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Fertigparkett

Gut Holz

Parkett ist und bleibt eine gute Wahl. Und von den meisten Testprodukten geht fast keine Belastung für die Raumluft aus. Doch mancher Hersteller spart am guten Eichenholz. Wer einen langlebigen Boden sucht, muss genau hingucken.

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02.11.2012 | Parkett ist für viele heute der Wunschbodenbelag. Ob man sich im Eigenheim oder auch der Mietwohnung dann tatsächlich für das natür­liche, langlebige Mate­rial entscheidet, hängt nicht zuletzt an den Kosten. Und so ist der Preisdruck auf dem Markt für Fertigparkett enorm, zumal die Hersteller in Deutschland und Österreich auch immer mehr Konkurrenz durch Importe bekommen.

Eine Möglichkeit für die Hersteller darauf zu reagieren ist, an der Dicke der Nutzschicht zu sparen, also zum Beispiel an der dünnen Lage aus Eichenholz im Eichenparkett. Andre Leonhardt, Qualitätsmanager bei Hersteller Parador, bestätigt, dass die Nutzschichtdicken von Fertigparkett in den vergangenen Jahren abgenommen haben. "Hintergrund ist die zunehmende Schnelllebigkeit. Es gibt bei Parkett jetzt viele Mode­erscheinungen: Mal ist es gebürstet, mal gekalkt, mal im Used Look. Das ist dann ein, zwei Jahre modern und danach nicht mehr." Ein Großteil des Parketts würde ohnehin schwimmend verlegt, sodass es technisch schwieriger sei, es abzuschleifen, um es für die nächsten zehn Jahre wieder schön zu haben.

Wer sein schwimmend verlegtes Parkett lieb gewonnen hat, aber die Kratzer oder ­Abdrücke von Stöckel­schuhen und Möbeln darin langsam überhandnehmen, muss übrigens auch nicht gleich die Flinte ins Korn werfen: Es gibt durchaus Betriebe, die auch schwimmend verlegtes Parkett abschlei­fen. Die Fachleute überprüfen vorher an den Wandfugen, ob die Nutzschicht noch dick genug für einen Abschliff ist. Das Risiko von durchgeschliffenen Stellen ist aber bei nicht verklebtem Fertigparkett größer.

Wir wollten wissen, wie es um die Qualität des aktuellen Fertigparkettangebots ­bestellt ist. Deshalb haben wir dreizehn Fertigparkettböden mit Eichenoberfläche in die Praxis- und Schadstoffprüfung geschickt.

Das Testergebnis

Fertigparkett ist grundsätzlich ein gesunder Bodenbelag. Bis auf ein Testprodukt schneiden alle mit einem "sehr guten" Testergebnis Inhaltsstoffe ab. In der Praxisprüfung trennte sich dann doch die Spreu vom Weizen.

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Die 13 geölten und UV-geölten Fertigparkette haben wir im Fachhandel und Baumarkt eingekauft. Alle haben eine Oberfläche aus der bei Parkett derzeit beliebten Holzart Eiche. Die Preise liegen zwischen knapp 37 und 85 Euro pro Quadratmeter.

Die Praxisprüfung
Bei Fertigparkett ist wichtig, dass die Abmessungen exakt sind. Schließlich sollen die einzelnen Teile zusammenpassen und eine schön ebene Fläche ergeben. Deshalb gibt die Norm DIN EN 13849 unter anderem vor, wie stark die Schwankungen in Bezug auf die Breiten und die Rechtwinkligkeit der Paneele sein dürfen. Ob zum Beispiel ungenaue Ausfräsungen dazu führen, dass Kanten hochstehen, wird nach der Norm mit einem Tiefenmesstaster an auf einer starren Fläche verlegten Elementen geprüft. Wie dick die Nutzschicht aus Eichenholz jeweils wirklich ist, hat das von uns beauftragte Labor mit einer besonders exakten Methode über mikroskopische Aufnahmen ermittelt.

Die Inhaltsstoffe
Ein geölter Parkettfußboden ist kein pures Holz mehr: Von den mehr oder weniger natürlichen Ölen oder unter UV-Licht ausgehärteten Schutzschichten können Belastungen für die Raumluft ausgehen. Hinzu kommen mögliche Ausdünstungen aus dem Holz selbst oder aus verwendetem Leim. Wir ließen messen, ob - wie in vergangenen Parketttests - krebserregendes Formaldehyd in nennenswerten Mengen ausdünstet. Auch die Gesamtbelastung an flüchtigen organischen Verbindungen (VOCs) interessierte uns, denn hohe Gehalte davon werden mit Symptomen wie Kopfschmerzen oder Müdigkeit in Verbindung gebracht. Zu guter Letzt haben die Produkte noch ein Screening auf giftige Schwermetalle durchlaufen.

Die Bewertung
Auch wenn die Hersteller bei Parkett von kurzlebigen Modetrends sprechen: Wir finden, wer in einen Parkettboden investiert, sollte lange daran Freude haben und auch die Möglichkeit, ihn gegebenenfalls mehrmals durch Abschleifen wieder frisch und schön zu machen. Deshalb erhalten die Böden mit dünner Nutzschicht von uns Punktabzug. Wenn die Labormessungen eine geringere Dicke aufzeigten als vom Hersteller angegeben, haben wir das unter Weitere Mängel abgewertet. Neben den praktischen Aspekten ist die Schadstofffreiheit besonders wichtig. Das Gesamtergebnis der Produkte ergibt sich deshalb aus dem schlechtesten Einzelergebnis für Praxisprüfung oder Inhaltsstoffe.

So haben wir getestet

Holz ganz groß: Eine 2,5-Milimeter-Eichenholz-Nutzschicht in mikroskopischer Aufnahme.