schwermetalle. Doch der Reihe nach.

Neben festen Shampoos gibt es inzwischen auch zusätzliche feste Conditioner.
Neben festen Shampoos gibt es inzwischen auch zusätzliche feste Conditioner. (Foto: Garna Zarina/Shutterstock)

Labor stößt auf problematische Duftstoffe

Problematische Duftkomponenten hat das Labor in zwei festen Shampoos im Test gefunden. Sie enthalten die polyzyklische Moschusverbindung Galaxolid (HHCB), die derzeit von der Europäischen Chemikalienagentur geprüft wird, weil sie im Verdacht steht, wie ein Hormon zu wirken und umweltgiftig zu sein.

In einem weiteren festen Shampoo bestätigten die Analysen wiederum den deklarierten Duftstoff Cinnamal, der besonders häufig allergische Reaktionen auslöst.

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Blei in festen Shampoos im Test 

Doch problematische Duftstoffe sind nicht das einzige Manko: In drei festen Shampoos im Test sind wir auf Blei gestoßen. Giftige Schwermetalle wie Blei sind in Kosmetik per Gesetz verboten. Eigentlich. Denn "technisch unvermeidbare Spuren" sind zugelassen.

Welche Mengen als "technisch unvermeidbar" gelten, hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) festgelegt – für Blei liegt der Wert bei zwei Milligramm pro Kilogramm.

Die im Labor gemessenen Bleigehalte in den drei betroffenen festen Shampoos liegen darüber. Die Produkte enthalten Kaolin, also Tonerde, die von Natur aus mit Blei verunreinigt sein kann.

(Foto: ÖKO-TEST)

Nicht enthalten: PEG-Verbindungen und synthetischen Polymere

Zum Schluss noch eine gute Nachricht: In den festen Shampoos im Test sind wir auf keine weiteren Problemstoffe, die zu Punktabzügen führen würden, gestoßen. PEG-Verbindungen und deren Abkömmlinge, die vor allem in flüssigen Shampoos, Duschgelen und Seifen häufig als Tenside für mehr Schaum und Waschkraft eingesetzt werden, waren bei keinem der festen Produkte in diesem Test mehr ein Thema. Und auch synthetische Polymere, die wir kritisieren, weil viele davon in der Umwelt nicht oder nur sehr schwer abgebaut werden, haben wir in keinem der Shampoostücke gefunden.

Tipps für die Aufbewahrung von festem Shampoo 

Das rät ÖKO-TEST:

  • Festes Shampoo lässt sich entweder zwischen den feuchten Händen oder direkt im nassen Haar aufschäumen. Den Schaum anschließend wie beim flüssigen Shampoo ins Haar einarbeiten, kurz einwirken lassen und danach gründlich ausspülen.
  • Wichtig ist, dass das Shampoostück nach der Anwendung richtig trocknen kann, da es sonst matschig wird und sich Keime bilden können.
  • Zum Trocknen eignen sich beispielsweise eine Seifenschale, ein Seifenkissen aus Luffa oder ein kleines Säckchen, etwa aus Sisal, in dem das feste Shampoo hängend aufbewahrt wird. Wer dauerhaft umsteigt, kann auch einen Magnethalter installieren, an dem das Shampoostück dann schwebend trocknet.

Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Magazin 9/2023 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für den Ratgeber Kosmetik 2024 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

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Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Für unseren Test haben wir insgesamt 32 feste Shampoos ausgewählt – darunter mit 16 Produkten fast die Hälfte mit Naturkosmetik- Zertifikat. Wir kauften die Shampoostücke in Drogerien, bei Discountern, in (Bio-)Supermärkten und im Internet. Für umgerechnet 60 Gramm beziehungsweise Milliliter bezahlten wir zwischen 2,56 und 13,09 Euro.

Unabhängige Labore prüften die Produkte in unserem Auftrag auf halogenorganische Verbindungen, Diethylphthalat, deklarationspflichtige Duftstoffe, die Allergien auslösen können, auf polyzyklische und Nitromoschusverbindungen sowie auf Cashmeran. Enthielten die Rezepturen bestimmte mineralische Inhaltsstoffe, analysierte ein Labor zusätzlich den Gehalt an Schwermetallen und anderen Elementen. Anhand der Deklaration erfassten wir darüber hinaus PEG/PEG-Derivate und synthetische Polymere.

Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

Bewertungslegende

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) ein gemessener Gehalt von mehr als 10 mg/kg polyzyklische Moschusverbindungen (hier: Galaxolid/ HCCB; in Tabelle "künstlicher Moschusduft"); b) Duftstoffe, die Allergien auslösen (hier: Cinnamal); c) ein gemessener Gehalt von Blei, der den vom BVL festgelegten Orientierungswert für Blei (2,0 mg/kg) in kosmetischen Mitteln überschreitet. Zur Abwertung um eine Note führt: PEG/PEG-Derivate.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: synthetische Polymere in der Rezeptur (hier: Polyquaternium-7).

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de/M2309.

Testmethoden

Testmethoden (je nach Zusammensetzung der Produkte):
Deklarationspflichtige Duftstoffe: DIN EN 16274:2021-11 (mod.), GC-MS; nach Zugabe von Wasser und organischem Lösungsmittel werden die Allergene durch Flüssig-Flüssig-Extraktion aus den Proben extrahiert. Ein Aliquot des organischen Extrakts wird mit GC-MS analysiert.
Diethylphthalat/Polyzyklische Moschus- und Nitromoschus-Verbindungen/Cashmeran: Extraktion mit TBME, GC-MS.
Halogenorganische Verbindungen: a) Heißwasserextraktion mit anschließender Zentrifugation und Membranfiltration, Festphasenextraktion (SPE), Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; b) Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts.
Elemente: Totalaufschluss in der Mikrowelle, Bestimmung mittels ICP-MS.

Einkauf der Testprodukte: März 2023

Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Magazin 9/2023 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für den Ratgeber Kosmetik 2024 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

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