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22 Erfrischungsgetränke im Test

ÖKO-TEST Juli 2017
vom 29.06.2017

Erfrischungsgetränke

Ein Glas Zucker, bitte!

Sommer, Sonne, Durst: Und der Markt lockt mit neuen Trendgetränken wie Gurkenlimos, Fassbrausen mit Mangogeschmack oder Estragon-Ingwer-Mischungen. Fast alle haben eins gemeinsam: Sie sind zu süß.

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29.06.2017 | Manchmal erkennt man in einer neuen Nachricht mit Erschrecken eine alte. "US-Amerikaner trinken 2016 erstmals mehr Wasser als Cola" war so eine Nachricht. Bitte? Die Amerikaner haben vorher also mehr gezuckerte Getränke wie Cola getrunken als Wasser? Zumindest scheinbar: ja. Laut dem amerikanischen Marktforschungsunternehmen "Beverage Marketing Corporation" kauften die Amerikaner vor zehn Jahren noch durchschnittlich 190 Liter Softdrinks und etwa 104 Liter Wasser im Jahr. Erst 2016 drehte sich das Verhältnis. Der Konsum von Cola und Co. ging auf 146 Liter zurück, der von Wasser stieg auf 149 Liter.

Nun sollte man ja bekanntlich keiner Statistik trauen, die man nicht selbst gefälscht hat. Getrunken haben die Amerikaner mehr Wasser - nur kam das aus dem Wasserhahn und fließt so in die Statistik der gekauften Getränke nicht ein. Was aber bleibt, ist die hohe Menge der Softdrinks. Knapp ein halber Liter am Tag - wohlgemerkt nur im Durchschnitt - das dürfte der Weltgesundheitsorganisation WHO gar nicht gefallen. Denn, legen wir mal den Zuckergehalt einer Coca-Cola zugrunde, dann nehmen die Amerikaner pro Tag bereits 50 Gramm Zucker allein mit Softdrinks zu sich. Das ist genau die Menge, die die WHO als tägliche Höchstmenge für Erwachsene empfiehlt - in ihrer großzügigen Empfehlung. Ideal seien höchstens 25 Gramm, rät sie. Aber da geht es nicht um die Zuckerzufuhr durch Getränke, da geht es um die tägliche Gesamtaufnahme - inklusive Schokolade, Cornflakes und Co.

Wir Europäer blicken ja gern mit hochgezogenen Augenbrauen Richtung USA. Zu sehr brauchen wir die Augenbrauen allerdings nicht hochzuziehen. Auch in Deutschland liegt der Pro-Kopf-Verbrauch von gezuckerten oder mit künstlichen Süßstoffen gesüßten Getränken ganz schön hoch. Rund 116 Liter waren es laut vorläufigen Zahlen der Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke im Jahr 2016, darunter 63,2 Liter gezuckerte Getränke. Zu viel, findet die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). "Zuckergesüßte Getränke sollten generell nur in geringen Mengen getrunken werden", sagt die Ernährungswissenschaftlerin Silke Restemeyer von der DGE. Als Durstlöscher eignen sie sich gar nicht: "Sie enthalten viele Kalorien und können so auch zur Entstehung von Übergewicht beitragen."

Zucker macht dick, klar - aber gilt das auch für Fruchtzucker, wie er etwa in Schorlen steckt? Oder wie Hersteller ihn in Form von Fruktose zufügen? Ist der nicht viel gesünder? Ganz im Gegenteil. "Fruktose ist in größerer Menge, wir sprechen hier von mehr als 30 Gramm pro Tag, für den Stoffwechsel ungünstig", sagt Andreas Pfeiffer, Leiter der Abteilung für Klinische Ernährung am Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam. Besonders Fruchtzucker steht unter dem Verdacht, mitverantwortlich für Herzinfarkte und Krankheiten wie Diabetes Typ II und Fettleber zu sein. Nun steckt in ganz normalem Haushaltszucker auch immer Fruktose: Saccharose besteht aus einem Molekül Glukose und einem Molekül Fruktose. Die enthaltene Gluk

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Weitere Informationen

So haben wir getestet
Der Einkauf
Die Sommergetränke-Klassiker Zitronenlimo oder Apfelschorle haben längst Konkurrenz bekommen. Abwechslung beim Durstlöschen versprechen immer mehr Fassbrausen, Gurkenlimos oder etwa Estragon-Ingwer-Mischungen. Aus dem riesigen Angebot haben wir 22 Limonaden, Schorlen und Fassbrausen ausgewählt - teils in Bio-Qualität, teils konventionell hergestellt.

Die Inhaltsstoffe
Wie viel Zucker steckt in den Flaschen? Stimmt die Deklaration auf den Etiketten? Ein von uns beauftragtes Labor hat dafür das Zuckerspektrum der Erfrischungsgetränke untersucht. Außerdem auf der Prüfliste der Labore: Pestizidrückstände, die über die Früchte oder die Kräuter in die Getränke gelangen können. Waren auf Produkten ausschließlich natürliche Zutaten ausgelobt, haben wir checken lassen, ob die Hersteller nicht doch mit künstlichen Aromen nachgeholfen haben. Außerdem haben wir die Restalkoholgehalte der Erfrischungsgetränke überprüfen und nach bedenklichen Schwermetallen fahnden lassen.

Die Bewertung
Bei der Bewertung des Zuckers orientieren wir uns an der Richtlinie der Weltgesundheitsorganisation WHO. Wenn man mit einer Portion mehr als 25 Gramm Zucker zu sich nimmt - und damit mehr als die Empfehlung der WHO für einen ganzen Tag - werten wir um zwei Noten ab. Sind die Flaschen oder Dosen nicht wiederverschließbar, rechnen wir die jeweilige Füllmenge als Portionsgröße, bei wiederverschließbaren Flaschen nehmen wir eine 0,25-Liter-Portion als Grundlage für die Bewertung. Für den Nachweis eines besonders bedenklichen Pestizids in den Getränken ziehen wir eine Note ab, auch wenn der Gehalt nicht als "erhöht" zu werten ist. Aber nicht nur Schadstoffe sind entscheidend für die Bewertung: Auch Zusätze, die Hersteller den Getränken bewusst zufügen, sehen wir mitunter kritisch. So führen Aromen, künstliche Farb- und Süßstoffe sowie unsinnige Zusätze von künstlichen Vitaminen und/oder Mineralstoffen zu Abwertungen.

So haben wir getestet

Wie viel Zucker in den Limos steckt, haben wir im Labor überprüfen lassen.

Video zum Thema

Video

ÖKO-TEST-Magazin 7/2017:

Erfrischungsgetränke

Ein Glas Zucker, bitte!

Wie empfehlenswert sind Erfrischungsgetränke als Durstlöscher im Sommer? Wir wollten es genau wissen und haben dafür 22 Fassbrausen, Limonaden und Schorlen ins Labor geschickt und umfangreich untersuchen lassen. ÖKO-TEST-Chefredakteur Jürgen Stellpflug mit dem Ergebnis.