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Venenmittel im Test: Mit Tabletten gegen Krampfadern und Venenschwäche?

ÖKO-TEST Mai 2019: Titelthema Olivenöl | Autor: Frank Schuster/Kai Thomas | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 25.04.2019

Venenmittel im Test: Mit Tabletten gegen Krampfadern und Venenschwäche?
(Foto: ÖKO-TEST)

Wir haben 17 Venenmittel zur Behandlung von Venenbeschwerden getestet. Ergebnis: Sechs Arzneien fallen wegen zweifelhafter Wirksamkeit durch. Mehr als die Hälfte der Arzneien können wir aber empfehlen.

Müde, schwere Beine können Symptome einer Venenschwäche sein. Auch Schwellungen, Wadenkrämpfe und Juckreiz plagen viele Betroffene. Besonders oft sind es jedoch Krampfadern. Spezielle Pillen sollen eine Behandlung solcher Venenbeschwerden unterstützen. Wir haben 17 Präparate getestet.

Venenmittel im Test: Antistax Extra und Co. gegen Venenentzündungen im Vergleich

Grund für die Beschwerden sind Venen, die den Transport des verbrauchten, sauerstoffarmen Blutes von den Beinen ins Herz nicht mehr richtig bewältigen. Dafür, dass es nicht wieder ins Bein zurückfließt, sorgen die Venenklappen. Funktionieren sie nicht mehr richtig, kann es zu Krampfadern und anderen Symptomen kommen.

Bei Venenschwäche helfen viel Bewegung und Sport sowie möglichst wenig Sitzen und Stehen. Weitere Maßnahmen: Kompressionstrümpfe und kalte Wassergüsse. Mittel aus der Apotheke sollten nur ein ergänzendes Mittel sein. Klinische Studien deuten darauf hin, dass bestimmte pflanzliche Extrakte Entzündungen hemmen, Schwellungen reduzieren, Schmerzen lindern und die Durchlässigkeit der Blutgefäße verbessern.

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Jedes zweite Venenmittel empfehlenswert

Im Test: Wir haben 17 Venenmittel zum Einnehmen getestet. Im Fokus: die Wirksamkeit der Tabletten, Kapseln und Dragees. Experten vom Institut für pharmazeutische Chemie der Universität Frankfurt haben dafür für uns die aktuelle Studienlage gesichtet und ausgewertet. Zudem haben wir einen kritischen Blick auf die Zusammensetzung der Venenmittel geworfen.

Ergebnis: Elf Venenmittel sind mit „sehr gut“ und „gut“ empfehlenswert. Sechs Arzneien fallen im Test mit „mangelhaft“ und „ungenügend“ durch. Bei vielen Produkten liegen keine oder keine ausreichenden Nachweise für die Wirksamkeit vor und wir raten davon ab.

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Wirksamkeit bei einigen Tabletten zweifelhaft

Zuverlässige Wirksamkeitsnachweise liegen zurzeit nur für Extrakte aus Rosskastaniensamen und roten Weinrebenblättern sowie für Oxerutin vor. Sie sind als Wirkstoffe in 13 Mitteln enthalten. Für Rutosid und Troxerutin – in jeweils zwei Präparaten – ist die Wirksamkeit nicht ausreichend belegt.

Damit die Präparate aus Rosskastaniensamen ihre Wirkung entfalten können, müssen sie dem Körper nachweislich eine Tagesdosis von mindestens 100 Milligramm des Wirkstoffs Aescin (von „Aesculus“, lateinisch für Rosskastanie) zuführen. Das erfüllen acht von zehn Produkte. In den Beipackzetteln der beiden günstigsten Rosskastanien-Mittel im Test fehlen Angaben zum Aescingehalt. Eine Aussage über deren Wirksamkeit ist somit nicht möglich. Wir können sie deshalb nicht empfehlen.

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Schädliche Farbstoffe in mehreren Venenmittel

Für Venenmittel mit rotem Weinlaub liegt lediglich eine einzige ausreichende Studienreihe für den Extrakt mit der Bezeichnung AS 195 vor. Er steckt nur in einem getesteten Produkt. Die Studienergebnisse lassen sich laut unseren Gutachtern vom Institut für pharmazeutische Chemie der Goethe-Universität Frankfurt nicht einfach auf andere Mittel mit rotem Weinlaubextrakt übertragen.

Acht Venenmittel enthalten problematische Farbstoffe. Erythrosin (E 127) hat im Tierversuch Beeinträchtigungen der Nervenfunktion, hormonelle Effekte und krebsartige Veränderungen gezeigt. Gelborange S (E 110) und Azorubin (E 122) können allergische Reaktionen hervorrufen.

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Venenmittel im Test: Wichtige Hinweise fehlen

Wesentlich für die Behandlung von Venenbeschwerden sind die Kompressionstherapie mit entsprechenden Strümpfen oder Wickeln sowie kalte Wassergüsse. Darüber sollten auch Beipackzettel aufklären. Bei drei Produkten ist dies nicht der Fall.

Unser Tipp: Venenerkrankungen gehören grundsätzlich in die Hände eines Arztes. Nur er kann feststellen, welche Behandlung notwendig ist oder ob sogar eine Thrombosegefahr besteht. Von Venenmitteln zum Einreiben raten wir ab. In unserem Test im ÖKO-TEST Magazin 8/2016 fielen zuletzt alle 13 getesteten Gels und Cremes wegen fehlender Wirksamkeitsbelege durch.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

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Testverfahren

In Apotheken und Drogerien haben wir 17 Venenmittel zum Einnehmen – Tabletten, Kapseln und Dragees – eingekauft. Sie dienen zur Behandlung von Beschwerden bei Erkrankungen der Beinvenen (chronische Veneninsuffizienz).

Häufigster Wirkstoff im Test ist mit zehn Präparaten ein Trockenextrakt aus Rosskastaniensamen. Zwei Produkte enthalten einen Trockenextrakt aus roten Weinrebenblättern, jeweils zwei weitere Rutosid und Troxerutin sowie eines Oxerutin.

Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz und Dr. Mario Wurglics vom Institut für pharmazeutische Chemie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main haben die Mittel auf ihre Wirksamkeit überprüft und dazu die Studienlage ausgewertet. In ihrem Gutachten bewerteten sie die verschiedenen Wirkstoffe nach aktuellem wissenschaftlichen Stand.

In Tabletten, Kapseln und Dragees dienen Hilfsstoffe unter anderem dazu, den Wirkstoff in gewünschter Weise freizusetzen. Doch nicht immer sind die eingesetzten Substanzen unproblematisch. Wir haben die Produkte auf umstrittene Farbstoffe wie Azorubin, Chinolingelb, Gelborange S und Erythrosin geprüft.

Die Wirksamkeit der Präparate steht bei der Beurteilung an erster Stelle. Ist sie nicht nachgewiesen, kann das Produkt nicht besser als „mangelhaft“ sein. Notenabzug gibt es auch für problematische Hilfsstoffe. Ebenso dafür, wenn der Beipackzettel nicht auf ergänzende Behandlungsmaßnahmen hinweist.

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