Startseite
22 Pflanzliche Schlafmittel im Test

Handbuch Gesundheit
vom 15.06.2012

Schlafmittel, pflanzlich

Gute Nacht!

Wer ständig nachts keine Ruhe findet, der leidet auch am Tag. Pflanzliche Schlafmittel können sanft dabei helfen, Schlafstörungen zu beheben. Viele Präparate sind empfehlenswert.

2570 | 39
Neuer Artikel vorhanden: 25 Schlafmittel im Test

15.06.2012 | Ein paar unruhige Nächte verkraftet der menschliche Körper noch. Auf Dauer macht zu wenig Schlaf aber krank, da die Erholung fehlt. Man fühlt sich unwohl, ist leicht reizbar und tagsüber schläfrig, unkonzentriert und weniger leistungsfähig. Die Reaktionszeit nimmt zu, was beim Autofahren oder Bedienen einer Maschine fatale Folgen haben kann. Hierzulande kämpft zirka jeder Fünfte mit Schlafproblemen.

Da ist der Griff zur Pille verlockend. Bei ausgeprägter Schlaflosigkeit kann der Arzt Schlafmittel verschreiben, zum Beispiel Benzodiazepine oder die Z-Substanzen, so benannt nach dem Anfangsbuchstaben ihrer Wirkstoffe (Zolpidem, Zopiclon). Hier besteht nicht nur ein erhebliches Abhängigkeitsrisiko. Die Einnahme verschreibungspflichtiger Schlafmittel erhöht auch das Sterbe- und Krebsrisiko. Das schließen Wissenschaftler aus den Daten von mehr als 34.000 Amerikanern. Da sich mit der Studie kein ursächlicher Zusammenhang beweisen lässt, können die Autoren auch nur Vermutungen anstellen: Überdosierungen, möglicherweise Suizide, mehr Verkehrsunfälle und Stürze, erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch nächtliche Atemaussetzer.

Dabei gibt es Alternativen zu den gefährlichen Schlafmitteln. Neben einer Verhaltenstherapie und eine verbesserter Schlafhygiene bieten sich bei leichten Schlafstörungen pflanzliche Arzneimittel an, die Baldrian allein oder in Kombination mit Hopfen, Melisse oder Passionsblume enthalten.

Im ÖKO-TEST: 22 pflanzliche Schlafmittel, die es rezeptfrei in Apotheken und Drogerien zu kaufen gibt.

Das Testergebnis

13 "sehr guten" und "guten" Produkten stehen sechs Präparate gegenüber, die wir mit "mangelhaft" bewertet haben.

Aus der Baldrianwurzel hergestellte Trockenextrakte sind als Wirkstoffe am besten untersucht. Ihre Wirksamkeit gilt als belegt, vorausgesetzt sie sind ausreichend dosiert und als Extraktionsmittel wird ein Alkohol (Methanol oder Ethanol) verwendet. Dieses wichtige Qualitätskriterium halten zwei Produkte nicht ein, denn hier wird die Baldrianwurzel mit Wasser extrahiert. Im Vergleich dazu können Baldriantinkturen auf Alkoholbasis als veraltet angesehen werden.

Melissenblätter, Passionsblumenkraut und vor allem Hopfen werden traditionell bei Einschlafstörungen eingesetzt. Immerhin gibt es klinische Ergebnisse für die Wirksamkeit von Zweierkombinationen, in denen Baldrianextrakt mit Hopfen- oder Melissenextrakt kombiniert wird. Vorteile von Zweierkombinationen gegenüber reinen Baldrianpräparaten zeigen sich aber nicht. für die Kombination von drei Wirkstoffen gibt es schon gar keine belastbaren Daten. Wir fordern bei Kombinationsprodukten, dass sie die am besten untersuchten Trockenextrakte aus Baldrianwurzel in einer angemessen hohen Dosierung enthalten.

Um die Dosierungen einschätzen zu können, haben wir zur Berechnung die jeweils höchste empfohlene Dosis bei Einschlafstörungen angesetzt. Nach den Transparenzkriterien für pflanzliche, homöopathische und anthro­posophische Arzneimittel wi

Handbuch Gesundheit

Gedruckt lesen?

Handbuch Gesundheit ab 8.90 € kaufen

Zum Shop

Handbuch Gesundheit

Online lesen?

Handbuch Gesundheit für 7.99 € kaufen

Zum ePaper

Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Alle pflanzlichen Arzneimittel wurden in der Apotheke gekauft. Auf freiverkäufliche Präparate wie Spitzwegerich enthaltende Hustenmittel, die vor allem im Lebensmitteleinzelhandel oder in der Drogerie gekauft werden, haben wir bewusst verzichtet. Denn auch wenn die Wirkstoffe auf pflanzlichen Auszügen basieren, handelt es sich um Arzneimittel, die nicht unbedingt ohne fachliche Beratung gekauft und konsumiert werden sollten. Auch nicht berücksichtigt haben wir äußerlich anzuwendende Pflanzenarzneien, die es zur Behandlung von Venenleiden oder Gelenkschmerzen gibt. Unter dem Strich kamen so 115 Produkte zum Einnehmen für sieben verschiedene Anwendungsgebiete zusammen. Die Tests verteilen sich auf zwei Hefte.

Die pharmakologische Begutachtung
Unseren wissenschaftlichen Berater, Professor Manfred Schubert-Zsilavecz, haben wir mit der Begutachtung der Mittel beauftragt. Seit gut neun Jahren berät uns der pharmazeutische Chemiker von der Universität Frankfurt am Main in allen Fragen rund um das Thema Arzneimittel. Zu seinen Arbeitsgebieten zählt die Entwicklung und Anwendung analytischer Verfahren für die Bioanalytik mit dem Schwerpunkt Naturstoffe und Phytopharmaka. Für seine Stellungnahmen durchforstet Schubert-Zsilavecz medizinische Datenbanken, um zu prüfen, ob und wie gut welche Produkte und welche Wirkstoffe in Studien untersucht worden sind. Die Informationen im Beipackzettel sollen dem Patienten eine sichere Anwendung des Arzneimittels ermöglichen. Wir haben geprüft, ob sie tatsächlich darauf hinweisen, einen Arzt aufzusuchen, wenn nach einer bestimmten Einnahmezeit keine Besserung auftritt oder sich die Beschwerden gar verschlimmern, ob es Altersangaben gibt, die die Einnahme bei Kindern beschreiben (Kinder unter zwölf Jahren brauchen keine Schlafmittel), ob Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln beschrieben sind (Johanniskraut kann die Wirkung der Pille beeinträchtigen).

Die Hilfsstoffe
Unter den Hilfsstoffen tauchen immer wieder problematische Vertreter auf, seien es Alkohol, allergieauslösende Farbstoffe oder bedenkliche Weichmacher. Zusätzlich haben wir einige Abführmittel, die keine hochverarbeiteten Extrakte enthalten, stichprobenartig auf Pestizide untersuchen lassen.


Die Bewertung
Das A und O der pharmakologischen Begutachtung ist die Auswertung der publizierten Studien, aber auch Deklarationsmängel fließen hier ein. Im Idealfall ist die Wirksamkeit eines Mittels "sehr gut" belegt, das heißt, mehrere hochwertige klinische Studien förderten positive Resultate ans Tageslicht. Eine Besonderheit bei pflanzlichen Arzneimitteln ist die Unterscheidung zwischen Spezial- und nachgeahmten Extrakten. Konnte ermittelt werden, ob ein Präparat einen in Studien untersuchten Spezialextrakt enthält, schneidet er besser ab als die Nachahmer, deren Wirksamkeit nur angenommen werden kann. Streng um vier Noten werten wir die Verwendung eines Extraktionsmittels ab, das zu nicht oder nicht gut untersuchten Extrakten führt. Dann sind Aussagen über die Wirksamkeit nicht möglich. Hilfsstoffe sind zur Herstellung einer Tablette oder einer Kapsel unerlässlich. Doch sollten sie nicht umstritten oder gar bedenklich sein. Insofern kann die unnötige Verwendung eines allergieauslösenden Farbstoffs ein in der pharmakologischen Begutachtung einwandfreies Produkt am Ende doch in einem nicht ganz so glänzendem Licht dastehen lassen. Denn das Gesamturteil kann nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis, das in diesem Fall das Testergebnis Hilfsstoffe wäre.

Weiterlesen?