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ÖKO-TEST September 2016
vom

Kinder- und Juniorzahncremes ohne Fruchtgeschmack

Süßer Zahn

Zähneputzen ist das A und O schon ab dem ersten Zahn. Mehr als die Hälfte der Kinder- und alle Juniorzahncremes im Test enthalten Fluorid, wie von Zahnärzten empfohlen. Nicht alle Inhaltsstoffe finden unsere Zustimmung, doch einige Produkte können wir voll und ganz empfehlen. Doch nur eine Kinderpaste ist "sehr gut".

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25.08.2016 | Gut zwei Jahre sind seit unserem letzten Test Kinderzahncremes vergangen. Thema damals: dass sich Kinder- und Zahnärzte nicht über die Art der Aufnahme von Fluorid zur Kariesprophylaxe bei Kleinkindern einigen konnten. Fluorid ist unerlässlich, um Karies zu verhindern und einzudämmen. Aber wie das Fluorid an die Zähne kommen soll, darüber scheiden sich die Geister.

Für Zahnärzte steht es außer Frage, dass ab dem ersten Zahn eine fluoridhaltige Zahncreme auf die Zahnoberfläche einwirken muss. Studien haben belegt, dass vor allem diese direkte Wirkung für den kariesvermeidenden Effekt verantwortlich ist. Kinderärzte möchten dagegen in der Regel kein Fluorid in einer Kinderzahncreme haben. Sie wollen eigentlich gar keine Zahncreme bei Kleinkindern - sondern nur ein Bürsten, da die Kids die Paste noch nicht ausspucken können und zu einem großen Teil verschlucken. Dabei haben die Mediziner nicht nur Fluorid im Visier, sondern auch andere möglicherweise problematische Inhaltsstoffe eines Kosmetikprodukts, was eine Zahncreme formal ist. Kinderärzte empfehlen Fluoridtabletten, häufig in Kombination mit Vitamin D, um Rachitis, aber auch Karies vorzubeugen.

Der Streit der Zahn- und Kinderärzte hat sich auch in den Leitlinien "Fluoridierungsmaßnahmen zur Kariesprophylaxe" aus dem Jahr 2012 niedergeschlagen, an der die wichtigen Gremien beider Seiten beteiligt waren. Darin steht explizit, dass die beiden Ärztegruppen sich nicht einigen konnten. Beide Positionen stehen unvermittelt nebeneinander - ein unhaltbarer Zustand für die Eltern, die nun selbst entscheiden müssen. Wie im Rahmen des Tests 2014 bereits geschrieben, kann auch ÖKO-TEST den gordischen Knoten nicht durchschlagen, weil auch wir auf die Meinung von Experten angewiesen sind. Eines ist aber klar: Doppelte Fluoridgaben, also sowohl fluoridhaltige Zahncreme wie auch Fluortabletten, sind tabu. Zu viel Fluorid kann Fluorose auslösen, das sind weiß- oder gelbliche Schmelzflecken auf den Zähnen.

Deshalb gibt es auch sehr genaue Dosierungsempfehlungen für fluoridhaltige Kinderzahncreme: Ab dem ersten Zahn einmal täglich ein dünner Film, denn bereits dieser erste Zahn kann mit kariesauslösenden Keimen besiedelt werden; ab dem Alter von zwei Jahren zweimal täglich eine erbsengroße Menge einer Zahncreme mit 500 ppm (parts per million, entspricht 500 Milligramm pro Kilogramm) Fluorid. Parallel dazu empfehlen Zahnärzte fluoridiertes Speisesalz.

Hat sich seit 2014 etwas geändert? Nein, "die Leitlinien gelten weiterhin und zumindest offiziell wird nicht über eine Änderung der Empfehlungen diskutiert", lautete die Auskunft von Professor Stefan Zimmer, Leiter des Departments für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Universität Witten/Herdecke auf unsere Anfrage. Er ist zudem "nach wie vor der Überzeugung, dass man bei Kinderzahnpasten auf mindestens 1.000 ppm gehen sollte". Denn nur für diesen Gehalt ist eine kariesprophylaktische Wirkung durch Studien nachgewiesen. Die Empfehlungen der europäischen Akademie für Kinderzahnmedizin EAPD sehen seit 2009 mindestens 1.000 ppm Fluorid für Kinder von zwei bis sechs Jahren vor. Solange es hierzulande keine breitere Zustimmung zu dieser Einschätzung gibt, orientiert sich ÖKO-TEST an den offiziellen deutschen Leitlinien.

Der Sächsische Weg

In einem Bundesland hat sich jedoch etwas bewegt! Der Kompromiss zwischen Kinder- und Zahnärzten von 2015 wird als "Der sächsische Weg" tituliert. Für Kinder ab zwei Jahren konnten sich Ärzte und Zahnärzte immerhin auf eine Linie festlegen, der Sicht der Zahnmediziner folgend auf eine fluoridhaltige Zahnpasta. Und immerhin unterstützen sie beide möglichen Wege für Kinder unter zwei: entweder eine fluoridhaltige Kinderzahncreme und ein Vitamin-D-Präparat ohne Fluoridzusatz oder eine fluoridfreie Zahnpaste und ein Kombinationspräparat mit Fluorid und Vitamin D. Der beteiligte Zahnmediziner Professor Christian Hannig vom Uniklinikum Dresden favorisiert eindeutig die fluoridierte Zahncreme, weil sie direkt an Ort und Stelle auf den Zahn einwirken kann.

Juniorzahncremes

Ab sechs Jahren oder ab den ersten bleibenden Zähnen brauchen Kinder wie Erwachsene eine Zahnpflege mit mehr als 1.000 bis 1.500 ppm Fluorid. Sie können also einfach die Erwachsenenzahnpasta mitbenutzen - theoretisch, praktisch ist das oft schwierig. Denn sie ist den meisten Kindern zu scharf, weshalb die Industrie spezielle Juniorzahnpasten für die Altersgruppe von sechs bis zwölf anbietet, die milder im Geschmack sind. Deshalb halten auch der zahnmedizinische Experte Professor Stefan Zimmer sowie unser kinder- und ernährungsmedizinischer Berater Professor Berthold Koletzko aus München eine Juniorpaste für vernünftig. Auf keinen Fall sollten Schulkinder eine Kinderzahncreme mit geringerem Fluoridgehalt verwenden, nur weil diese leckerer schmeckt.

Um zu verhindern, dass Kinder die fluoridhaltige Zahncreme so sehr mögen, dass sie diese wie eine Süßigkeit konsumieren, sollten Kinderzahncremes nicht fruchtig schmecken. Vor Kurzem erhielten wir eine Anfrage von Mitarbeiterinnen des Fachbereichs Gesundheit, AG Zahngesundheit der Stadt Krefeld, nach Produkten mit Minzgeschmack, da die Beraterinnen Eltern von nicht fruchtigen Zahncremes überzeugen wollen.

Deshalb konzentrieren wir uns in diesem Test auf Zahncremes ohne Fruchtgeschmack, mit Minze oder zumindest ohne besonders beworbenen Geschmack. Neben neun Kinderzahnpasten haben wir zehn Juniorzahncremes für die Altersgruppe ab sechs Jahren eingekauft. Wir schickten die Produkte in die Labore und prüften eingehend die Deklarationen.

Das Testergebnis

Gestreift. Das Ergebnis fällt sehr unterschiedlich aus, von "sehr gut" bis "mangelhaft" sind alle Noten vertreten. Mehrfach verhindert eine schlechte Deklaration ein gutes Ergebnis. Zwei Markenprodukte und eine Naturkosmetikzahncreme fallen mit "mangelhaft" durch und nur eine einzige Kinderzahncreme aus dem Drogeriemarkt ist am Ende "sehr gut".

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Kinderärzte fordern, dass Kinderzahncremes nicht fruchtig schmecken und zum Herunterschlucken verleiten sollen. Deshalb haben wir neun Kinder- und zehn Juniorzahncremes mit Minzgeschmack oder ganz ohne Geschmacksnote eingekauft. Drei der Kinderpasten sind als Naturkosmetik zertifiziert. Sie enthalten, wie eine weitere Babyzahncreme, kein Fluorid.

Die Inhaltsstoffe
Zahncremes für Schulkinder und Erwachsene müssen Fluorid enthalten, um Karies vorzubeugen. Falls Kleinkindern jedoch auf die Verordnung von Kinderärzten hin Fluoridtabletten verabreicht werden, sollte kein weiteres Fluorid durch die Zahncreme hinzukommen. Wir prüften, inwieweit in den Pasten weitere problematische Inhaltsstoffe wie Konservierungsmittel, Tenside und Farbstoffe stecken. Auch auf Aluminium und Zink ließen wir untersuchen, weil zu viel davon ein gesundheitliches Risiko in sich bergen kann.

Die Weiteren Mängel
Wichtig ist, dass die Eltern alle nötigen Hinweise für eine korrekte Anwendung erhalten: genaue Dosierangaben, vor allem auch für Babys und Kleinkinder unter zwei Jahren, erforderliche Fluoridgaben, weitere Fluoridquellen. Zumindest der Hinweis, dass bei weiteren Fluoridgaben die Ärzte zu befragen sind, sollte vorhanden sein.

Die Bewertung
Für problematische Tenside, Farb- und Süßstoffe sowie Zink geben wir jeweils bis zu zwei Minuspunkte. Gravierende weitere Mängel in der Deklaration, teilweise in Kombination mit einem unnötigen Umkarton, verschlechtern das Gesamturteil noch um weitere ein bis zwei Noten.

So haben wir getestet

Die richtige Dosierung: Eine erbsengroße Menge zweimal täglich für Kinder bis sechs Jahren, für Kinder unter zwei jedoch nur ein dünner Film, wie ein Reiskorn.