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11 Gartenmöbel aus Tropenholz im Test

Aus welchem Holz bist du geschnitzt?

ÖKO-TEST Juni 2012 | Kategorie: Bauen und Wohnen | 25.05.2012

11 Gartenmöbel aus Tropenholz im Test

Darf man Gartenmöbel aus Tropenholz kaufen oder fördert man dadurch die Zerstörung des Regenwaldes? Unser Test von elf Produkten versucht, diese Frage zu klären - und liefert eine Antwort.

Wie es duftet. Wie warm es sich anfühlt. Und wie Teakholz, wenn es etwa zum traditionellen Deck-Chair verarbeitet ist, Eleganz, Prunk und Pracht berühmter Luxusschiffe in den heimischen Garten zaubert. "Es wird viel experimentiert - mit Aluminium, Edelstahl, keramischen Tischplatten, Glas", weiß Martin Marx, Prokurist beim bekannten Gartenmöbelanbieter Weishäupl. "Aber bei all den Experimenten werden nach wie vor klassische Gartenmöbel gekauft." Und klassisch heißt oft auch: aus Tropenholz.

Für die Kritiker ist allerdings klar: Die Nutzung von Tropenhölzern zerstört entweder naturnahe Wälder oder erfolgt auf künstlichen Riesenplantagen, in denen Pestizide gespritzt werden, um diese Monokulturen vor Schädlingen zu schützen. Der Verkauf und Kauf von Produkten aus Tropenholz heißt für sie Umweltzerstörung, Ausbeutung und Verdrängung der Ureinwohner sowie Klimaerwärmung durch Vernichtung der gewaltigen CO2-Speicher, die Tropenwälder bekanntlich sind. Es ist den Kampagnen der großen Umweltverbände zu verdanken, dass Tropenholz lange Zeit einen äußerst schlechten Ruf hatte. Das spürten immer mehr Unternehmen in immer mehr Ländern. Deshalb begannen Holzhändler, ihre Produkte mit Aussagen über deren Umweltqualität aufzupeppen. Eine vom WWF in Auftrag gegebene Studie ergab damals, dass von mehr als 600 Firmen, die den Anspruch auf ‚Nachhaltigkeit' erhoben hatten, nur die Hälfte diesen Anspruch auf Anfrage bekräftigten. Nach detaillierteren Recherchen bei 80 Händlern konnten nur drei ernsthafte Ansätze vorweisen. Keine der Firmen war in der Lage, die Herkunft ihres "nachhaltigen" Produktes vollständig zu klären.

Daher entwickelten Umweltschützer, Holzhändler und Menschenrechtsorganisationen die Idee zum Aufbau eines unabhängigen Zertifizierungssystems. So entstand im Jahr 1993 das Forest Stewardship Council (FSC). Von vornherein sollte dabei grundsätzlich die Beteiligung aller Interessengruppen wie Vertreter der Holzwirtschaft, der Umwelt- und Sozialverbände und von indigenen Völkern garantiert sein. Die FSC-Standards sind weltweit für alle Waldtypen gültig und sollen in einem fortlaufenden Prozess weiterentwickelt werden.

Heute ist das FSC-Siegel ein etabliertes Zertifikat. Es prangt auf Büchern, Getränkekartons, Recyclingpapier - und eben Gartenmöbeln. Ein FSC-Siegel erhalten nicht nur Produkte, die zu 100 Prozent aus zertifiziertem Holz bestehen, wie etwa Gartenmöbel, sondern auch Produkte, in denen Anteile aus zertifiziertem Holz und legal geschlagenem, aber nicht zertifiziertem Holz enthalten sind. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz schreibt in seiner begleitenden Erklärung zu den Regeln für die Beschaffung von Holzprodukten durch den Bund, dass das FSC-Zertifikat neben dem PEFC-Zertifikat ein glaubwürdiges Zertifikat für Nachhaltigkeit ist. Die vielen Kritiker von FSC beeindruckt das allerdings nicht. Vom PEFC halten sie - zu Recht - überhaupt nichts (siehe PEFC und FSC im Vergleich).

Das FSC-System wiederu


Gartenmöbel aus Tropenholz: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Stapelstuhl Bora Java Exclusiv, Teak massiv, mit Armlehne
  • MBS

Four Season 2-Sitzer Bank aus Shorea-Holz FSC, geölt
  • Hornbach

Max Bahr Stapelsessel Java, Teak
  • Max Bahr

Sonnen Partner Beistelltisch Squareside Teakholz
  • Sonnen Partner

Fischer's Stuhl Johannson Teak aus Java
  • Udo Fischer

Stapelstuhl Andalusien FSC, 2 Stück
  • Zeus/Hagebau

Sunfun Elena Roll-Liege, FSC Teak-Holz
  • Bahag (Bauhaus)

Toom Garten Bank Nina mit Armlehnen, vorgeöltes Hartholz FSC
  • Toom-Baumarkt

Kettler Yukon Tisch, Teak
  • Kettler

Bank Madagaskar 220 cm Teakholz alt & recycled
  • Holzland Becker

Garpa Chelsea Stapelstuhl, Teak
  • Garpa

11 Gartenmöbel aus Tropenholz im Test
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ÖKO-TEST Juni 2012 Seite 118
ÖKO-TEST Juni 2012 Seite 119

12 Seiten
Seite 108 - 119 im ÖKO-TEST Juni 2012
vom 25.05.2012
Abrufpreis: 1,00 €

Testverfahren

So haben wir getestet

Einkauf

Wir haben elf Gartenmöbel, die als Tropenholz deklariert waren, in Baumärkten gekauft und im Internethandel bestellt. Mit dabei sind Stühle, Tische, Liegen und Bänke. Wir besorgten mit dem FSC-Siegel gekennzeichnete Ware und solche ohne Siegel. Mit dabei ist ein Stapelstuhl von Garpa für 390 Euro, aber auch eine günstige Zweisitzerbank von Hornbach für 79,95 Euro.

Inhaltsstoffe

Holz ist ein Naturprodukt, das häufig noch behandelt wird. Deshalb haben wir die Möbel auf problematische Holzschutzmittel sowie Schwermetalle und Weichmacher untersuchen lassen, die in Lasuren oder Imprägnierungen bei der Holzbearbeitung zum Teil eingesetzt werden. Auch ist es ärgerlich, wenn das gekaufte Teakholzmöbel über Jahre dem Regen trotzt, die schöne silbergraue Patina annimmt, aber nicht legierte Metallteile für hässliche braune Streifen am Möbel sorgen, wenn der Regen den Rost der Schrauben in das Holz wäscht. Ein Labor prüfte deshalb alle verarbeiteten Metallteile auf Rostschutz.

Bestimmung der Holzart

Wer für ein FSC-Möbel, das aus Teakholz sein soll, Geld ausgibt, glaubt auch, ein hochwertiges Produkt zu erhalten. Doch Betrügereien auf dem Holzmarkt sind keine Seltenheit. Deshalb haben wir das Holz der Testprodukte bestimmen lassen.

Waldwirtschaft und Transparenz

Wir haben den Anbietern der Gartenmöbel aus Tropenholz einen Fragebogen zugeschickt. Wir wollten wissen, aus welchem Land das verarbeitete Holz stammt und aus welcher Waldformation. Und uns interessierte natürlich auch, ob das Holz aus einer kontrollierten Waldwirtschaft und einem kontrollierten Holzeinschlag stammt. Wir fragten auch nach Dokumenten, die die gemachten Antworten belegen können.

Bewertung

Umweltverbände, Forstexperten und Kritiker der Holzzertifizierungssysteme, sofern sie diese nicht völlig ablehnen, sind sich einig: Die Voraussetzung, um überhaupt über die Nachhaltigkeit eines Tropenholzproduktes nachzudenken, ist ein FSC-Zertifikat. FSC fordert und überprüft eine kontrollierte Waldwirtschaft. Und in vielen Fällen stellt sie die auch sicher. Deshalb werten wir Produkte ohne FSC-Zertifikat ab. Aber Verbraucher haben auch ein Recht darauf, zu erfahren, aus welchem Land und welcher Waldformation das verarbeitete Holz stammt. Da das FSC-System hier nachbesserungsbedürftig ist, konnte es auch für FSC-zertifizierte Produkte Punktabzug geben. Möbel aus Tropenholz sollen schadstofffrei sein und aus einer kontrollierten Waldwirtschaft kommen - Inhaltsstoffe und Waldwirtschaft sind gleich wichtig. Deshalb kann das Gesamturteil nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis.

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Erschienen am 25.05.2012

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