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Haarkur-Test: Knapp die Hälfte mit löslichem Plastik belastet

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2020 | Autor: Meike Rix/Kai Thomas | Kategorie: Kosmetik und Mode | 17.10.2019

Vier Mal "ungenügend" im Test für Haarkuren der Marken Dove, John Frieda, L'Oréal und Swiss-O-Par.
Vier Mal "ungenügend" im Test für Haarkuren der Marken Dove, John Frieda, L'Oréal und Swiss-O-Par.

Wir haben 26 Haarkuren untersuchen lassen. Erstmals rücken wir auch lösliche Kunststoffe in den Testfokus, die der Umwelt schaden können. Ergebnis: Knapp die Hälfte der Haarkur enthalten solche synthetischen Polymere. Immerhin für 13 Haarkuren ohne Plastik in der Rezeptur gibt‘s die Bestnote.

Aktualisiert am 17.10.2019; Einkauf Testprodukte Aug 2018 | In Haarkuren verarbeiten Hersteller auch Silikone und weitere synthetische Polymere, damit behandeltes Haar geschmeidig wirkt. Die Plastikverbindungen gleichen Unebenheiten der aufgerauten Schuppenschicht des Haars aus. Ein Teil bleibt nach dem Spülen auf dem Kopf haften. Der Rest des Plastiks wandert allerdings ins Abwasser und kann so über den Klärschlamm in die Umwelt gelangen.

Haarkur-Test: Was ist die beste Haarkur?

In zertifizierter Naturkosmetik sind synthetische Polymere nicht erlaubt. Zur Haarpflege setzen die Hersteller stattdessen etwa Betain ein, das aus Zuckerrüben gewonnen wird. Wichtige Stoffe in Naturkosmetik für Haare sind zudem die Aminosäure Arginin, pflanzliche Öle und Proteine.

Wir haben 26 Haarkuren mit Auslobungen wie „Repair“ und „für strapaziertes Haar“ eingekauft und auf Mikroplastik, synthetische Polymere sowie weitere Schadstoffe untersuchen lassen. Acht der Produkte im Test sind als Naturkosmetik zertifiziert.

Viele Haarkuren im Test "sehr gut"

Das Ergebnis: 13 Haarkuren ohne Mikroplastik können wir Ihnen mit ÖKO-TEST Gesamturteil „sehr gut“ empfehlen. Ihre Rezepturen sind auch frei von weiteren Kunststoffen. Viele Produkte im Test sind jedoch nur Mittelmaß. Notenabzug gab es vor allem für bedenkliche Konservierer, problematische Duftstoffe und eben Kunststoffverbindungen.

Mit „ungenügend“ bewerten wir vier Haarkuren: die „Dove Oil Care Nährpflege Kräftigende Haarkur“, die „John Frieda Frizz Ease Wunder-Kur“, die „L‘Oréal Elvital Anti-Haarbruch Tiefen-Aufbaukur“ sowie die „Swiss-O-Par Haarkur Kokosmilch Feuchtigkeit & Duft“. Unsere Testsieger und weitere Details zum Testergebnis erfahren Sie im ePaper.

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Erstmals auch lösliches Plastik bewertet

Schon seit längerem kritisieren wir etwa in Peelings feste Mikroplastikpartikel. Mit diesem Test richten wir unseren Fokus nun erstmals auch auf lösliche Kunststoffverbindungen. Denn auch diese können von Lebewesen in der Natur aufgenommen werden ­– mit unklaren Folgen, am Ende auch für den Menschen. Gesetzliche Vorgaben sind hier rar. Zu Punktabzug führen bei uns deshalb jetzt alle synthetischen Polymere. Unabhängig davon, wie gut löslich sie jeweils sind.

Auch auf unserem Prüfzettel: allergieauslösende sowie künstliche Duftstoffe, die sich im Körper anreichern. Denn alle Haarkuren im Test sind parfümiert. Spezialisierte Labore haben die Produkte für uns zudem auf problematische Stoffe wie Diethylphthalat und PEG/PEG-Derivaten untersucht. Ebenfalls Gegenstand der Deklarations- und Laboranalysen: kritische Konservierungsmittel wie Formaldehyd/-abspalter und problematische Parabene.

Allergieauslösende Konservierungsmittel gefunden

Von den 26 Haarkuren in diesem Test enthalten elf synthetische Silikone, vier davon noch weitere synthetische Polymere wie Polyquaternium-Verbindungen, Acrylate oder ein Polyurethan. Für all diese Substanzen gibt es erstmals Punktabzug. Feste Mikroplastikpartikel würden wir noch stärker abwerten. Sie kommen in den getesteten Kosmetika aber nicht vor.

In einigen haben wir auch Stoffe gefunden, die nicht nur für die Umwelt, sondern auch direkt für den Haarkurverwender von Nachteil sein können. Ein No-Go für uns ist der Formaldehydabspalter in einem bekannten Markenprodukt. Formaldehyd ist ein krebsverdächtiger Stoff, der schon in geringen Mengen Schleimhäute reizt und Allergien auslösen kann. Über die Atemluft aufgenommen, gilt es als krebserregend.

Das Konservierungsmittel Chlormethylisothiazolinon (CIT) gilt als starkes Allergen. CIT ist in Kosmetika mittlerweile stark reglementiert. Wir haben es noch in drei der getesteten Produkte gefunden. Den Einsatz von CIT in einer Haarkur betrachten wir als unnötiges Risiko.

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Fortpflanzungsschädigender Duftstoff in Haarkuren

Drei Produkte bekommen für ihren künstlichen Moschusduft kräftig Punktabzug. Denn polyzyklische Moschusverbindungen reichern sich im menschlichen Fettgewebe an. Drei Kuren enthalten außerdem den Duftstoff Lilial, der vom Verbraucherschutzkomitee für Kosmetik der EU als nicht sicher bewertet worden ist. Lilial hat sich in Tierversuchen als fortpflanzungsschädigend erwiesen. Die Duftstoffe Hydroxycitronellal und besonders Cinnamal werten wir wegen ihres allergenen Potenzials ab.

Die PEG/PEG-Derivate in sechs Haarkuren können die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen.

Das bietet der Haarkur-Test

Testumfang: ÖKO-TEST hat 26 verschiedene Haarkuren getestet.

Testergebnis: 13 Haarkuren ohne Plastik in der Rezeptur haben ein „sehr gut“ erhalten. Die schlechteste Note im Test ist „ungenügend“. Notenabzug gab es vor allem für bedenkliche Konservierer, Duftstoffe und Kunststoffverbindungen.

Gut zu wissen: Wir erklären, wann und wie oft Sie überhaupt eine Haarkur brauchen und wie Sie ihre Haare auch ohne Haarkur gesund halten können. Mehr dazu und zum Testergebnis im ePaper.

Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik 6/2019 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch 2020, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

Weiterlesen auf oekotest.de:


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Testverfahren

Wir haben 26 Haarkuren mit Auslobungen wie „Repair“ und „für strapaziertes Haar“ eingekauft. Davon sind acht als Naturkosmetik zertifi ziert. Ob in der Rezeptur Mikroplastikverbindungen und synthetische Polymere stecken, lässt sich schon anhand der Deklaration auf der Verpackung ablesen. Denn Kosmetikhersteller sind gesetzlich verpfl ichtet, alle Inhaltsstoffe aufzuführen. Zu Punktabzug führen bei uns erstmals alle synthetischen Polymere, unabhängig davon, wie gut löslich sie jeweils sind. Feste Mikroplastikpartikel, die als Abrasiva eingesetzt werden, würden wir noch stärker abwerten; sie kommen in den Haarkuren aber nicht vor. Wir haben auch nach PEG/PEG-Derivaten Ausschau gehalten, die unter anderem als Emulgatoren zum Einsatz kommen. Alle Haarkuren im Test sind parfümiert. Ein spezialisiertes Labor hat die Kuren auf Duftstoffe, die Allergien auslösen können, geprüft sowie auf künstliche Düfte, die sich im Körper anreichern. Auch auf Diethylphthalat haben wir prüfen lassen. Es wird unter anderem zur Vergällung von Alkohol eingesetzt. Auf kritische Konservierungsmittel wie Formaldehyd/-abspalter und problematische Parabene haben wir die Kuren sowohl per Deklarations- als auch per Laboranalyse untersuchen lassen. Je mehr kritische Inhaltsstoffe, desto schlechter das ÖKO-TEST-Urteil. Ein Produkt mit Kunststoffverbindungen, also Silikonen und anderen synthetischen Polymeren in der Rezeptur, bekommt deswegen von uns ein schlechteres Gesamturteil.

Bewertungslegende

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: mehr als 10 mg/kg Formaldehyd/-abspalter. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) Lilial (Butylphenyl Methylpropional); b) PEG/PEG-Derivate in Haarkur, die laut Anleitung auf der Verpackung nicht ausgewaschen werden soll; c) mehr als 10 mg/kg polyzyklische Moschus-Verbindungen (in Tabelle: künstlicher Moschusduft) und/oder mehr als 10 mg/kg Cashmeran; d) Chlormethylsiothiazolinon (CIT) oder andere halogenorganische Verbindungen; e) der Allergie auslösende Duftstoff Cinnamal. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) der Allergie auslösende Duftstoff Hydroxycitronellal; b) mehr als 10 mg/kg Diethylphthalat; c) PEG/ PEG-Derivate in Produkten, die ausgewaschen werden.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: Silikone (hier: Cyclopentasiloxane (D5), Dimethiconol, Dimethicone, Amodimethicone, Amodimethicone/Morpholinomethyl Silsesquioxane Copolymer, Bis-Cetearyl Amodimethicone, Bis (C13–15 Alkoxy) PG-Amodimethicone, Phenyl Trimethicone, Bis Aminopropyl Dimethicone, Silicone Quaternium-22), wenn nicht bereits für Silikone in einem Leave-on-Produkt unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe abgewertet wurde, und/oder weitere synthetische Polymere (hier: Acrylates/C10-30 Alkyl Acrylat Crosspolymer, Polyquaternium-16, Polyquaternium-67, Polyquaternium-39, Polyquaternium-37, Polyurethane-39).

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note.

Testmethoden

(Je nach Zusammensetzung der Produkte): Diethylphthalat, deklarationspflichtige Duftstoffe, Moschusverbindungen, Cashmeran: Extraktion mit TBME, GC-MS. Formaldehyd/-abspalter: saure Wasserdampfdestillation, Derivatisierung mit Acetylaceton, Ausschütteln mit n-Butanol, Bestimmung mittels Fotometrie. Halogenorganische Verbindungen: a) Heißwasserextraktion mit anschließender Zentrifugation und Membranfiltration, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; b) Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. Isothiazolinone: Extraktion mit einem Essigsäure-Methanol-Gemisch, HPLC-DAD. Parabene: LC-UV nach Lösen der Probe in geeignetem Lösemittel. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: August 2018

Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik 6/2019 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch 2020, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2020
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