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7 Kondome im Test

ÖKO-TEST Jahrbuch Gesundheit für 2010
vom 09.11.2009

Kondome

Nummer sicher

Kondome schützen vor unerwünschten Schwangerschaften, vor Aids und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten. Unser Test zeigt, dass sie alle dicht halten. Einige sind aber mit gesundheitlich bedenklichen Schadstoffen belastet.

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09.11.2009 | Kondome sind als Medizinprodukte eingestuft und durchlaufen strenge Tests. Damit das Verhüterli zurückhält, was es verspricht, gibt es seit 2002 die internationale Norm DIN EN ISO 4074 "Kondome aus Naturkautschuklatex - Anforderungen und Prüfverfahren". Danach müssen die Überzieher mindestens 16 Zentimeter lang sein und je nach Breite ein bestimmtes Mindestvolumen garantieren. Anders als in der Vorgängernorm EN 600 dürfen sie auch breiter als 5,6 Zentimeter sein. Zur Selbstüberschätzung gibt es aber keinen Grund: Der erigierte deutsche Durchschnittspenis misst eine Länge von 14,5 Zentimetern bei einer Breite von 5,2 Zentimetern. Um der Norm zu genügen, müssen die Kondome einen Berst- und einen Dichtigkeitstest bestehen, sie dürfen keine sichtbaren Schäden in Form von Falten oder Defekten am Rollrand aufweisen, und die Verpackung muss ordentlich gekennzeichnet sein.

Zusätzliche Anforderungen erfüllen Produkte, die das DLF-Gütezeichen tragen. Hinter dem Kürzel DLF verbirgt sich die Deutsche Latex Forschungsgemeinschaft Kondome, ein Zusammenschluss verschiedener Hersteller. So muss die Wanddicke der Kondome zwischen 0,04 und 0,08 Millimetern liegen. Zum Vergleich: Ein Menschenhaar ist rund 0,12 Millimeter dick. Das Material muss eine bestimmte Reißkraft, -festigkeit und -dehnung aushalten. Auch wird geprüft, ob Keime auf den Präsern wachsen.

Noch strengere Anforderungen stellt der Schweizer Verein Gütesiegel für Präservative. Hier muss jede einzelne Produktionseinheit vor der Freigabe für den Verkauf von einem unabhängigen Labor getestet werden. Dafür vergibt der Verein das ok-Gütezeichen. Nach eigenen Angaben haben in der Schweiz 80 Prozent der verkauften Präservative ok-Gütezeichen-Qualität.

ÖKO-TEST hat sieben Kondome, davon drei Drogerie-Eigenmarken, einem Praxistest unterzogen und sie auf Schadstoffe untersuchen lassen. Alle Kondome trugen ein CE-Kennzeichen und einen Hinweis auf die Norm 4074. Keines hatte das DLF- oder das ok-Zeichen. Verzichtet haben wir auf die Untersuchung bekannter Marken wie Durex, Blausiegel, Fromms, Billy Boy oder Ritex. Die Hersteller dieser Produkte sind Mitglieder der Deutschen Latex Forschungsgemeinschaft Kondome und müssen ohnehin hohe Anforderungen erfüllen.

Das Testergebnis

Alle Kondome erfüllen die Vorgaben der Norm DIN EN ISO 4074 sowie die darüber hinausgehenden Prüfungsvorgaben der DLF. Neben drei "sehr guten" Kondomen schneiden drei Produkte mit "gut", eins mit der Note "befriedigend" ab.

Zum Schutz vor Aids, anderen sexuell übertragbaren Krankheiten und Schwangerschaft muss das Kondom dicht halten. Nicht mehr als drei von 500 Kondomen dürfen bei der Praxisuntersuchung ein Leck zeigen. Erfreulich: Keines der untersuchten Produkte fiel negativ auf.

Ob glatt oder genoppt, rosa oder naturfarben: Den Bersttest haben alle bestanden. Nicht mehr als zehn von 315 Kondomen einer Charge durften hierbei platzen, bevor nicht 18 Liter Luft hineingepustet waren oder bevor der Innendruck nicht mindestens ein Kilopascal betrug - also rund ein Prozent größer war als der Außendruck. Die gleichen Anforderungen mussten weitere 315 Kondome dieser Charge nach einer Wärmebehandlung erfüllen.

Auch in der Reißdehnung zeigten die Gummis keine Schwächen. 700 Prozent Dehnung sind bei diesem Test sowohl vor als auch nach der Wärmebehandlung gefordert.

Einen Hinweis auf die hygienischen Bedingungen bei Herstellung und Verpackung liefert die mikrobiologische Reinheit. Im Hinblick darauf gab es bei keinem Produkt etwas zu beanstanden.

Das Amor Wild Love gibt mehr als zehn Mikrogramm pro Kilogramm (µg/kg) krebserregende Nitrosamine ab. In Latexprodukten entstehen sie bei der Umwandlung des flüssigen Rohstoffs in elastischen Latex. Obgleich fast alle bekannten Nitrosamine Krebs erregen können, ist ein Zusammenhang zwischen Kondomen und der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs unwahrscheinlich. Noch gibt es keinen Grenzwert für Nitrosamine in Kondomen. Da es technisch aber machbar ist, Latex so aufzubereiten, dass er keine Nitrosamine abgibt, haben wir Gehalte von mehr als 10 µg/kg um zwei Stufen abgewertet.

Allergieauslösende Latexproteine hat das von uns beauftragte Labor in unterschiedlichen Mengen nachgewiesen. In Anlehnung an eine Empfehlung für medizinische Handschuhe, nach der nur Produkte verwendet werden sollen, die weniger als 30 µg/g Latexproteine abgeben, werten wir Gehalte darüber ab. Mit zunehmendem Proteingehalt steigt das Allergierisiko.

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