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14 Grippemittel im Test

ÖKO-TEST November 2011
vom 28.10.2011

Grippemittel

Schwache Leistung

Die Hersteller von Grippemitteln mischen nach dem Gießkannenprinzip zig verschiedene Wirkstoffe zusammen. Das ist nicht nur unsinnig, weil unwirksam, sondern kann auch zu gefährlichen Nebenwirkungen führen.

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28.10.2011 | Reichlich Obst und Gemüse, frische Luft und viel Bewegung! So abgedroschen diese immer und immer wieder erteilten Ratschläge auch sein mögen: Wer sie beherzigt, hat faire Chancen ohne lästige grippale Infekte durchs Jahr zu kommen.

Nichtsdestotrotz machen Erwachsene zwei- bis viermal im Jahr eine Erkältung durch: Man fühlt sich abgeschlagen, hat Kopfschmerzen und Fieber. Ein Kitzeln in der Nase und Niesreiz kündigen den nahenden Schnupfen an. Im Allgemeinen erreichen die Beschwerden nach drei Tagen ihren Höhepunkt, nach einer Woche klingen sie wieder ab - mit oder ohne Arzt, mit oder ohne Medikamente.

Ruhe und Schonung wären in dieser Zeit für den Körper das Beste. Doch wenn Job oder Familie rufen, wichtige Termine einzuhalten sind und Hausmittel nicht weiterhelfen, dann führt der Weg häufig nicht ins Bett, sondern in die Apotheke. Und die pharmazeutische Industrie haut mächtig auf die Pauke: "Finden Sie hier Möglichkeiten zur wirksamen Bekämpfung von Erkältungsbeschwerden, damit Sie unbeschwerter durch den Tag und durch die Nacht kommen können. WICK bietet effektive Hilfe bei leidigen Erkältungsbeschwerden wie Schnupfen, Halsschmerzen, Husten sowie Kopf- und Gliederschmerzen", heißt es beispielsweise auf der Procter-&-Gamble-Webseite www.wick.de. Bayer Vital verspricht: "Sie sind privat und beruflich aktiv und können es sich nicht leisten, bei einer Erkältung lange Zeit auszufallen? Mit dem Erkältungsmittel Aspirin Complex bekommen Sie die unangenehmen Erkältungsbeschwerden wieder in den Griff. Es befreit bei Erkältung von Kopf-, Hals, Gliederschmerzen sowie Fieber und löst gleichzeitig bei Schnupfen die Blockade in der Nase. So können Sie Ihren Tag wieder aktiv gestalten."

Allerdings gibt es bis heute keinen Wirkstoff, der gleichzeitig alle typischerweise im Laufe einer Erkältung auftretenden Symptome beseitigt. Daher setzen die Pharmahersteller auf Kombinationspräparate, die häufig zwei oder drei Wirkstoffe enthalten. So stecken in den Wick DayMed Erkältungs-Kapseln für den Tag Paracetamol, um Fieber und Schmerzen zu lindern, Dextromethorphan, um den Hustenreiz zu blockieren, und Phenylpropanolamin, das gefäßverengend und somit abschwellend auf die Nasenschleimhaut wirkt und so für eine freie Nase sorgen soll.

Dass mit derartigen Kombinationen nicht zu spaßen ist, lassen schon die Altersbeschränkungen erahnen: Sie sind nicht für Kinder unter zwölf, teilweise auch nicht für Jugendliche unter 16 Jahren geeignet. Viele fixe Wirkstoffkombinationen haben erhebliche Nachteile: Die Zahl der Nebenwirkungen steigt mit der Anzahl der Wirkstoffe; durch Wechselwirkungen der Wirkstoffe untereinander verändert sich ihre Verteilung im Körper und die Wirkdauer; die jeweils sinnvollste Menge eines Wirkstoffs für einen Patienten wird nur erreicht, wenn auch die Dosierung der anderen Wirkstoffe verändert wird.

Paracetamol-haltige Kombinationspräparate bergen noch eine andere Gefahr: fatale Leberschäden durch Überdosierung. Denn der Schmerzwirkstoff und

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So haben wir getestet

Der Einkauf
In der Apotheke haben wir rezeptfreie Arzneimittel eingekauft, deren Name auf eine Anwendung bei grippalen Infekten hindeutet oder die als Anwendungsgebiet Fieber und/oder Schmerzen im Rahmen von Erkältungskrankheiten nennen.

Die Wirkstoffe
Keine Wirkung ohne Nebenwirkung: Unser wissenschaftlicher Berater Professor Manfred Schubert-Zsilavecz, Pharmazeutischer Chemiker an der Universität Frankfurt/Main, hat nach Studien zur Wirksamkeit der Präparate gefahndet und geprüft, welche unerwünschten Wirkungen die Einnahme nach sich ziehen kann.

Die Hilfsstoffe
Per Deklarationsprüfung haben wir nach umstrittenen und/oder bedenklichen Hilfsstoffen des Arzneimittels gesucht. Dazu zählen halogenorganische Verbindungen, Azo-Farbstoffe, Alkohol und Paraffine.

Die Bewertung
Umso schwerwiegender mögliche unerwünschte Wirkungen eines Arzneimittels sind, desto stärker die Abwertung. Hinweise zum Hilfsstoff Vitamin C auf der Verpackung haben wir als Weiteren Mangel abgewertet, der sich negativ auf das Testergebnis Pharmakologische Begutachtung auswirkt.

So haben wir getestet

Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz: "Kombinationspräparate müssen generell kritisch gesehen werden, da ihr Nutzen nicht belegt ist."