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Äpfel im Test: Pestizidbelastung und Klimabilanz gecheckt

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ÖKO-TEST September 2018 | Autor: Sarah Becker/Katja Tölle | Kategorie: Essen und Trinken | 11.06.2019

Äpfel im Test: Pestizidbelastung und Klimabilanz gecheckt

Im September 2018 haben wir 37 Äpfel-Packungen getestet. Ergebnis: Acht waren mit Spritzgiften belastet. Einige Hersteller schwiegen zudem zur Klimabilanz ihrer Früchte. Empfehlen konnten wir vor allem Bio-Äpfel. Checken Sie jetzt kostenlos alle Testurteile.

Testveröffentlichung erstmals 9/2018; Einkauf Testprodukte 6/2018 | Immer knackig, immer frisch, das ganze Jahr über: Äpfel im Supermarkt scheinen gar keine Saison zu kennen. Viele stammen aus Chile oder Neuseeland, aber auch deutsche Äpfel gibt es immer. Im Test: 37 Packungen Äpfel. Wir wollten wissen, wie weit die Äpfel jeweils gereist sind, wie lange sie im Kühlhaus lagen und wie es um ihre Belastung mit Spritzgiften steht. Dazu haben wir die Früchte ins Labor geschickt und die Hersteller befragt.

Äpfel im Test: Klimabilanz deutscher Äpfel meist besser

Nicht nur weitgereiste Äpfel belasten das Klima. Heimische Äpfel, die im Frühsommer im Obstregal liegen, haben mindestens ein halbes Jahr Kühllager hinter sich. Und das verbraucht ebenfalls jede Menge Energie. Trotzdem besitzen Äpfel aus der Region nach einem halben Jahr im Kühllager noch eine bessere CO2-Bilanz als die Überseeäpfel. Auch wenn dieser Vorteil mit jeder Woche Kühlung schrumpft. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (Ifeu).

"Die Kühlsysteme haben sich in den vergangenen Jahren wesentlich verbessert", erklärt Dr. Guido Reinhardt vom Ifeu. Ältere Studien zufolge sei der Unterschied zwischen deutschen und Überseeäpfeln im April gar nicht mehr groß. Dies sei aber mittlerweile widerlegt, so Reinhardt.

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Mit Bio-Äpfeln auf der sicheren Seite

Das Ergebnis: Die meisten Äpfel im Test können wir empfehlen, darunter auch alle fünf Bio-Äpfel. Acht Äpfel sind allerdings mit besonders bedenklichen Pestiziden belastet. Und einige Hersteller mauern, wenn es darum geht, Transportwege und Kühldauer der Äpfel offenzulegen.

Neun Äpfel weisen überhaupt keine Rückstände von Pestiziden auf, darunter alle Bio-Äpfel. Die Belastung von Äpfeln mit Pestiziden ist im Vergleich zu anderem Obst wie Erdbeeren oder Bananen eher gering. In den beiden Produkten Real Quality Äpfel, Royal Gala Tenroy und Apfel rot Ambrosia von Lidl hat das Labor allerdings ein beziehungsweise zwei Pestizide analysiert, deren Gehalte wir als "erhöht" einstufen. Dafür gibt es eine Note Abzug.

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Krebsverdächtige Pestizide in getesteten Äpfeln

Auch die River Valley Fresh Äpfel rot, Tenroy-Royal Gala fallen auf. In ihnen stecken fünf verschiedene Pestizide. Zwar sind die Mengen gering, aber es gibt nur sehr wenige Untersuchungen zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Mehrfachrückständen.

Die geringen Funde sind leider kein Anzeichen dafür, dass die Obstbauern kaum Pestizide spritzen. Da sie aber weder kurz vor der Ernte noch nach der Ernte spritzen dürfen, sind die meisten Pestizide bereits abgebaut. Außerdem werden die Äpfel, bevor sie auf den Markt kommen, nach Größe und Qualität sortiert. Bei diesem Schritt schwimmen die Äpfel in einem Wasserbad; Pestizide auf der Schale werden dadurch größtenteils abgewaschen.

Einige der in den Äpfeln analysierten Pestizide sind besonders bedenklich. Etwa weil sie als wahrscheinlich krebserregend gelten, beim Einatmen lebensgefährlich sein können oder vermutlich dem Kind im Mutterleib schaden. Auch stark bienengiftige Spritzgifte kritisieren wir. Warum diese dennoch eingesetzt werden dürfen, ist uns ein Rätsel.

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Äpfel im Test: Schweigen zur Klimabilanz

Wir wollten von den Herstellern wissen, wie lang die Äpfel im Kühlhaus lagen und wie weit sie gereist sind. Viele haben weite Strecken mit dem Kühlschiff und Lastwagen hinter sich. Die anderen lagen mehr als ein halbes Jahr im Kühllager - auch nicht besonders ökologisch.

Mit mehr als 20.000 Kilometern haben die Äpfel aus Neuseeland die weiteste Reise hinter sich; am längsten im Kühllager haben gleich drei Äpfel gelegen - und zwar ganze neun Monate.

Die Klimabilanzen von gelagerten und weit gereisten Äpfeln unterscheiden sich im Juni - zu diesem Zeitpunkt haben wir eingekauft - nur noch wenig. Wir werten diesen Punkt daher unter den Weiteren Mängeln nur ab, wenn die Hersteller sich nicht einmal um Transparenz bemühen. So schwiegen etwa die Hersteller von Edeka und Tochter Netto Marken-Discount konsequent zu beiden Produkten, die wir dort eingekauft haben.

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Worauf Sie beim Apfel-Kauf achten sollten

  • Mit Bio-Äpfeln sind Sie beim Einkauf auf der sicheren Seite. Alle fünf Bio-Äpfel wiesen im Test überhaupt keine Pestizidrückstände auf. Ökologisch guten Gewissens kann man Äpfel allerdings grundsätzlich nur von August bis November kaufen.
  • Kaufen Sie regionale Äpfel, wenn Sie etwas für die Umwelt tun möchten - am besten in der Saison, etwa von August bis November. Deutsche Äpfel haben für gewöhnlich die bessere Klimabilanz. Je länger sie gelagert wurden, desto schlechter ist sie allerdings.
  • Nutzen Sie, wann immer möglich, alternative Verkehrsmittel zum Einkaufen. Sobald Sie mit dem Auto fahren, vervielfachen sich Energieaufwand und Treibhauseffekt. Der Unterschied zwischen dem neuseeländischen und dem deutschen Apfel fällt da kaum noch ins Gewicht.

Bitte beachten Sie: In diesem Test bewerten wir Frischeprodukte, die im Juni 2018 bei den genannten Anbietern eingekauft wurden. Die Testergebnisse sind daher nicht gültig für aktuell von den Herstellern angebotene Produkte. Testergebnisse/Angaben stammen aus der Veröffentlichung im ÖKO-TEST Magazin September 2018 und sind nicht aktualisiert. Zwischenzeitliche Aktualisierungen zu einzelnen Produkten finden Sie unter Hersteller-Reaktionen im Hauptmenü.

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Testverfahren

Der Einkauf: Äpfel sollten es sein - egal ob weit gereist oder aus der Region. Deswegen haben wir in Supermärkten, Discountern und Bio-Märkten 27 ganz verschiedene Sorten eingekauft, einige lose, andere verpackt.

Die Inhaltsstoffe: Auf vielen Apfelplantagen setzen Landwirte im Kampf etwa gegen Schädlinge, Mehltau und andere Pflanzenkrankheiten Spritzgifte ein. Deshalb hat ein von uns beauftragtes Labor in den Äpfeln nach mehr als 500 Pestiziden gefahndet.

Die Bewertung: Oft stecken in Äpfeln nur "Spuren", also sehr geringe Mengen, von Pestiziden. Davon dann aber mehrere. Wechselwirkungen von Pestiziden im Körper sind so gut wie unerforscht. Deswegen werten wir fünf oder mehr verschiedene Spuren ab. Außerdem kritisieren wir, wenn mehr als zehn Prozent der erlaubten Höchstmenge ausgeschöpft sind oder die Obstbauern besonders bedenkliche Stoffe sprühen. Wenn die Hersteller nicht offenlegen, welche Transportwege oder Lagerzeiten die Äpfel hinter sich haben, kritisieren wir das unter den Weiteren Mängeln.

Bewertungslegende Äpfel und Äpfel, Bio-Produkte

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) 5 bis 9 Pestizide in Spuren; b) ein „erhöhter“ Gehalt eines Pestizids, der mehr als 10 bis 50 Prozent der erlaubten Rückstandshöchstmenge erreicht, wenn diese bei 0,1 mg/kg oder höher liegt, und/oder ein „erhöhter“ Gehalt eines Pestizids von mehr als 20 bis 50 Prozent der erlaubten Rückstandshöchstmenge, wenn diese bei 0,05 mg/kg bis < 0,1 mg/kg liegt; c) ein oder mehrere besonders bedenkliche Pestizide in einer Menge von mehr als 0,01 mg/kg (hier: Carbendazim, Lambda-Cyhalothrin, Thiacloprid, Pirimicarb, Spirodiclofen, Tebuconazol, Etofenprox und/oder Acetamiprid).

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Zur Abwertung um zwei Noten führt: keine Angabe zur Dauer der Lagerung im Kühllager und/oder keine Angabe zur Entfernung, die die Äpfel von der Ernte bis zum Verkaufsort zurückgelegt haben. Zur Abwertung um eine Note führt: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „gut“ ist, hat keinen Einfluss auf das Gesamturteil.

Testmethoden

Pestizide: Pestizidscreening mit GC-MS/MS und LC-MS/MS. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: Juni 2018.

Bitte beachten Sie: In diesem Test bewerten wir Frischeprodukte, die im Juni 2018 bei den genannten Anbietern eingekauft wurden. Die Testergebnisse sind daher nicht gültig für aktuell von den Herstellern angebotene Produkte. Testergebnisse/Angaben stammen aus der Veröffentlichung im ÖKO-TEST Magazin September 2018 und sind nicht aktualisiert. Zwischenzeitliche Aktualisierungen zu einzelnen Produkten finden Sie unter Hersteller-Reaktionen im Hauptmenü.

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