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17 Rindenmulche im Test

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ÖKO-TEST September 2012 | Kategorie: Bauen und Wohnen | 31.08.2012

17 Rindenmulche im Test

Rindenmulch sorgt dafür, dass Gärtner seltener gießen und Unkraut rupfen müssen. Doch in einigen Regionen enthält der Mulch Cadmiumgehalte, die der Gesetzgeber nach aktuellem Stand ab 2014 nicht mehr tolerieren wird. Allerdings kämpft die Lobby derzeit für einen höheren Grenzwert in Rindenprodukten.

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Im Frühjahr 2005 hat die FDP das Problem kommen sehen: Die neue Düngemittelverordnung war seit November 2004 durch - und mit ihr der neue Cadmiumgrenzwert. Dieser war an Bodenschutz- und Klärschlammverordnung angeglichen worden, eine logische Sache, denn warum soll Kompost weniger Cadmium enthalten dürfen als Rindenmulch? Beides kann durch hohen Cadmiumgehalt dafür sorgen, dass sich der Boden immer mehr mit dem problematischen Schwermetall anreichert.

Und spätestens im Gemüse oder Fleisch will's niemand haben. Das Schwermetall führt zu Nierenschäden, wenn es über längere Zeit in größeren Mengen aufgenommen wird, und es ist als krebserregend für den Menschen eingestuft. Die neue Düngemittelverordnung war also gut im Sinne eines vorbeugenden Bodenschutzes, aber schlecht für etliche Rindenmulchhersteller. Denn für viele bedeutete der neue Grenzwert von 1,5 Milligramm pro Kilogramm, dass sie ihren Laden mit dem geplanten Inkrafttreten Ende 2008 gehörig umstrukturieren müssen. Die Arbeit der Lobbyisten begann: Wie kann man den Grenzwert verhindern?

Die Rinde wird in der Regel von Sägewerken in der Nähe bezogen. Früher gab's noch Geld dazu, schließlich ist Rinde ein Abfallprodukt. Doch inzwischen wird es für die Hersteller von Rindenmulch, -humus oder Blumenerde zunehmend schwer, gute Qualität einzukaufen, da viele Sägewerke dazu übergegangen sind, ihre Rinde zur Strom- und Wärmeerzeugung zu verwenden. Ein Grenzwert für Cadmium in Rindenprodukten trifft vor allem Betriebe in den strukturschwachen Gebieten von Eifel, Harz, Sauerland. In den westdeutschen Gebirgslagen ist der Cadmiumgehalt im Boden nicht nur von Natur aus hoch, auch Bergbauaktivitäten haben ihren Teil beigetragen. Das Schwermetall ist nicht fest gebunden, sondern wird von den Pflanzen leicht aufgenommen. So landet es im Baum und reichert sich in der Rinde an. Die Wahrscheinlichkeit, dass Rinde, die in diesen Gebieten gewonnen wird, den gesetzlichen Grenzwert überschreitet, ist groß.

Dieses Dilemma nahm die FDP im April 2005 zum Anlass für eine Kleine Anfrage im Bundestag. Die Liberalen wollten von der Bundesregierung wissen, was sie dazu sagt, dass durch die Änderung der Düngemittelverordnung in Deutschland zukünftig etwa ein Drittel der bisher vermarkteten Rindenprodukte nicht mehr eingesetzt werden könne. Die Antwort aus dem zuständigen Verbraucherschutzministerium: Die jeweilige Ursache zu hoher Cadmiumgehalte sei kein Grund, um unterschiedliche Grenzwerte zu rechtfertigen. Es werde mit dem Ziel einer Risikominimierung und um den Boden vor schädlichen Veränderungen zu schützen gehandelt.

Die Lobby kämpft für eine Anhebung des Grenzwertes

Am Ende gelang es den Interessensvertretern dennoch, eine längere Schonfrist herauszuhandeln. Aktueller Stand: Belasteter Rindenmulch darf noch bis Ende 2013 in Verkehr gebracht werden. Doch die Branche lässt nicht locker und kämpft für eine langfristige Lösung. Und - man ist kurz vorm Ziel. Derzeit liegt ...


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6 Seiten
Seite 92 - 97 im ÖKO-TEST September 2012
vom 31.08.2012

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Pinienrinde, Kakaoschale, mit und ohne Farbe - es gibt inzwischen viele verschiedene Mulchtypen, am gebräuchlichsten ist noch immer der gute alte Rindenmulch aus Kiefern- und Fichtenrinde. Wir haben Mulche der mittleren Sortierung, das heißt mit einer Körnung von bis 40 Millimeter eingekauft: in Gartencentern, Baumärkten und bei Raiffeisen.

Körnung und Reinheit

Mulch soll vor allem aus Rinde bestehen. Doch wird die Rinde nicht sorgfältig vom Stamm abgeschält, finden sich viele helle Holzstücke im Mulch, er sieht unruhig aus. Das muss nicht sein. Auch Verunreinigungen wie Kunststoff, Glas, Moos will niemand drin haben. Ein Qualitätsmerkmal ist darüber hinaus die Körnung: Je höher der Kleinanteil, desto schneller setzt sich der Mulch um. Deshalb sind Mulche, die aus eher größeren Rindenstücken zwischen 10 und 40 Millimeter bestehen, etwas teurer. Wir ließen begutachten, ob sich die Investition lohnt oder ob auch diese Mulche hohe Anteile an Rindenbröseln enthalten.

Die Inhaltsstoffe

Das große Thema bei Rindenmulch: Cadmium. Es gelangt vom Boden in den Baum und lagert sich vor allem in der Rinde ab. Über den Boden können natürlich noch andere Schwermetalle in die Rinde geraten. Ein anderes Thema sind Pflanzenschutzmittel: In Deutschland dürfen Keulen wie Lindan und andere chlororganische Insektizide schon lange nicht mehr angewendet werden. Doch Rinde wird inzwischen auch aus dem Ausland importiert, weil die Nachfrage steigt - Rinde wird nämlich auch zum Heizen verwendet. Deshalb haben wir auf eine ganze Palette von Insektiziden prüfen lassen. Dass auch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe ein Thema sein können, wissen wir spätestens seit unserem Test Blumenerden.

Die Bewertung

Ab 2014 dürfen Rindenmulche, die mehr als 1,5 Milligramm Cadmium pro Kilogramm enthalten, nicht mehr in den Verkehr gebracht werden. Wir orientieren uns an diesem Grenzwert, auch wenn er womöglich bald auf Wunsch der Hersteller wieder nach oben gesetzt wird. So kommt's, dass ein Mulch, der ganz und gar legal ist, bei uns im roten Bereich landet. Abzüge gibt's zusätzlich, wenn die Hersteller auf der Verpackung nicht auf den Cadmiumgehalt ihrer Produkte hinweisen. Das verlangt der Gesetzgeber schon jetzt.

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