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56 Pestizid-haltige Lebensmittel im Test

Zu viel ist zu viel

ÖKO-TEST Mai 2012 | Kategorie: Essen und Trinken | 27.04.2012

56 Pestizid-haltige Lebensmittel im Test

Die Pestizidbelastung von Obst und Gemüse, das innerhalb der EU angebaut wird, ist erfreulicherweise gesunken. Untersucht man jedoch abseits der großen Warenströme Produkte wie Weinblätter, Linsen oder exotische Früchte, dann zeigt sich plötzlich ein ganz anderes Bild: Wir fanden in 14 von 56 Produkten Rückstände über den Höchstmengen. Elf davon hätten gar nicht verkauft werden dürfen.

Eigentlich hatten wir ja gedacht, das Problem mit überhöhten Pestizidmengen in Obst und Gemüse hätte sich im Großen und Ganzen erledigt. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür ist der ÖKO-TEST Tomaten aus dem August vergangenen Jahres: Von 48 Tomatenproben, die wir in Supermärkten, Discountern und Bio-Läden eingekauft hatten, musste gerade mal eine Probe leicht abgewertet werden. Alle anderen fielen "sehr gut" aus. Selbst Obst und Gemüse vom Wochenmarkt hatte im April 2010 überraschend gut abgeschnitten.

Das liegt insbesondere an einer besseren Qualitätssicherung der großen Handelsketten. Egal ob Aldi, Lidl, Rewe, Edeka oder Metro - sie verlangen von ihren Lieferanten mittlerweile, die offiziellen Rückstandshöchstmengen nur zu maximal 70 Prozent auszuschöpfen. Lidl akzeptiert sogar nur ein Drittel der erlaubten Gehalte. Einige Handelsunternehmen haben auch Negativlisten von Pestiziden erstellt, die nicht mehr eingesetzt werden dürfen oder eine Höchstzahl an Rückständen pro Probe festgelegt.

Es gibt allerdings noch einen weiteren Grund, weshalb Rückstände heute häufiger unterhalb der Höchstmengen bleiben. So wurden im Zuge der EU-Harmonisierung Rückstandshöchstmengen nach oben angepasst, und auch das dürfte den Handel mit Obst und Gemüse "entspannt" haben.

Dennoch gibt es immer wieder problematische Produktgruppen, in denen plötzlich bestimmte Stoffe gehäuft auftreten. So ein Fall ist der Zusatzstoff Morpholin. Er wurde im Herbst 2010 erstmals in Äpfeln aus Chile nachgewiesen - die Funde waren zunächst in Großbritannien aufgetaucht. Wenig später stellte man die Substanz auch bei uns fest. Betroffen waren vor allem exotische Früchte. Morpholin wird als Emulgator in Oberflächenbehandlungsmitteln eingesetzt. Das ist in einigen Nicht-EU-Ländern erlaubt, wird in der EU jedoch beanstandet. Neuere Ergebnisse des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamtes (CVUA) Stuttgart lassen allerdings vermuten, dass das Problem inzwischen größtenteils vom Tisch ist. Das CVUA Stuttgart befasst sich in einem Schwerpunkt mit Pestiziden und ist führend in der Entwicklung neuer Methoden der Rückstandsanalytik.

Ein anderes Beispiel ist der Wirkstoff Glyphosat, der sich nur mit einer speziellen Methodik nachweisen lässt und daher wahrscheinlich längere Zeit im Dunklen blieb. Gefunden wurde er vor etwa eineinhalb Jahren in Linsen. Dort wird Glyphosat als Erntehilfsmittel eingesetzt. Das Spritzen erfolgt also erst gegen Ende der Vegetationsperiode, so dass die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass Reste zurückbleiben. Die Besonderheit: Für Glyphosat in Linsen gilt eine relativ niedrige Höchstmenge von 0,1 mg/kg, während andere Hülsenfrüchte wie Erbsen mit 10 mg/kg oder Bohnen mit 2 mg/kg davonkommen. Aus Sicht der Linsenerzeugerländer, allen voran Kanada, ein nicht akzeptabler Umstand. Doch anstatt die Erntemethode zu ändern, wurde eine Importtoleranz beantragt, die den Linsen eine "komfortablere" Höchstmenge von 10 mg/kg bescheren soll. Die Europ...


Pestizide in Lebensmitteln: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Primeurs grüne lange Bohnen, lose
  • Inter Markt

Fimar Weinblätter in Salzlake
  • Fimar Gida

Balaban Granatapfel, Variety: Hicaz
  • Hasim Balaban

Dole Tropical Gold Super Sweet, Ananas
  • Dole

Auberginen Patlican Kemer, Size: 100-300 gr.
  • Elem Tarim

Giannakakis, Salatgurke
  • Giannakakis

Cherry-Tomaten, Kaliber 20/40
  • Schumacher

Limetten, lose
  • Comercializadora Tierra Mexicana

Drachenfrucht, Pitahaya rot
  • Hoang Hau

El Maragato Legumbres de León Castellana, Linsen
  • Legumbres El Maragato

Pina Rica Golden Pineapple, Ananas
  • Ganaflor

TFC Limetten
  • TFC Holland

Al Amier Rote Linsen Addas Ahmar
  • Rila Feinkost-Importe

Suntat Weinblätter, Asma Yapragi
  • Abone Supermarkt

Omniflora Prinzess Bohnen, sehr fein
  • Omniflora

Select Bohnen, fein und geputzt
  • Kenya Fresh

Goodfarmer Honey Pomelo
  • Goodfarmer Fruits and Vegetables

Select Zuckererbsen, geputzt
  • Kenya Fresh

Gourmet Grüner Spargel No. 1 Grade
  • Gourmet Trading Company

Baktat Weisse Bohnen
  • Baktat Gida

Trauben Thompson kernlos, weiß
  • Southern Fruit Growers

Kumquats, lose
  • Edeka

Passionsfrucht, lose
  • Netto Marken-Discount

Koriander, frisch
  • Yuan-Fa Asia Markt

TFC Zuckererbsen
  • TFC Holland

Rote Bohnen
  • Monolith Süd

Taze Biber Dolma, Paprika, grün
  • Elem Tarim

Cooky Grüne Linsen
  • Modern Food

Karambola, Sternfrucht, lose
  • Edeka

Onassis Weinblätter in Salzlake
  • Onassis

San Lucar Nasch-Tomaten
  • San Lucar

Duru Bakliyat, grüne Linsen
  • Duru Bulgur Gida

Okraschoten
  • Wong's Asia-Latino

Baktat Kichererbsen
  • Baktat Gida

Terra Sol Papaya
  • Terra-Sol

Don Filipé Rawith rood, Chilis
  • Bud Holland

Selecta Fruit Papaya
  • Selecta Fruit

Salatgurke
  • Murgiverde

TFC Rawit Rot, Chilis
  • TFC Holland

Spargel grün, mini
  • Koerner Agro Export Center

Selva Physalis, First + Fair
  • Andes Export

Campal Fig Feigen, blau, lose
  • BBS Brasil Exportacao

Mango
  • Kemble Peru

Zanae Weinblätter in Salzwasser
  • Zanae Nicoglou Brothefe

Sweet Snack-Paprika, rot
  • Pepper World

Pitumette Limetten
  • Inter Weichert

Okraschoten, lose
  • Inter Markt

Omniflora Zuckererbsen
  • Omniflora

Sera Weinblätter in Salzlake
  • Korhan Pazarlama

TRS Grüne Linsen
  • TRS Wholesale

Expo Frut Mango, essreif
  • Univeg Peru

Papaya, lose
  • Frische Paradies

Baby Ananas, natur gereift
  • Schumacher

Baktat Grüne Linsen
  • Baktat Gida

Feigen, lose
  • Edeka

Frische Paradies Zitronengras
  • Thai Fresh Express

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vom 27.04.2012

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Dieses Mal kauften wir risikoorientiert ein. Welche Lebensmittel in den letzten Jahren besonders häufig mit Pestiziden belastet waren, recherchierten wir bei Landesuntersuchungsämtern und dem europäischen Schnellwarnsystem RASFF. Aufgrund dieser Hinweise fiel die Wahl zuallererst auf Obst und Gemüse aus afrikanischen, asiatischen und lateinamerikanischen Ländern. Hinzu kamen Linsen und andere Hülsenfrüchte, da es hier vor eineinhalb Jahren Höchstmengenüberschreitungen gegeben hatte. Auch Weinblätter können erheblich belastet sein, weshalb einige Proben ebenfalls im Einkaufswagen landeten. Die Produkte ließen wir wie üblich beim Discounter und in Supermärkten einkaufen - aber auch überall dort, wo Obst und Gemüse aus Nicht-EU-Ländern angeboten wird, etwa in den Lebensmittelabteilungen von Kaufhäusern, in türkischen und asiatischen Lebensmittelläden oder in der Frankfurter Kleinmarkthalle.

Die Inhaltsstoffe

Das Untersuchungsprogramm umfasste zwei Screenings mit insgesamt über 500 Pestizidwirkstoffen. Hinzu kamen je nach Produkt Einzelmethoden. So kann Glyphosat, das in Linsen für die Belastung gesorgt hatte, nur mithilfe einer spezifischen Methode erfasst werden. Gleiches gilt für Morpholin, einem in der EU verbotenen Zusatzstoff zur Oberflächenbehandlung von exotischen Früchten. Für Ethephon existiert ebenfalls eine Spezialmethode. Gefunden wurde der Stoff, der die Reifung steuert, bislang vor allem in Tomaten, Feigen, Paprika und Ananas. Die Weinblätter ließen wir zusätzlich auf Kupfer untersuchen. Kupferlösungen werden im Weinbau verbreitet gegen Pilze und Bakterien versprüht.

Die Bewertung

Welche Pestizidmengen in Lebensmitteln enthalten sein dürfen, ist gesetzlich geregelt. Überschreitet ein Stoff die Höchstmenge, führt das immer zu einem "ungenügenden" Urteil. Aus Gründen des vorsorgenden Verbraucherschutzes werten wir aber auch schon ab, wenn ein Pestizidgehalt bestimmte Höchstmengen zu mehr als zehn bzw. zu mehr als 50 Prozent ausschöpft. Zusätzlich wurde die akute Gefährlichkeit der Rückstände geprüft. Auffälligkeiten wurden mit Punktabzug bestraft. Kritisch sehen wir auch eine größere Anzahl an Rückständen pro Produkt, da völlig unklar ist, wie sich dieser Mix gesundheitlich auswirkt.

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