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Grippemittel

Schwache Leistung

Die Hersteller von Grippemitteln mischen nach dem Gießkannenprinzip zig verschiedene Wirkstoffe zusammen. Das ist nicht nur unsinnig, weil unwirksam, sondern kann auch zu gefährlichen Nebenwirkungen führen.

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15.06.2012 | Ruhe und Schonung sind während eines grippalen Infekts das Beste für den Körper. Doch wenn Job oder Familie rufen, wichtige Termine einzuhalten sind und Hausmittel nicht weiterhelfen, dann führt der Weg häufig nicht ins Bett, sondern in die Apotheke. Hier bekommt man häufig Kombinationspräparate, die zum Beispiel Paracetamol gegen Schmerzen und Fieber, Dextromethorphan gegen den Hustenreiz und Phenylpropanolamin gegen die verschnupfte Nase enthalten. Denn bis heute gibt es keinen Wirkstoff, der gleichzeitig alle typischerweise im Laufe einer Erkältung auftretenden Symptome beseitigt.

Viele fixe Wirkstoffkombinationen haben erhebliche Nachteile: Die Zahl der Nebenwirkungen steigt mit der Anzahl der Wirkstoffe; durch Wechselwirkungen der Wirkstoffe untereinander verändert sich ihre Verteilung im Körper und die Wirkdauer; die jeweils sinnvollste Menge eines Wirkstoffs für einen Patienten wird nicht immer erreicht.

Paracetamolhaltige Kombinationspräparate bergen noch eine andere Gefahr: fatale Leberschäden durch Überdosierung. Denn der Schmerzwirkstoff und Fiebersenker hat nur ein enges therapeutisches Fenster. Das heißt, die Dosis ab der er die Leber schädigt, liegt nur wenig über der zulässigen Tageshöchstdosis. Wer bereits wegen anderweitiger Schmerzen Paracetamol einnimmt, darf dies bei der Einnahme paracetamolhaltiger Grippemittel keinesfalls vergessen.

Im ÖKO-TEST: 13 rezeptfreie Arzneimittel, die als Anwendungsgebiet die Behandlung einer Erkältung oder eines grippalen Infekts nennen.

Das Testergebnis

Schmerz lass nach: Die wenigen "sehr guten" und "guten" Produkte sind reine Schmerzmittel. Kombinationspräparate schneiden hingegen größtenteils mit "ungenügend" ab. Sie gleichen einer Schrotschusstherapie, die vielfach nicht nur unsinnig ist, sondern auch ein erhebliches Risiko für Nebenwirkungen birgt. "Die Zusammensetzung vieler dieser Kombinationen entspricht nicht rationalen Prinzipien der Behandlung von Atemwegsinfektionen" heißt es in den Therapieempfehlungen der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft. Keines der getesteten Mittel kann einen grippalen Infekt oder gar eine Grippe heilen.

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So haben wir getestet

Der Einkauf
In der Apotheke haben wir rezeptfreie Arzneimittel eingekauft, deren Name auf eine Anwendung bei grippalen Infekten hindeutet oder die als Anwendungsgebiet Fieber und/oder Schmerzen im Rahmen von Erkältungskrankheiten nennen.

Die Wirkstoffe
Keine Wirkung ohne Nebenwirkung: Unser wissenschaftlicher Berater Professor Manfred Schubert-Zsilavecz, Pharmazeutischer Chemiker an der Universität Frankfurt/Main, hat nach Studien zur Wirksamkeit der Präparate gefahndet und geprüft, welche unerwünschten Wirkungen die Einnahme nach sich ziehen kann.

Die Hilfsstoffe
Per Deklarationsprüfung haben wir nach umstrittenen und/oder bedenklichen Hilfsstoffen des Arzneimittels gesucht. Dazu zählen halogenorganische Verbindungen, Azo-Farbstoffe, Alkohol und Paraffine.

Die Bewertung
Umso schwerwiegender mögliche unerwünschte Wirkungen eines Arzneimittels sind, desto stärker die Abwertung. Hinweise zum Hilfsstoff Vitamin C auf der Verpackung haben wir als Weiteren Mangel abgewertet, der sich negativ auf das Testergebnis Pharmakologische Begutachtung auswirkt.

So haben wir getestet

Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz: "Kombinationspräparate müssen generell kritisch gesehen werden, da ihr Nutzen nicht belegt ist."