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20 LED-Lampen im Test

Jahrbuch für 2018
vom 19.10.2017

LED-Lampen

Licht und Schatten

Retrofits, also LED-Lampen mit Schraubgewinde, haben die ersten Kinderkrankheiten hinter sich. Ihre Energieersparnis kann sich sehen lassen. Lichtqualität und Helligkeit sind aber noch verbesserungswürdig, wie unser Test zeigt.

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19.10.2017 | Von Zinnsoldaten über edle Kosmetikverpackungen hin zur Produktion von LED-Leuchtmitteln? Das gibt's. Um immer wieder am Markt zu bestehen, zeigte sich die 1830 als Zinngießerei in Marburg gegründete Firma Seidel wandlungsfähig. Als Aluminium zunehmend Zinn als Werkstoff ablöste, verlagerte der Hersteller sein Geschäft auf medizinisches Zubehör und später unter anderem auf Teile edler Parfümflakons und anderer Kosmetikverpackungen. Vorläufiger Schlusspunkt sind Lampen - made in Germany.

Dem Geschäftsführer und Inhaber der Firma, Dr. Andreas Ritzenhoff, ist auf der Messe Light & Building in Frankfurt quasi ein Licht aufgegangen. Er hat sich gewundert, warum die angebotenen LED-Lampen mit Aluminiumkühlkörpern so schwer waren: "Das können wir besser, das geht auch mit weniger Materialeinsatz" - davon war er überzeugt. So fing er an, sich mit einer für ihn neuen Technologie zu beschäftigen.

Sein Ziel ist eine materialeffiziente Massenfertigung von LED-Leuchtmitteln am Standort Deutschland - aus ökologischen Gründen. "Der internationale Schiffsverkehr ist einfach ein super Klimavergifter, der Millionen Tonnen CO2 produziert." Die Firma verwendet nun dünne gefaltete Bleche statt massive Alukörper. Dadurch, so Ritzenhoff, lassen sich bis zu 60 Prozent Gewicht und jährlich 260 Tonnen Aluminium einsparen.

LED-Lampen sind mittlerweile ein wichtiger Markt. Nicht jeder Verbraucher leistet sich gleich eine neue LED-Leuchte, also ein Gehäuse mit Leuchtmittel, das speziell für diese neue Technologie entwickelt wurde. Deshalb spielen weiterhin die sogenannten Retrofits mit herkömmlichen Schraubgewinden von Glühlampen eine große Rolle, die problemlos in die alten Fassungen eingeschraubt werden können. Nach dem Aus für die 60-Watt-Glühlampe 2011 wurden erst Energiesparlampen als Heilsbringer fürs Klima angepriesen. Mittlerweile spielen sie keine Rolle mehr, denn sie waren wirklich keine Alternative, wie ÖKO-TEST zeigte.

LED-Lampen haben generell eine höhere Lichtausbeute, eine längere Lebensdauer und können häufiger geschaltet werden. Sie werden sofort hell und enthalten kein giftiges Quecksilber. In unserem LED-Lampen-Test 2011 zeigten aber etliche Exemplare doch noch gewaltige Schwächen.

Deshalb wollte ÖKO-TEST wissen, wie gut, hell und haltbar die LED-Retrofits heute sind - vor allem jene, die unsere 60-Watt-Glühlampe ersetzen können. Wir schickten 20 nicht dimmbare Lampen mit warmweißem Licht in die Labore. Drei Lampen - eine mit Baubiologen "nach dem Vorbild der Sonne" entwickelte und zwei als "made in Germany" ausgewiesene - haben wir mitgetestet, auch wenn sie als weniger hell deklariert sind.

Das Testergebnis

Die LED-Lampen sind verglichen mit denen im Test 2011 deutlich besser. Keine ist überragend, die meisten sind "gut" oder "befriedigend". Denn im Detail gibt es schon Unterschiede zwischen den einzelnen Leuchtmitteln. Die meisten Filamentlampen mit "Leuchtfäden" überzeugen im Hinblick auf die Lichtausbeute und die Effizienz. Auch der Elektrosmog ist bei allen Produkten nicht mehr ganz so heftig. Drei Modelle verlieren jedoch frühzeitig mehr Helligkeit, als eigentlich erlaubt ist.

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
LED-Retrofits mit E27-Gewinde, die eine 60-Watt-Glühlampe ersetzen, warmweiß und nicht dimmbar, standen auf der Einkaufsliste. Unter den 17 Testprodukten finden sich die großen Marken Osram und Philips sowie Eigenmarken der Märkte. Im Gegensatz zur Formenvielfalt im letzten Test gibt es nur noch Lampen mit einer Kugelkalotte beziehungsweise mit der neuen Filament-Technologie. Außerdem testeten wir drei Lampen mit geringerer Helligkeit (600 Lumen), weil sie mit flimmerfreiem Licht oder "made in Germany" ausgelobt waren.

Licht und Energieeffizienz
Wir ließen drei Muster jedes Produkts fast ein halbes Jahr lang 3.000 Stunden mit An- und Ausschaltphasen brennen, um frühzeitigen Ausfällen und starken Helligkeitsverlusten auf die Spur zu kommen. Wie hell die Lampen leuchten, wurde nicht nur nach der offiziellen Methode in der Ulbrichtkugel gemessen, sondern auch praxisnah in einer Hängeleuchte. Außerdem ermittelten die Tester mit dem Abstrahlwinkel den Bereich, in dem die Lampen zumindest noch die Hälfte an Helligkeit bringen. Wir wollten auch wissen, wie farbtreu und flimmerfrei das Licht ist.

Elektrosmog
Wo Strom fließt, entstehen elektrische und magnetische Felder. Also auch bei Lampen. Bei solchen mit aufwendiger Elektronik sind sie oft stärker als bei Glühlampen. Gemessen wurde, welche Felder an der Lampe entstehen und ob sie einigermaßen "sauber" sind oder durch Störfrequenzen und Oberwellen verschmutzt. Vergleichsbasis ist das TCO-Prüfsiegel für Computerbildschirme.

Die Bewertung
Das A und O für Lampen ist das Licht, weshalb dieses Teilergebnis am stärksten gewichtet wird. Lampen, bei denen die Helligkeit nach 3.000 Stunden so stark abnahm, dass die Werte unter die gesetzlichen Anforderungen rutschten, werden deutlich abgewertet und können am Ende nicht besser als "ausreichend" beziehungsweise "mangelhaft" sein. Die Testergebnisse Energieeffizienz, Elektrosmog und Weitere Mängel gehen gleichgewichtet in das Ergebnis ein. Das Gesamturteil kann jedoch nicht besser sein als die Testergebnisse Licht oder Energieeffizienz.

So haben wir getestet

In der Ulbrichtkugel wurde die Helligkeit der Lampen nach Norm geprüft

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Bestellnummer: J1710
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