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14 Badefarben und Malseifen im Test

ÖKO-TEST Januar 2016
vom 28.12.2015

Badefarben und Malseifen

Alles so schön bunt hier?

Es zischt, sprudelt und färbt das Wasser. Blau für kleine Piraten, Pink für Prinzessinnen. Sind Badefarben, Malseifen und andere Kinder-Spaßbäder Anreize für Bademuffel oder völlig überflüssig? Im Test zeigt sich: Sie verfärben die Fugen - und in zwei Produkten stecken Formaldehyd/-abspalter.

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28.12.2015 | Ich will aber nicht!" Viele Eltern kennen das: Das Kind möchte partout nicht in die Wanne. Selbst wenn es sonst gerne badet, ausgerechnet heute, da es mal wieder an der Zeit wäre oder ein Familienfest ansteht - es hat einfach keine Lust auf Nass. Halb ausgezogen steht es an der vollen Wanne, wirft einen prüfenden Blick ins Wasser, rümpft die Nase und wiederholt hartnäckig: "Ich will aber nicht!"

Eltern sollten sich deshalb keine Sorgen machen. In den seltensten Fällen ist die Ursache für die Weigerung eine spezifische Phobie, eine Angst vor Wasser. Vielleicht will das Kind nur deshalb nicht, weil gerade sowieso alles viel zu stressig ist oder es einfach Lust hat, im Kinderzimmer weiterzuspielen. In der Regel lieben Kinder es nämlich zu baden. Meist braucht es auch gar nicht viel Überzeugungskünste. Die Badewanne verwandelt sich ohnehin schnell in eine aufregende Spielwelt: Quietscheentchen, Tauchtier, Spielboot, Spritzpistole, Playmobilfiguren - alles kommt mit rein.

Seit einigen Jahren gibt es überdies Produkte auf dem Markt, die den Kindern das Baden noch schmackhafter machen sollen. Sie färben das Wasser meeresblau, auf dass kleine Piraten in der Wanne auf Kaperfahrt gehen können, oder in ein rosa Prinzessinnenbad. "Wie von Zauberhand verwandelt sich das Badewasser in eine lustig-bunte Erlebniswelt", lautet das Versprechen auf der Verpackung der Saubär Badefarbe. "Das sanft duftende Wasser färbt sich anfangs korallrot, um nach einiger Zeit violett zu werden. So tauchen selbst kleine Bademuffel gerne in die Fluten", wird Lüttes Welt Magische Badewasserfarbe Kleine Nixe beworben. Oft wird den Kindern gleich noch per Packungsaufdruck eine Geschichte mit geliefert, von Helden, die "Tops, Taps und Tipsi, die planschverrückten Tintenfische" (Tinti Badewasserfarben) oder "Fee Bella Mariella und ihre Freundin Fini" (Lüttes Welt) heißen.

Mittlerweile gibt es eine kaum noch zu überschauende Produktpalette an Spaßbädern, die sich in der Regel an Überdreijährige richtet: Malseifen aus der Tube, Farbtabletten zum Auflösen, Seifenknete, Malstifte, Badekonfetti, quietschbunter Waschschaum, brauseartige Sprudel- und Knisterbäder, glitschige Wackelseifen und sogar Pulver, die das Wasser in einen bunten Schleim verwandeln.

Viele Eltern bieten solche Produkte meist zu bestimmten Anlässen an - zur Belohnung, zum Trost, oder wenn mal ein ganz besonderer Tag ist. Zur Regel sollten die farbenfrohen, spaßigen Beigaben auch gar nicht werden. Es gibt genügend herkömmliche Badezusätze, die die eigentliche Funktion des Badens - die Reinigung und Pflege des Körpers - voll und ganz erfüllen. Mit Spielzeug in der Wanne ist der Spaß auch damit garantiert.

Zudem haben die Produkte einen negativen Nebenaspekt: Seife ist kein Spielzeug. Oft müssen Eltern das ihren Kindern klarmachen, wenn der Nachwuchs mal wieder am Waschbecken steht und minutenlang fröhlich die Seife aufschäumt. Abgesehen von dem sinnlosen Verbrauch an Rohstoffen kommt noch die Belastung für die Umwel

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Knistern, Sprudeln, Schäumen: Spaßbäder für Kinder gibt es in allen möglichen Variationen. Wir haben uns auf Badefarben konzentriert, die als Tablette oder Granulat dem Wasser zugegeben werden, sowie auf Produkte, bei denen das Malen im Vordergrund steht: flüssige Malseifen aus der Tube sowie Stifte oder speziell fürs Baden gedachte Fingerfarben aus Töpfen zum Bemalen von Körper, Kacheln und Wanne.

Die Inhaltsstoffe
In den Produkten können bedenkliche Zutaten stecken wie allergene Duftstoffe und Moschus-Verbindungen, die sich im Fettgewebe anreichern. Hinzu kommen Parabene, die unter Hormonverdacht stehen, sowie krebsverdächtige Formaldehyd/-abspalter. Auf all diese Inhaltsstoffe haben die von uns beauftragten Labore untersucht.

Der Praxistest
Alles so schön bunt hier! Das wünschen sich die Eltern nur so lange ihre Kinder im Bad an ihren Kunstwerken arbeiten. Ob sich die Farbrückstände tatsächlich, wie es die Anbieter versprechen, nach dem Spaß einfach mit Wasser abspülen lassen, ließen wir in einem Praxistest überprüfen. Das beauftragte Labor testete an drei Arten von Flächen: an Emaille, Silikon und Fugenzement, jeweils nach 30 Minuten Einwirkzeit und jeweils ohne und mit Badezusatz. Denn Kinder verlangen oft, dass auf das bunte Wasser noch Schaum soll. Oder das Shampoo sorgt für zusätzlichen Schaum. Beobachtungen im Labor sowie Kundenbewertungen im Internet zeigten, dass sich vor allem die Rückstände von Rot schwer wieder abwaschen lassen, weshalb wir diese Farbe prüften. Gab es das jeweilige Produkt nicht in Rot, wurden Lila oder Pink getestet.

Die Bewertung
Inhaltsstoffe, die Allergien auslösen können, hormon- oder gar krebsverdächtig sind, haben generell in Kosmetika nichts verloren - erst recht nicht in Produkten für Kinder. Für solche Substanzen verteilten wir Minuspunkte. Abwertungen gab es auch, wenn sich die Farbrückstände nur schlecht wieder beseitigen ließen. Da auch Eins-A-Inhaltsstoffe kein Grund zur Freude sind, wenn das Bad hinterher farbig gesprenkelt ist, kann das Gesamturteil nicht besser sein als das schlechtere der beiden Testergebnisse Inhaltsstoffe und Praxistest.

So haben wir getestet

Schön rot: Im Praxistest ließen wir überprüfen, wie gut sich die Farbrückstände wieder abspülen lassen.