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Geräte gegen Rückenschmerzen im Test: Sind sie empfehlenswert?

Handbuch Gesundheit | Autor: Mirko Kaiser/Jürgen Steinert | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 15.06.2012

Geräte gegen Rückenschmerzen im Test
Foto: kitzcorner/Shutterstock

Zahlreiche Geräte versprechen, Rückenschmerzen zu lindern. Mitunter kämpfen die Hersteller mit recht exotischen Produkten um Käufer. Von nutzlos bis schädlich: Bei unserem großen Test war alles dabei.

Aktualisiert am 15.06.2012 | Überall in Deutschland zieht, sticht, klopft und drückt es. Die Bundesbürger haben es im Kreuz. In der Patientenleitlinie "Kreuzschmerz" von Bundesärztekammer, Kassenärztlicher Bundesvereinigung und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) aus dem Jahr 2011 heißt es: "Etwa drei von vier Deutschen geben an, mindestens einmal in ihrem Leben solche Beschwerden gehabt zu haben. Besonders betroffen sind dabei die Kreuzbein- und Lendenregion."

Gürtel, Kreisel & Co.: Geräte gegen Rückenschmerzen im Test 

Ob Geräte gegen Rückenschmerz heilen, verschwendete Zeit und Geld sind oder gar Schaden anrichten, hat ÖKO-TEST von Experten eines Institutes für Sportwissenschaften untersuchen lassen. Im Test waren insgesamt 16 Produkte, die außerdem noch in verschiedenen Laboren auf Schadstoffe untersucht wurden.

Diesen Test haben wir bereits im ÖKO-TEST Magazin 3/2012 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Handbuch Gesundheit sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

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Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Der Einkauf: Aus dem umfangreichen Angebot an Geräten gegen Rückenschmerzen haben wir 16 Produkte im Versandhandel und bei Internethändlern eingekauft. Sie lassen sich in die Gruppen Traktion (Zugwirkung)/Dehnung, Wärmetherapie, Training, Stützgürtel und Reizstromtherapie einteilen. Die Auswahl umfasst Großgeräte, die die komplette Wirbelsäule strecken sollen, Wärme spendende Produkte, Stützvorrichtungen, die ruhigstellen, sowie TENS-Kleingeräte, die per transkutaner elektrischer Nervenstimulation Strom über Elektroden durch die Haut in verspannte Muskeln schicken. Bei unspezifischen Rückenschmerzen bringt oft schon Bewegung viel. Deshalb haben wir auch Trainingsgeräte im Test, die die Wirbelsäule stabilisieren und Muskeln aufbauen sollen.

Die Praxisprüfung: Um herauszubekommen, ob die Geräte gegen Rückenschmerzen nützen, sind wir noch einmal zur Uni gegangen. Am Institut für Sportwissenschaft und Motologie der Universität Marburg ließen Wissenschaftler die 16 Geräte von zwei Probandengruppen ausprobieren. Jeweils zehn gesunde Tester und zehn mit chronisch-unspezifischem Rückenschmerz testeten alles: vom Kirschkernkissen bis zum Überkopftrainer. Nach dem Gebrauch wurden die Probanden nach ihrer Meinung zu Handhabung, Anwendbarkeit und Wirkung befragt. Bei Geräten, die einen Einfluss auf die Haltung haben, nahmen die Forscher vor und nach der Anwendung einen Wirbelsäulenscan vor. Die Forscher dokumentierten und verglichen die relative Stellung der Wirbel zueinander. Bei Streck- und Dehngeräten erfolgten Messungen der Gesamtkörperstreckung und der Rumpfbeweglichkeit. Um die Wirkung der Geräte auf die Rumpfbeweglichkeit zu bestimmen, notierten die Wissenschaftler den Finger-Boden-Abstand beim Vornüberbeugen - vor und nach dem Gebrauch. Abschließend beurteilten die Forscher die Geräte aus trainingswissenschaftlich-biomechanischer Sicht, aus einem orthopädisch-medizinischem Blickwinkel und inwieweit die Geräte physiotherapeutisch wirken. Auch das Preis-Leistungs-Verhältnis und die Realisierung der Herstellerversprechen zur Wirksamkeit überprüften die Wissenschaftler.

Die Inhaltsstoffe: So unterschiedlich die Geräte gegen Rückenschmerzen sind, so verschieden gestaltet sich die Suche nach möglichen Schadstoffen in den Produkten. Waren Kunststoffteile und Schaumstofffüllungen angebracht oder enthalten, ließen wir die Labore zum Beispiel nach Weichmachern und chlorierten Kunststoffen suchen. Auch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, von denen einige Verbindungen krebserregend sind, und schädliche zinnorganische Verbindungen können aus Produktionsrückständen enthalten sein. Platinen von Elektrogeräten ließen wir auf schädliche bromierte Flammschutzmittel analysieren.

Die Bewertung: Das ideale Gerät gegen Rückenschmerzen ist schadstofffrei und sein Geld wert. Und entscheidend ist natürlich, dass es wirkt. Deshalb fließt die Note der Praxisprüfung zu 70 Prozent in das Gesamturteil ein, das Testergebnis Inhaltsstoffe zu 30 Prozent. Damit ein "sehr gut" beim Testergebnis Inhaltsstoffe nicht aus einem unnützen Gerät ein mittelmäßiges macht, kann das Gesamturteil nicht besser sein als das Testergebnis Praxisprüfung. Das ist dann "gut", wenn das Gerät gegen Schmerzen wirkt und auch vom Käufer problemlos zu Hause angewendet werden kann. Handelt es sich beim Produkt um ein Trainingsgerät, welches laut Anbieter nicht direkt gegen Schmerzen wirken soll, beurteilten wir die Anwendbarkeit und den Trainingseffekt. Schließlich gab es für all die Geräte einen Notenabzug, die schlicht zu teuer waren für das, was sie bieten.

Bewertungslegende

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoff e führen zur Abwertung um jeweils vier Noten: a) ein stark erhöhter Gehalt von mehr als 10.000  mg/kg der in Babyartikeln und Kinderspielzeug verbotenen Phthalate Diethylhexylphthalat (DEHP), Dibutylphthalat (DBP), Butylbenzylphthalat (BBP), Diisononylphthalat (DINP), Diisodecylphthalat (DIDP) und Di-n-octylphthalat (DNOP) sowie ein stark erhöhter Gehalt von mehr als 10.000 mg/kg Diisobutylphthalat (DIBP), sofern nicht bereits wegen verbotener Phthalate abgewertet worden ist; b) ein stark erhöhter Gehalt von mehr als 250 µg/kg Dibutylzinn oder mehr als 2.500 µg/kg anderer zinnorganischer Verbindungen; c) ein stark erhöhter Gehalt von in der Summe mehr als 1.000 µg/kg PAK; d) mehr als 10.000 mg/kg Chlorparaffi ne; e) Anilin. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein erhöhter Gehalt von mehr als 1.000 bis 10.000 mg/kg der in Babyartikeln und Kinderspielzeug verbotenen Phthalate; b) ein erhöhter Gehalt von mehr als 25 bis 250 µg/kg Dibutylzinn oder ein erhöhter Gehalt von mehr als 25 bis 250 µg/kg Tributylzinn oder ein erhöhter Gehalt von mehr als 250 bis 2.500 µg/kg anderer zinnorganischer Verbindungen, falls nicht bereits wegen eines stark erhöhten Gehalts um vier Noten abgewertet worden ist; c) ein erhöhter Gehalt von mehr als 100 µg/kg einer oder mehrerer PAK-Einzelverbindungen, soweit sie sich nicht auf mehr als 1.000 µg/kg addieren. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) PVC/PVDC/chlorierte Kunststoff e im Produkt; b) optische Aufheller in Produktteilen mit Hautkontakt; c) mehr als 1.000 mg/kg Ersatzweichmacher (Di-isononyl-cyclohexan-1,2-dicarbonsäure [DINCH], Diethylhexylterephthalat [DEHT], Acetyltributylcitrat [ATBC]), falls nicht bereits wegen Phthalaten abgewertet worden ist.

Bewertung Testergebnis Sonstige Mängel: Unter dem Testergebnis Sonstige Mängel führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) PVC/PVDC/chlorierte Kunststoff e im Produktzubehör (Kabel, Logo); b) bromierte Flammschutzmittel auf der Platine; c) optische Aufheller in Produktteilen ohne Hautkontakt. Das Testergebnis Praxisprüfung beruht auf dem Expertenurteil, in das der Probandenversuch, der Einfluss auf Haltungsparameter, die Anwendungsmöglichkeiten, die Realisierung des Herstelleranspruchs und das Preis-Leistungs-Verhältnis einfließen. Im Probandenversuch testeten zehn beschwerdefreie junge Erwachsene sowie zehn Patienten mit chronischen Rückenschmerzen die Geräte. In das Testergebnis Praxisprüfung fließt die subjektive Bewertung der Geräte durch die Probanden zu den Parametern Handhabung und Behandlungsergebnis ein. Zusätzlich hat eine Expertengruppe akute Effekte der Geräteanwendung auf die Körperhaltung sowie die Beweglichkeit gemessen. Die Daten des Probandenversuchs sind neben der wissenschaftlichen Evidenz Grundlage für die Bewertung der Geräte durch einen Experten für Trainingswissenschaften und Biomechanik, einen Facharzt für Orthopädie sowie eine Physiotherapeutin. Die getesteten Produkte erhalten Einzelnoten für ihre Eignung in der Schmerztherapie, der Eigentherapie (Selbstanwendung) und als Trainingsgerät. Bei Produkten, deren Hersteller kein Versprechen zur Wirksamkeit in der Schmerztherapie geben, entfällt die Benotung "Eignung in der Schmerztherapie". Bei Produkten, deren Hersteller kein Versprechen zur Wirksamkeit als Trainingsgerät geben, entfällt die Benotung "Eignung als Trainingsgerät". Der Mittelwert der drei (zwei) Noten ergibt das vorläufige Testergebnis Praxisprüfung. Bewerten die Experten das Preis-Leistungs-Verhältnis schlechter als "ausreichend", verschlechtert sich das Testergebnis Praxisprüfung um eine Note. Die Testergebnisse Praxisprüfung/Expertenurteil, Inhaltsstoff e und Sonstige Mängel werden zunächst getrennt bewertet. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoff e und dem Testergebnis Expertenurteil/ Probandenversuch.

In das Gesamturteil gehen das Testergebnis Praxisprüfung zu 70 Prozent und das Testergebnis Inhaltsstoff e zu 30 Prozent ein. Ein Testergebnis Sonstige Mängel, das "befriedigend" oder schlechter ist, verschlechtert das Testergebnis Inhaltsstoff e um eine Note. Das Gesamturteil kann nicht besser sein als das Testergebnis Praxisprüfung/Expertenurteil.

Testmethoden

Inhaltsstoffe (getestet wurden jeweils die Parameter, die sich durch die Zusammensetzung der Produkte ergeben): PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe, bromierte Flammschutzmittel auf der Platine: Röntgenfluoreszenzanalyse. Phthalate, andere Weichmacher, phosphororganische Verbindungen, Phenole: GC/MS nach Extraktion und Derivatisierung. Halogenorganische Verbindungen: Probe wird mit Reinstwasser in der Soxhlet-Apparatur eluiert; Binden der organischen Halogene an Aktivkohle; Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom; microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe: GC-MSD, getestet auf 25 PAK EU/EPA/JECFA. Zinnorganische Verbindungen: NaDDTC, EtOH, Hexan, NaBEt4, GC-AED. Aromatische Amine: Prüfung auf Amine nach reduktiver Spaltung, Analytik entsprechend § 64 LFGB 82.02-2, Prüfung ohne vorherige Extraktion DIN EN 14362-1 (Juni 2004); Analytik entsprechend § 64 LFGB 82.02-4, Prüfung nach vorhergehender Extraktion DIN EN 14362-2 (Juni 2004); bei Hinweisen auf 4-Aminoazobenzol zusätzliche Prüfung entsprechend § 64 LFGB 82.02-9 (September 2006); Bestimmungsgrenze: 5 mg/kg; GC/MS, TLC, zusätzliche Prüfung auf Anilin und Xylidine. Dispersionsfarbstoffe: Analytik entsprechend § 64 LFGB 82.02-10 Norm DIN 54231 (November 2005); Dünnschichtchromatografie, TLC und HPLC mit DAD (UV/Vis-Detektor). Optische Aufheller: qualitativer Nachweis (UV-Licht).
Praxisprüfung: Expertenurteil: Das Expertenurteil setzt sich zusammen aus a) einem trainingswissenschaftlich-biomechanischen Urteil, b) einem fachärztlich orthopädisch-medizinischen Urteil und c) einem physiotherapeutischen Urteil. Probandenversuch: Messreihe mit einem Kollektiv von Haltungsgesunden (n=10) und einem Patientenkollektiv (n=10) mit chronischem unspezifischem Rückenschmerz. Die Ergebnisse wurden quantitativ beziehungsweise halbquantitativ nach folgenden Kriterien ausgewertet: a) Verständlichkeit der Anleitung: Der unvoreingenommene Proband soll feststellen, wie das Gerät prinzipiell angewendet werden soll. Der Zeitrahmen bis zu einem sinnvollen Umgang mit dem Gerät gilt als Messgröße; b) Handhabung: Der Proband soll ermitteln, wie das Gerät angewendet werden kann; c) Subjektives Urteil der Probanden/Wirksamkeit einzelner Anwendungen: Der Proband soll ein möglichst unvoreingenommenes Urteil über mögliche Behandlungsergebnisse oder Anwendungserfolge fällen. Dazu haben die Probanden die verschiedenen Produkte in zufällig ausgewählter Reihenfolge nur unter Zuhilfenahme der Anleitung getestet und zu jedem Gerät einen Fragebogen ausgefüllt; d) Eigentherapierbarkeit und Geräteeignung: Im Rahmen der Probandenversuche wurde die Möglichkeit zur Eigentherapie mit den Produkten ermittelt und mit den Herstellerangaben verglichen. Die Experten bewerteten die Geräte auf der Schulnotenskala hinsichtlich ihrer Eignung als Trainingsgerät, als Gerät für die Schmerztherapie und als Geräte für die Eigentherapie. Bei Produkten, deren Hersteller kein Versprechen zur Wirksamkeit in der Schmerztherapie geben, entfällt die Benotung "Eignung in der Schmerztherapie". Bei Produkten, deren Hersteller kein Versprechen zur Wirksamkeit als Trainingsgerät geben, entfällt die Benotung "Eignung als Trainingsgerät". Messung der Wirbelsäulenhaltung: Bei Geräten, die Einfluss auf die Haltung haben, führten die Experten in der Spontanhaltung vor und nach der Anwendung bei den Probanden einen Wirbelsäulenscan in frontaler und sagittaler Ebene durch. Verwendetes Verfahren: Inklinometrie (Medi Mouse IDIAG), Dokumentation und Vergleich (Segmentwinkel) der relativen Stellung der Wirbel zueinander. Herzfrequenzvariabilität: Feststellung einer möglichen Entspannungswirkung durch die Geräteanwendung (nur beim Back 2 Life Massagegerät B2L) mithilfe der Überprüfung des vegetativen Tonus (Bestimmung der Herzfrequenzvariabilität). Herzfrequenzmessung durch Polar-Herzfrequenzmesser (S810i). Realisierung des Herstellerversprechens: Überprüfung, ob und inwieweit die Wirksamkeitsversprechen der Hersteller wissenschaftlich evident sind und ob das Gerät die Ansprüche des Herstellers gegebenenfalls auch verwirklichen kann. Überprüfung, ob Gegenanzeigen beziehungsweise Gefahrenhinweise aufgeführt sind oder die vorherige Konsultation eines Arztes empfohlen wird. Geräteausstattung: Untersuchung der Anwendungsmöglichkeiten und Einstellungen. Preis-Leistungs-Verhältnis: Ausstattung, Anwendungsmöglichkeiten und Handhabung der Geräte wurden in Relation zum empfohlenen Verkaufspreis gesetzt.

Einkauf der Testprodukte: September - Oktober 2011

Diesen Test haben wir bereits im ÖKO-TEST Magazin 3/2012 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Handbuch Gesundheit sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

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