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15 Sonnenbrandmittel im Test

Brand-gefährlich

ÖKO-TEST Juli 2009 | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 26.06.2009

15 Sonnenbrandmittel im Test

In der Apotheke gibt es jede Menge Mittel zur Behandlung von Sonnenbrand. Unser Testergebnis liefert noch einen Grund mehr, exzessive Sonnenbäder zu vermeiden:Nur zwei "sehr gute" und "gute" Mittel können wir empfehlen, der Rest war schlecht.

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Cremen, Cremen, Cremen ... und die Sonne vermeiden - besonders wenn sie ihren Tageshöchststand hat. Das predigen Medien und Ärzte schon seit Jahren. Dennoch gilt tolle Bräune zumindest in unseren Breiten als attraktiv. Und gesund ist die Sonne ja auch, denn ohne Sonnenlicht bildet der Körper kein Vitamin D - wichtig für den Aufbau von Knochen und Knorpel.

Dabei reicht für die Vitaminversorgung schon eine kleine Sonnenration von etwa einer Viertel Stunde dreimal wöchentlich. Ausgedehnte Sonnenbäder sind also völlig überflüssig. Und auch sehr tückisch: Die Quittung für exzessiven Sonnenkonsum erhalten wir nämlich mit einer beträchtlicher Verzögerung von 20 bis 40 Jahren: Die UV-Strahlung lässt die Haut schneller alt aussehen und kann Hautkrebs verursachen.

140.000 Neuerkrankungen an Hautkrebs gibt es jährlich, und jedes Jahr wird die Hautkrebsrate um sieben Prozent zunehmen, schätzt Professor Eckhardt Breitbart von der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP). Die meisten Fälle - rund 120.000 pro Jahr - sind Basalzell- und Stachelzellkarzinome, auch als weißer Hautkrebs bekannt. Dieser bildet sich häufig auf den sogenannten Sonnenterassen wie Gesicht, Nacken oder dem Handrücken, das Basalzellkarzinom überwiegend im Hals-Kopf-Bereich und seltener an Beinen und Oberkörper. Das Robert-Koch-Institut gibt in seiner neuesten Broschüre zu Krebs in Deutschland für das maligne Melanom, den sogenannten schwarzen Hautkrebs, jährlich 14.900 Neuerkrankungen an. Er ist aggressiver als der weiße, weil er rasch gefährliche Metastasen bildet. An malignen Melanomen erkranken besonders häufig Menschen mit einer großen Anzahl von Pigmentmalen, mit heller Haut und entsprechender Veranlagung.

Besonders nachlässig mit dem Sonnenschutz sind junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren

Intensive Sonnenbäder mit Sonnenbränden, besonders in der Kindheit, und künstliche UV-Strahlung treiben das Risiko für den schwarzen Hautkrebs zusätzlich in die Höhe.

Seit Juli 2008 gibt es eine Hautkrebsvorsorge als Kassenleistung. Ab 35 Jahre kann sie alle zwei Jahre in Anspruch genommen werden. Da derzeit harte wissenschaftliche Fakten als Beweis fehlen, dass sich die Sterblichkeit infolge von Hautkrebs durch ein Hautscreening senken lässt, wird der Erfolg der Hautkrebsvorsorge spätestens im Jahr 2013 überprüft. "Das Konzept dafür wird gerade erarbeitet. Zur Überprüfungen nutzen wir Daten, die den Krankenversicherungen vorliegen", erklärt Kristine Reis-Steinert, Sprecherin des Gemeinsamen Bundesausschusses, der entscheidet, welche Leistungen die Krankenkassen übernehmen.

Im Jahre 1989 gaben noch 26 Prozent der Befragten an, einen Sonnenbrand erlitten zu haben. 2007 waren es nach einer von Bayer Vital durchgeführten Umfrage nur noch 16 Prozent. Auch bei Kindern haben Sonnenbrände in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen, ein Zeichen dafür, dass Eltern sorgfältiger auf Sonnenschutz achten, resümiert Dr. Falko Panzer, Kinderarzt in Mannheim.

ÖKO-TEST hat 15 rezeptfreie Arzneimittel, Medizinprodukte und Kosmetika in der Apotheke gekauft. Alle Mittel versprechen auf der Verpackung oder im Beipackzettel, bei Sonnenbrand zu helfen. Wir haben die Produkte pharmakologisch begutachten lassen sowie auf problematische Inhaltsstoffe getestet.

Das Testergebnis

Völlig unverständlich: Die meisten Sonnenbrandmittel belasten die verbrannte Haut noch zusätzlich mit allergisierenden Substanzen. Sage und schreibe acht Präparate schneiden in unserem Test mit "mangelhaft" und "ungenügend" ab.

Die meisten Produkte fallen durch den Test - in vielen stecken Substanzen, die Allergien auslösen können

Grundsätzlich kann kein Sonnenbrandmittel die Schäden, die ein Sonnenbrand auf der Haut verursacht, rückgängig machen. Solche Produkte können allenfalls Symptome wie Juckreiz und Schmerzen lindern und die Regeneration der Haut ein wenig unterstützen. Nach Meinung unseres pharmakologischen Beraters sind Mittel mit Kamillenblüten und Dexpanthenol bei Sonnenbrand empfehlenswert. Diese Stoffe helfen der Haut sich zu regenerieren. Arzneimittel mit Antihistaminika wie Dimetinden, Diphenhydramin oder Chlorphenoxamin können zwar Entzündungen und damit verbundenen Juckreiz unterdrücken - zumindest wenn sie etwa als Tablette eingenommen werden. Unklar ist allerdings, ob diese Substanzen auch auf der Haut wirken; daher werten wir hier um zwei Noten ab. Chlorphenoxamin gehört zudem zur Gruppe der umstrittenen halogenorganischen Verbindungen und kassiert deshalb einen weiteren Minuspunkt. Ist der Sonnenbrand besonders schmerzhaft, können Arzneimittel mit Benzocain oder Lidocain - beide Substanzen betäuben die verbrannten Hautbereiche - lindernd wirken. Beide Stoffe lösen jedoch Allergien aus, besonders häufig Benzoacin.

Für viele Stoffe in Sonnenbrandmitteln fehlen fundierte Studien, dass sie ihren Zweck erfüllen

Für Perubalsam, Zinkoxid, Lebertran, Kampfer, Menthol und auch Thermalwasser, die in Medizinprodukten und Kosmetika enthalten sind, gibt es keine Studien, die zeigen, dass sie bei Sonnenbrand einen positiven Effekt haben. Im Gegenteil: Perubalsam wirkt stark allergisierend. Kampfer, der in der Pruricalm Lotion steckt, kann Hautreizungen verursachen. Zudem sind Mittel mit Kampfer nicht für Babys und Kleinkinder geeignet.

Einige der Medizinprodukte und Kosmetika wie das Brand- und Wundgel Medice, der Fenistil Kühl Roll-on, die Dermi-Cyl Hautpflegesalbe und die Pruricalm Lotion versprechen laut Beipackzettel oder Verpackung einen kühlenden Effekt, und das Eau Thermale Avène Thermalwasser soll erfrischen. Richtig ist, dass man bei Verbrennungen ersten Grades, die häufig durch UV-Strahlen verursacht werden, die Haut kühlen sollte. Das mindert die Schmerzen und begrenzt die Entzündung. Fachleute empfehlen dafür aber fließendes Leitungswasser und feuchte Umschläge mit kaltem Leitungswasser. Nicht geeignet sind jedoch Eis oder Coldpacks, die - womöglich noch über mehrere Stunden angewendet - die Haut durch die Kälte sogar schädigen können. Ob Sonnenbrandmittel auch einen kühlenden Effekt haben, konnte kein Hersteller durch plausible Studien belegen.

Das Mirfulan Spray N und die Pruricalm Lotion erhalten Punktabzug für Duftstoffe wie Isoeugenol, Hydroxycitronellal und Cinnamylalkohol, die relativ häufig Kontaktekzeme auslösen können. Hautreizende oder allergisierende Konservierungsstoffe wie Methylchlorisothiazolinon, Zinkpyrithion und Benzalkoniumchlorid kritisieren wir an drei Mitteln. Auch das aus Kiefernharz stammende Kolophonium in dem kosmetischen Mittel Peru-Lenicet Pflegesalbe kann Allergien auslösen.

Test kostenlos abrufen (PDF)

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Sonnenbrandmittel: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Anaesthecomp N Gel
  • Dr. Ritsert

    ausreichend

Fenistil Gel
  • Novartis

    befriedigend

Anaesthin Creme 10%
  • Dr. Ritsert

    befriedigend

Eau Thermale Avène Thermalwasser
  • Pierre Fabre

    mangelhaft

Pruricalm Lotion
  • Stiefel

    ungenügend

Mirfulan Spray N
  • Merckle Recordati

    mangelhaft

Fenistil Kühl Roll-on
  • Novartis

    ungenügend

Labocane Anti-Juckreiz-Salbe
  • Combe Pharma

    mangelhaft

Systral Gel
  • Meda Pharma

    ausreichend

Brand- und Wundgel Medice
  • Medice

    ungenügend

PC30 N, Lösung
  • Terra-Bio-Chemie

    sehr gut

Panthenol-Sandoz 5g/100g Creme
  • Sandoz Pharmaceuticals

    ungenügend

Dermi-Cyl Hautpflegesalbe
  • Pharma Liebermann

    ausreichend

Peru-Lenicet Pflegesalbe
  • Athenstaedt

    ungenügend

Bepanthen Kühlendes Schaumspray
  • Bayer Vital

    gut