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73 Allergiemittel im Test

Handbuch Gesundheit
vom 15.06.2012

Allergiemittel

Zum Heulen

Allergiemittel für die Nase, die Augen oder zum Einnehmen sollen die unangenehmen Symptome für die Betroffenen lindern. Viele Präparate können wir empfehlen, aber es gibt auch Problemkandidaten.

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15.06.2012 | Mehr als zwölf Millionen Deutsche leiden an Heuschnupfen. Kaum streuen im Frühjahr die ersten Birken, Erlen, Weiden und Haseln ihre Pollen aus, beginnt ihre Leidenszeit: Die Nase läuft oder ist verstopft, die Augen jucken und tränen, Husten und Atemnot plagen die Betroffenen. Unbehandelt kommt es bei jedem dritten Betroffenen zum sogenannten Etagenwechsel: Die Symptome wandern die Atemwege hinunter, Asthma ist die Folge. Wohl dem, der rechtzeitig mit einer spezifischen Immuntherapie begonnen hat - die Hyposensibilisierung kann unempfindlicher gegen Pollen machen. Sie gilt als einzige ursächliche Therapie.

Um die Symptome zu mildern, kann man aber auch zu rezeptfreien Medikamenten aus der Apotheke greifen. Zwar sind diese seit der Gesundheitsreform im Jahre 2004 aus eigener Tasche zu bezahlen. Es lohnt sich aber, alle Rechnungen zu sammeln und am Ende des Jahres bei der Steuererklärung als außergewöhnliche Belastung geltend zu machen. Die Kosten müssen dann in der Regel zwei Prozent des Jahreseinkommens ausmachen, um steuerlich absetzbar zu sein. In manchen Jahren können sich durchaus große Beträge aufsummieren, wenn beispielsweise ein allergikerfreundliches Bett hinzukommt.

Im ÖKO-TEST: 73 rezeptfreie Allergiemittel, darunter 14 Nasensprays, 23 Augentropfen und 36 Mittel zum Einnehmen.

Das Testergebnis

Erfreulich sind die Ergebnisse bei den Mitteln zum Einnehmen. Hier gibt es besonders viele "sehr gute" und "gute" Noten. Nicht ganz so rosig sieht es bei den Augentropfen und den Nasensprays aus: Einige fallen mit "mangelhaft" oder "ungenügend" durch.

Bei den meisten Wirkstoffen handelt es sich um Antihistaminika. Sie heben die Wirkung des Histamins auf, das nach Kontakt mit dem Allergen die typischen Heuschnupfensymptome erzeugt. Ihre Wirksamkeit beim allergischen Schnupfen ist belegt. Die Wirkstoffe Dimetinden und Clemastin gehören zu den Antihistaminika der ersten Generation. Sie können müde machen und die Verkehrstüchtigkeit beeinträchtigen. Vorzuziehen sind Antihistaminika der zweiten Generation (Azelastin, Levocabastin, Cetirizin und Loratadin). Nicht zu empfehlen ist die Kombination von Cetirizin mit Pseudoephedrin, einem Stoff, der die Herzfrequenz steigern sowie Angst, Unruhe und Schlafstörungen erzeugen kann. Wegen dieser unerwünschten Wirkungen ist der Einsatz von Pseudoephedrin mit einem schlechten Nutzen-Risiko-Verhältnis behaftet.

Die Wirksamkeit der in vielen Augentropfen und Nasensprays verwendeten Wirkstoffe aus der Gruppe der Mastzellstabilisatoren, die die Ausschüttung von Histamin verhindern sollen, gilt ebenfalls als belegt. Dazu zählen Cromoglicinsäure (Natriumcromoglicat), Nedocromil und Lodoxamid. Sie wirken nicht sofort, sondern erst nach Tagen oder Wochen. Entsprechende Augentropfen oder Nasen­sprays sollten daher schon etwa zwei Wochen vor dem erwarteten Pollenflug angewendet werden.

Einige Nasensprays enthalten den Kortisonabkömmling Beclometason. Die Wirkung setzt verzögert nach einigen Stunden ein.

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Wenn langsam der Schnee taut, beginnt die Pollensaison. Grund genug, Allergiemittel zu testen. Wir haben uns in Apotheken umgesehen und uns dabei auf die Mittel konzentriert, die man als kleine Helfer für die Hausapotheke ohne Rezept bekommt. Waren von einer Marke auch Säfte, Sirups oder Tropfen verfügbar, die man Kindern geben kann, haben wir diese vorrangig gekauft. Denn Eltern sind dankbar, wenn es neben Tabletten auch andere Darreichungsformen für ein Allergiemittel gibt.

Die Begutachtung
Verwenden die Hersteller nur solche Wirkstoffe, die nach dem aktuellen Stand der Forschung optimal sind - oder veraltete Substanzen, die müde machen? Unser wissenschaftlicher Berater Professor Manfred Schubert-Zsilavecz von der Goethe-Universität Frankfurt und Präsident der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft, hat alle Mittel begutachtet. Dabei wurde natürlich auch darauf geachtet, ob die möglichen Nebenwirkungen eines bestimmten Stoffes in einem vernünftigen Verhältnis zum Nutzen stehen.

Hilfsstoffe und Beipackzettel
Manchmal sind die Hilfsstoffe, also die Stoffe, die neben den eigentlichen Wirkstoffen in einem Medikament enthalten sind, das größere Problem. Denn unter diesen können sich zum Beispiel Farbstoffe oder Konservierungsstoffe befinden, die reizend sind oder sogar selbst Allergien auslösen können. Deshalb haben wir die Liste der Hilfsstoffe genau angeschaut. Weiter haben wir geprüft, ob wichtige Warnhinweise im Beipackzettel stehen, etwa dass man sich an einen Arzt wenden soll, wenn sich die Symptome nicht verbessern.

Die Bewertung
Allergiemittel sollen zuverlässig sein und keine unvertretbaren Nebenwirkungen haben. Genauso wichtig ist aber auch, dass die eingesetzten Hilfsstoffe unproblematisch sind und nicht zum Beispiel die Schleimhäute reizen. Deshalb basiert unser Gesamturteil gleichermaßen auf dem Testergebnis Pharmakologische Begutachtung und dem Testergebnis Hilfsstoffe. Es kann nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis. So ist sichergestellt, dass ein Mittel nur dann eine "gute" oder "sehr gute" Note bekommen kann, wenn wirklich beide Untersuchungsteile entsprechende Ergebnisse gebracht haben.

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