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11 Äpfel im Test

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2013
vom 19.10.2012

Äpfel

Kein Sündenfall

Gute Nachrichten für Apfelliebhaber: Die meisten Früchte sind frei von problematischen Rückständen. Nur bei Kaufland, Netto und Real waren wir nicht ganz so mit der Qualität zufrieden.

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19.10.2012 | Im Rennen um das beliebteste Obst der Deutschen hat der Apfel die Nase vorn. Rund 60 Prozent der Früchte kommen aus den hiesigen Anbaugebieten, so die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft. Der Rest wird importiert - vor allem aus Frankreich, Italien und Übersee.

ÖKO-TEST wollte wissen, ob Sie die handelsüblichen Äpfel aus Supermarkt und Bio-Laden mit ruhigem Gewissen essen können und hat eingekauft. Im Test: die Äpfel von elf verschiedenen Ladenketten, in denen wir jeweils drei Produkte unterschiedlicher Herkunft gekauft haben. In einem darauf spezialisierten Labor wurden die 33 Proben auf Pestizidrückstände untersucht.

Das Testergebnis

In der Mehrzahl der Proben fanden sich nur Spuren von Pflanzenschutzmitteln. Gespritzt wird also weiterhin, aber offenbar weniger als früher: Verglichen mit unserem Apfeltest aus dem Jahr 2006 schneiden die Äpfel in Sachen Pestizidbelastung etwas besser ab. Allerdings: Während die Bio-Ware komplett sauber ist, deuten die Pestizidrückstände bei den meisten konventionellen Äpfeln darauf hin, dass die Obstbäume durchaus gespritzt wurden. Oft auch mit verschiedenen Mitteln.

In den Frutival Royal Gala Tenroy Äpfeln, die wir bei Kaufland gekauft haben, stecken Rückstände mehrerer Pflanzenschutzmittel in erhöhter Menge: Sechs verschiedene Stoffe hat das von uns beauftragte Labor nachgewiesen. Vier davon waren in einer Konzentration enthalten, die schon mehr als zehn Prozent der gesetzlich zulässigen Menge erreicht. Solche Mehrfachrückstände können ein Problem sein, da noch gar nicht genau erforscht ist, wie eine Kombination unterschiedlicher Mittel im Körper wirkt. Überhaupt waren die südamerikanischen Früchte auffällig: In allen konventionellen Proben fand sich zumindest ein Pestizid in einer erhöhten Menge.

"Unsere Heimat" und "beste Qualität aus Ihrer Region" steht auf einer Apfelverpackung, die wir bei Edeka gekauft haben. Damit haben die Äpfel verglichen mit Überseeäpfeln zwar nur einen kurzen Transportweg hinter sich. Aber "regional" sind die Äpfel vom Bodensee auch nur, wenn sie in der Bodenseeregion gekauft werden. Uns wurden sie aber noch in Frankfurt als "regional" verkauft - mehr als 200 Kilometer vom Bodensee entfernt.

Zehn Cent mehr für den Bauern? "Plus 10 Cent für die heimische Landwirtschaft" steht auf der Verpackung der Äpfel Ein Herz für Erzeuger Tafeläpfel Jonagored von Netto Marken-Discount. Dass aber genau der Apfelbauer, der die Früchte in genau dem gekauften Zwei-Kilo-Beutel geerntet hat, zehn Cent mehr pro Beutel verdient als andere Bauern, ist damit noch nicht gesagt. Die zehn Cent mehr, die Netto einnimmt, werden eins zu eins an die Erzeugergemeinschaft weitergegeben und von dort an alle Landwirte verteilt, die Ein Herz für Erzeuger-Äpfel liefern. Mit anderen Worten: Das Geld kommt zwar irgendwie beim Bauern an, eine deutliche Erklärung des Verteilungssystems findet sich auf der Packung aber nicht. Auch einen garantierten Mindestpreis für den Erzeuger wollte uns Netto nicht nen

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Wir kauften die Äpfel dort, wo sie auch der Verbraucher am häufigsten besorgt: Berücksichtigt wurden die neun bedeutendsten konventionellen Händler sowie die beiden größten Bio-Supermarktketten. Pro Ladenkette landeten drei Produkte unterschiedlicher Herkunft in unserem Einkaufswagen: Je einmal Äpfel aus Deutschland, aus einem anderen europäischen Land und aus Übersee - sofern Ware aus der jeweiligen Gegend erhältlich war.

Die Inhaltsstoffe
Im Kampf gegen Schädlinge wie Apfelwickler und Mehltau werden in der konventionellen Landwirtschaft synthetische Pestizide eingesetzt. Deshalb haben wir die Äpfel auf Rückstände von mehr als 500 Pestizidwirkstoffen untersuchen lassen. Zusätzlich fahndete ein Labor nach quartären Ammoniumverbindungen. Zu denen gehört der Stoff DDAC, ein weitverbreitetes Desinfektionsmittel, das aber auch als Pestizid eingesetzt werden kann. In Deutschland gibt es dafür keine Zulassung, daher gilt eine sehr niedrige gesetzliche Höchstmenge. In den vergangenen Wochen wurden aber erhöhte Mengen DDAC zum Beispiel in Kräutern und Bananen gefunden. Äpfel aus Übersee werden zudem oft mit dem Gas 1-Methyl-Cyclopropen (1-MCP) behandelt. Mithilfe dieses Gases kann man genau festlegen, wann Lageräpfel reif für den Verkauf sein sollen. Bei Obst in dicht schließenden Verpackungen steckt dieses Gas manchmal noch in der Packung und kann auf die Äpfel übergehen. Deshalb haben wir verpackte Äpfel aus Übersee zusätzlich auf 1-MCP untersuchen lassen.

Die Weiteren Mängel
Unter diesem Punkt werten wir zum Beispiel umweltschädliches PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe in der Verpackung ab. Ebenso allzu vollmundige Versprechen der Hersteller. Etwa die Auslobung als "regionales Produkt", wenn die Äpfel selbst noch fernab von der Region, in der sie gewachsen und verpackt worden sind, verkauft werden. Oder auch die Auslobung "10 Cent mehr für die heimische Landwirtschaft", wenn es keine garantierten Mindestpreise für den Erzeuger gibt und nicht transparent ist, welchen Zuschlag ein Bauer konkret für die gerade gekauften Äpfel bekommt.

Die Bewertung
Ein Gesamturteil gibt es nicht für die Äpfel, sondern für die Ladenketten. Denn wir möchten zeigen, wo Sie Äpfel nicht nur einmal gut einkaufen können. Ein Händler kann die Qualität der verkauften Ware zudem beeinflussen, indem er strenge Anforderungen an die Lieferanten stellt. Das Gesamturteil ergibt sich aus den drei Einzelnoten für die Produkte, die wir bei dieser Ladenkette gekauft haben. Bei der Bewertung der Pestizide ist ÖKO-TEST im Sinne des vorbeugenden Verbraucherschutzes übrigens strenger als der Gesetzgeber.

So haben wir getestet

Sie stecken voll gesunder Stoffe. Aber sind auch keine Schadstoffe in den Äpfeln?

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