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12 gekühlte Gnocchi im Test

Jahrbuch für 2018
vom 19.10.2017

Gnocchi, gekühlt

Italien ist weit weg

Eine schnelle Mahlzeit versprechen Fertiggnocchi aus dem Kühlregal. Aber kann man sie auch bedenkenlos essen? Rundum empfehlen können wir nur die Gnocchi von Hilcona und Kaufland. Bio ist bestenfalls "gut", weil alle Marken zu viel Salz enthalten.

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19.10.2017 | Zugegeben, kaum jemand nimmt sich heute die Zeit und stellt Gnocchi noch aufwendig selbst her. Wie praktisch ist es da, dass Supermärkte und sogar Bio-Läden entsprechende Fertigprodukte anbieten. Verbraucher finden die Gnocchi in der Kühlung oder als Trockenprodukt im Pasta-Regal. Ebenfalls praktisch: Man braucht die fertige Kartoffelware nicht sofort in die Pfanne werfen. Selbst die gekühlten Produkte halten sich zwei bis drei Wochen im Kühlschrank.

Ein Nachteil sind natürlich die umfangreichen Plastikverpackungen, ohne die es bei Fertiglebensmitteln nicht geht und die die Müllberge weiter anwachsen lassen. Und wie steht um die Zutaten? Der Begriff "nach italienischer Art" macht schon klar, dass die Fertigrezeptur mit dem Original aus Italien wenig zu tun hat. Die Kartoffeln etwa kommen in Form von Flocken oder Stärke ins Produkt. Eier sind als Volleipulver zugesetzt. Fehlen noch Zusatzstoffe, ohne die es ebenfalls nicht geht. Emulgatoren etwa erhöhen die Belastbarkeit des Teigs für die maschinelle Verarbeitung. Säureregulatoren sorgen für einen genau eingestellten Säuregrad und Antioxidationsmittel stabilisieren die helle Kartoffelfarbe. Immerhin: Bio-Gnocchi kommen mit deutlich weniger Zusatzstoffen aus.

Wir haben zwölf gekühlte Fertiggnocchi in die Labore geschickt und unter anderem auf Pestizide und Mineralöl untersuchen lassen.

Das Testergebnis

Abgesehen davon, dass wir Fertiglebensmittel nicht so gern empfehlen, schneiden zwei Produkte mit "sehr gut" und sechs mit "gut" ab. Das Schlusslicht bildet mit einem "ausreichend" das Produkt einer großen deutschen Handelskette.

In den Rana Gnocchi, Freschi di Patate und den Gut & Günstig Gnocchi wies das Labor Chlorpropham nach. Das Mittel wird eingesetzt, um ein Auskeimen der Kartoffeln während der Lagerung zu unterbinden. Der Stoff ist jedoch alles andere als harmlos. So gilt Chlorpropham laut europäischem Gefahrstoffrecht als vermutlich krebsauslösend. Es kann zudem Atemwege und Haut reizen und baut sich obendrein nur sehr langsam ab. Das kann insbesondere die Anwender beeinträchtigen, da das Mittel im geschlossenen Kartoffellager versprüht wird. Aber auch Verbraucher sollten Rückstände möglichst nicht aufnehmen. Bio-Erzeuger setzen auf Alternativen, etwa das Reifegas Ethylen, das beispielsweise Äpfel natürlicherweise verströmen.

Alle Bio-Gnocchi und drei konventionelle Produkte enthalten zu viel Salz. Legt man die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für einen angemessenen Salzverzehr zugrunde, dann liefert eine Portion von 250 Gramm dieser Produkte schon mehr als die Hälfte der Menge, die Verbraucher pro Tag nicht überschreiten sollten. Zu viel Salz kann das Risiko für Bluthochdruck erhöhen. Nach der DGE sollte die Ernährung täglich höchstens sechs Gramm Salz enthalten. Tatsächlich liegt die durchschnittliche Salzaufnahme in Deutschland bei rund neun Gramm.

Kartoffeln können braun werden - das wissen alle, die die Knollen nach dem Schälen längere Zeit a

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Das Angebot an halbfrischen Pastavarianten im Kühlregal wächst unaufhörlich. Wir haben uns auf ungefüllte Gnocchi konzentriert und insgesamt zwölf Marken eingekauft. Vier Produkte stammen aus ökologischer Erzeugung.

Die Inhaltsstoffe
Kartoffeln, Weizenmehl, Grieß und Eier - das sind die wichtigsten Zutaten. Wir ließen die Produkte daher auf Pestizide, das Keimhemmungsmittel Chlorpropham und bedenkliche Schwermetalle prüfen. Des Weiteren interessierte uns der Salzgehalt. Gerade Hersteller von Fertiggerichten setzen die würzende Zutat oft allzu großzügig ein - ein Problem, da vorgefertigte Produkte immer häufiger verzehrt werden, was die ohnehin schon hohe durchschnittliche Salzaufnahme weiter steigern kann. Weil in der industriellen Produktion außerdem mit einem Eintrag von Mineralöl zu rechnen ist, wurden die Produkte auch auf diese Kontaminate untersucht. Die mikrobiologische Qualität war ein weiterer wichtiger Teil des Testprogramms.

Die Weiteren Mängel
Hier lag das Augenmerk vor allem auf freiwilligen Packungsangaben. Werben die Hersteller beispielsweise mit dem Hinweis "ohne Geschmacksverstärker", obwohl geschmacksverstärkende Zusatzstoffe für diese Produktgruppe gar nicht eingesetzt werden dürfen, ist das eine Werbung mit Selbstverständlichkeiten.

Die Bewertung
Am häufigsten kritisieren wir einen zu hohen Salzgehalt von mehr als der Hälfte der empfohlenen Tageshöchstmenge. Das werten wir als "erhöht" ab. Zu weiteren Notenabzügen führen die Funde des krebsverdächtigen Keimhemmungsmittels Chlorpropham und der Zusatz von allergieauslösenden Schwefelverbindungen. An den Verpackungsangaben haben wir nur wenig zu bemängeln.

So haben wir getestet

Die Herkunft der Eier geben alle Hersteller an. Gut so. Dann können sich Verbraucher bewusst für oder gegen ein Produkt entscheiden.

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