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Körperlotionen, Urea

Extraportion

Extrem trockene Haut braucht besondere Pflege. Hierfür werden zahlreiche Cremes und Lotionen mit Harnstoff angeboten. Wir haben die Lotionen ins Labor geschickt und auf problematische Substanzen untersuchen lassen.

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15.06.2012 | Kein Pipikram: "Harnstoff wird synthetisch hergestellt", sagt Birgit Huber, Referatsleiterin Körperpflegemittel des Industrieverbands Körperpflege- und Waschmittel. In Naturkosmetik wird Urea nicht eingesetzt. Denn bei BDIH-kontrollierter oder mit dem NaTrue-Label ausgezeichneter Naturkosmetik sind synthetische Wirkstoffe verboten, wenn es natürliche Alternativen gibt. Die sind aber preislich nicht konkurrenzfähig.

In der konventionellen Kosmetik ist Urea dagegen verbreitet und auch bei Hautärzten beliebt. "Harnstoff ist ein hochwertiger Feuchtigkeitsbinder und prinzipiell gut verträglich. Bislang sind jedenfalls keine Allergien bekannt", sagt der Stuttgarter Dermatologe Dr. Jens Tesmann. Allerdings bekommt die Substanz zunehmend Konkurrenz durch Hyaluron- und Milchsäure. "Die Haut sollte in ihrem leicht im Sauren liegenden pH-Wert gehalten werden, Urea ist jedoch alkalisch. Urea-haltige Pflegeprodukte können von daher die Barrierefunktion der Haut beeinträchtigen", sagt Professor Hans Christian Korting, Dermatologe am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Wir haben 15 Pflegeprodukte mit Harnstoff gründlich unter die Lupe genommen und wollten wissen, ob die Inhaltsstoffe der ohnehin schon strapazierten trockenen Haut guttun oder nicht.

Das Testergebnis

Über die Hälfte der 15 getesteten Lotionen und Cremes schneidet mit einem "sehr gut" ab. Die Schlusslichter des Tests bilden mit einem "ungenügend" zwei höherpreisige Markenprodukte.

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Im Winter leiden viele Menschen unter trockener Haut. Harnstoff findet sich in zahlreichen Cremes und Lotionen für raue, spannende oder juckende Haut - allerdings unter seinem lateinischen Namen Urea, denn der Kosmetikindustrie ist wohl daran gelegen, unangenehme Assoziationen zu vermeiden. Wir kauften in Drogerien, Discountern, bei Lebensmitteleinzelhändlern und in Apotheken 15 Lotionen und Cremes für den Körper ein, die strapazierte Haut mit Harnstoff wieder in den Normalzustand versetzen sollen.

Die Inhaltsstoffe
Formaldehyd/-abspalter und PEG/PEG-Derivate, die die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen, fanden sich in Körperlotionen in vergangenen Tests. Die von uns beauftragten Labore sollten untersuchen, ob auch ureahaltige Pflegeprodukte mit solchen unerwünschten Stoffen belastet sind. Duftstoffe, die Allergien auslösen können und polyzyklische Moschus-Duftstoffe, die sich im Körper anreichern, haben in Kosmetikprodukten ebenfalls nichts zu suchen. Viele der getesteten Produkte sollen auch für Neurodermitiker geeignet sein - deshalb gilt erst recht, dass Stoffe mit einem reizenden oder allergieauslösenden Potenzial hier nichts verloren haben.

Die Wirkung
Harnstoff gilt als ein gut verträglicher und ausgezeichneter Wasserbinder, der die Feuchtigkeit der obersten Hautschicht erhöht. Wissenschaftliche Studien belegen, dass Produkte mit zehnprozentigem Urea-Gehalt bei neurodermitischer Haut wirksam sind. Mancher Dermatologe gibt sich, was Neurodermitiker und die Dosierung betrifft, aber vorsichtiger, da Urea ein Reizungspotenzial haben kann. Wenn die Haut nach dem Eincremen brennt, sollte man das Produkt nicht mehr weiterverwenden. Schwerwiegendere Probleme sind allerdings nicht zu erwarten. Als gute Allrounder für Menschen mit trockener Haut gelten laut Hautärzten Pflegeprodukte mit fünfprozentigem Harnstoffgehalt.

Die Bewertung
Körperlotionen mit Urea sollen, wie andere Lotionen auch, die Haut pflegen und nicht reizen. Daher haben wir Inhaltsstoffe, die problematisch oder umstritten sind, in den Produkten abgewertet. Substanzen, die krebsverdächtig sind, bewerten wir dabei strenger als solche, die Allergien auslösen können. Mit diesen wiederum gehen wir härter ins Gericht als mit Stoffen wie künstlichen Ölen und Fetten, die sich nicht so gut ins Gleichgewicht der Haut integrieren wie natürliche Alternativen.