Startseite

Ratgeber Bauen, Wohnen, Renovieren 13:2011
vom

Akkubohrschrauber

Durch die Wand

Wer nur ab und an mal schraubt und bohrt, wird womöglich mit einer der günstigeren Maschinen froh. In unserem Test zeigt sich aber: Wer mehr investiert, bekommt auch ein besseres Gerät.

628 | 39
Zu diesem Thema ist ein neuer Artikel vorhanden.

06.05.2011 | Wer einmal den Absprung verpasst und sich nicht gleich als Kind schon ins Heimwerken einweisen lassen hat, holt das nicht so leicht wieder auf.

Unterricht bei einem neutralen Fremden kann da Erfolg bringen. Karin Fischer hat am "Grundkurs Heimwerken" der Kölner DIY(Do it yourself)-Academy teilgenommen und fühlt sich jetzt so richtig gut gerüstet: "Der Grundstein ist gelegt." Die 57-jährige kaufmännische Sachbearbeiterin will bald ihrer Schwester beim Renovieren helfen und plant, sich selbst einmal ein Haus zu kaufen, das sie dann in Eigenregie auf Vordermann bringen möchte. In der Werkstatt der Academy weisen Profis kleine Gruppen ins Tapazieren, Fliesenlegen und Verputzen ein - und vor allem auch ins "tägliche Brot" des Hobbyhandwerkers: den Umgang mit Elektrowerkzeugen.

"Das hat mir viele Aha­Effekte gebracht", erzählt Karin Fischer. "Zum Beispiel, dass ich den Bohrer weiterlaufen lassen muss, während ich ihn wieder aus der Wand ziehe, weil er sich sonst verkanten kann. Und welche Bohrer zu welchen Wandmaterialien und zu welchen Dübeln passen." Jeder in der Gruppe legte auch wirklich selbst Hand an und probierte aus, in den verschiedenen Materia­lien zu bohren. Für Karin ­Fischer eine besonders wichtige Erkenntnis: "Ich weiß jetzt, dass es zu Schrauben und Dübeln keine doofen Fragen gibt, sondern eben wirklich 150 unterschiedliche Varianten."

Ob Männlein, Weiblein, Anfänger oder Profi: Akkubohrschrauber gehören zum Basiswerkzeugpark - und wenn sie nur dazu dienen, Blasen an den Fingern beim ­Zusammenschrauben von Möbeln zu ersparen. Wir wollten wissen, welche Modelle empfehlenswert sind und haben Praxistauglichkeit und Materialqualität von sieben Geräten untersuchen lassen.

Das Testergebnis

Nicht immer eine Selbstverständlichkeit, aber in diesem Test ist es so: Die hochpreisigen Produkte sind besser als die preisgünstigen. Doch nur ein einziger schneidet insgesamt mit "gut" ab. Andere, ansonsten hochwertige Markenmodelle verderben sich ihr Gesamturteil durch Schadstoffe in den Griffen.

Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Viele Markenhersteller haben noch immer (preisgünstigere) Akkubohrschrauber mit Nickel-Cadmium-Akkus im Programm. Wir haben die umweltbelastende Technologie bewusst nicht mehr mit in den Test genommen, sondern ausschließlich Geräte mit modernen Lithium-Ionen-Akkus. Wir wählten die bei Heimwerkern beliebte Gruppe der 14,4-Volt-Geräte mit zwei Gängen aus. Anders als noch vor zwei Jahren bieten inzwischen auch die Baumarkteigenmarken überwiegend Lithium-Ionen-Geräte an. Die preisliche Spannbreite in diesem Test reicht von Baumarkteigenmarken für knapp 80 Euro bis hin zu Markengeräten für knapp 200 Euro.

Die Praxisprüfung
Einen besonderen Schwerpunkt haben wir auf die Qualität der Akkus gesetzt. Macht er schon nach ein paar Schrauben schlapp, und was ist von seiner Kapazität nach einigen Malen be- und entladen noch übrig? Neben Messwerten zu den Leistungen der Geräte war uns auch das Urteil von Menschen wichtig: Drei Experten vom VDE-Prüfinstitut Offenbach testeten für uns aus, ob das Schrauben und Bohren mit den Geräten ein Kraftakt ist oder gut von der Hand geht und ob die Einstellungen für Menschen mit unterschiedlich großen Händen leicht zu bedienen sind.

Die Materialprüfung
Dunkle Werkzeuggriffe sind wegen teils hoher Schadstoffbelastungen in Verruf geraten. Wir ließen die weichen Kunststoffe an den Griffen der Akkubohrschrauber auf Phthalatweichmacher und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) untersuchen. PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe in Steckern und Kabeln sind weiter ein Problem. In der Müllverbrennung können sich daraus gesundheitsschädliche Dioxine bilden. Auch der verbreitete Einsatz bromierter Flammschutzmittel auf Platinen ist problematisch für die Umwelt.

Die Bewertung
Schadstofffreie Werkzeuggriffe sind aus Sicht von ÖKO-TEST ein wichtiges Ziel. Doch wenn das Gerät nicht gut funktioniert oder ein elektrisches Sicherheitsrisiko darstellt, taugt der ganze Akkuschrauber nichts. Daher gewichten wir das Ergebnis der Praxisprüfung bei diesem Test höher als die Materialzusammensetzung. Von den Ergebnissen der Anwenderprüfung zählt das Schrauben in Holz, als häufigste Aufgabe eines Akkubohrschraubers, am stärksten und das seltener vorkommende Bohren in Stahl am wenigsten.

So haben wir getestet

Kraftprobe: Die Geräte wurden langsam bis fast zum Stillstand heruntergebremst und dabei das maximal erreichbare Drehmoment gemessen. Die Hersteller geben meist deutlich höhere Werte an. Diese beziehen sich auf den "harten Schraubfall", in dem das Gerät einer plötzlichen Vollbremsung unterzogen wird. Dieser Wert sagt weniger darüber aus, wie stark der Akkubohrschrauber beim Arbeiten wirklich ist.