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16 Schönheitspillen im Test

ÖKO-TEST Jahrbuch Kosmetik für 2013
vom 09.11.2012

Schönheitspillen

Pille-palle

Klar wird man vom Pillenschlucken nicht schön. Aber vielleicht helfen die Mittel ja, dem Körper wichtige Nährstoffe für Haut, Haare und Nägel zuzuführen? Wir haben sogenannte Schönheitspillen näher unter die Lupe genommen.

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09.11.2012 | Schönheit ist nach drei Tagen genauso langweilig wie Tugend, hat George Bernard Shaw einmal gesagt. Nichtsdestotrotz betreibt der Mensch viel Arbeit an seiner Fassade. Die Industrie bietet eine ganze Reihe Produkte an, von denen die Hersteller behaupten, sie seien gut für Haut, Haare und Nägel, gelegentlich fürs Bindegewebe oder die Knochen gleich mit.

ÖKO-TEST hat 14 Nahrungsergänzungsmittel und zwei traditionelle Arzneimittel eingekauft. Auf allen Verpackungen oder Infobeilagen versprechen die Anbieter, dass die Mittel für Haut, Haare und Nägel gut seien, bei unreiner Haut helfen oder für schöne Haut von innen sorgen.

Das Testergebnis

Alle Produkte schneiden mit "mangelhaft" oder gar "ungenügend" ab.

Die beiden traditionellen Arzneimittel im Test sind reine Kieselerdepräparate mit gleichlautendem Anwendungsgebiet: "Traditionell angewendet zur Vorbeugung von brüchigen Fingernägeln und Haaren, zur Kräftigung des Bindegewebes." Und weiter: "Diese Angaben beruhen ausschließlich auf Überlieferung und langjähriger Erfahrung." Und genau da liegt das Problem, denn tatsächlich gibt es für Kieselerde keine wissenschaftlich belegte therapeutische Wirkung.

Kieselerde, die vor allem aus Kieselschalen abgestorbener Algen gewonnen wird, besteht hauptsächlich aus Kieselsäure und enthält damit Silicium. Allerdings ist bis heute nicht bestätigt, ob das Spurenelement für den Menschen überhaupt essenziell ist und welche funktionelle Rolle es spielt. Obgleich Siliciummangel immer wieder mit Haarausfall, Nagelbrüchigkeit und Bänderbeschwerden in Verbindung gebracht wird, stammen entsprechende Zusammenhänge bislang nur aus tierexperimentellen Untersuchungen.

In den Nahrungsergänzungsmitteln wird nicht nur auf Kieselerde gesetzt, sondern auch auf Biotin, Zink oder Bierhefe, häufig in Kombination miteinander oder mit weiteren Vitaminen, Mineralstoffen und Pflanzenauszügen. Nur: All diese Inhaltsstoffe haben in Form von Nahrungsergänzungsmitteln keine gesicherten Effekte bei Haut-, Haar- und Nagelveränderungen. Bierhefe entpuppt sich bei näherem Hinsehen nicht nur als ungünstig zusammengesetzte, sondern auch als recht dürftig dosierte Nährstoffmischung. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass von den Biolabor Bierhefe Tabletten 10 bis 15 Tabletten pro Tag zu schlucken sind.

Biotin und Zink sind nur sinnvoll - und dann auch effektiv - bei krankhaften Veränderungen der Haut, deren Ursache vom Arzt abzuklären ist. Liegt tatsächlich ein Biotin- oder Zinkmangel vor, kann mit entsprechend hoch dosierten Arzneimitteln therapiert werden. Allerdings ist laut Bundesinstitut für Risikobewertung "die deutsche Bevölkerung ausreichend mit Biotin versorgt" und Zinkmangel hierzulande selten.

Etliche Präparate sind anscheinend nach dem Gießkannenprinzip mit weiteren Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen aufgepeppt, die aber ebenfalls bei Haut, Haaren und Nägeln keine Wirkung erzielen und deshalb schlicht als überflüssig anzusehen sind. Überschreiten die

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Ungefähr mit 30 haben Haut, Haare und Nägel ihren Zenit überschritten - die Alterung setzt ein und schreitet individuell unterschiedlich schnell fort. Wer würde diesen unumkehrbaren Prozess nicht zumindest verlangsamen wollen? Wir haben daher unter anderem in Apotheken, Drogerien, Reformhäusern und beim Discounter Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel eingekauft, die Gutes für glatte Haut, glänzendes Haar und feste Fingernägel versprechen. Im Gegensatz zu früheren Tests haben wir diesmal auf reine Biotinpräparate, die als Arzneimittel zugelassen sind, verzichtet. Sie sollten der Behandlung eines nachgewiesenen klinischen Biotinmangels vorbehalten bleiben.

Die Begutachtung
Unser wissenschaftlicher Berater, Professor Manfred Schubert-Zsilavecz, hat geprüft, ob sich aus der vorhandenen wissenschaftlichen Literatur tatsächlich ein Nutzen der maßgeblichen Inhaltsstoffe von Nahrungsergänzungsmitteln auf das Erscheinungsbild von Haut, Haaren und Nägeln ableiten lässt. Bei den Arzneimitteln ging es um die Frage der Wirksamkeit für das beanspruchte Anwendungsgebiet.

Inhaltsstoffe und Deklaration
Die Nahrungsergänzungsmittel im Test setzten vor allem auf Biotin, Zink, Kieselerde und/oder Bierhefe. Einige Anbieter meinten es besonders gut und rundeten ihre Tabletten und Kapseln noch mit weiteren Vitaminen und Mineralstoffen ab. Mangels gesetzlicher Vorgaben für Höchstmengen von Vitaminen und Mineralstoffen in Nahrungsergänzungsmitteln haben wir geprüft, ob die Hersteller wenigstens die entsprechenden Empfehlungen für Höchstmengen und Altersbeschränkungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) beherzigten.

Die Bewertung
Im Vordergrund stand für uns, ob von den Produkten aufgrund ihrer Zusammensetzung ein Nutzen für Haut, Haare und Nägel zu erwarten ist. Nicht ausreichende Nutzenbelege für Nahrungsergänzungsmittel werteten wir ebenso rigoros ab wie unzureichende Wirksamkeitsbelege für Arzneimittel. In diese Bewertung sind die gesundheitsbezogenen Aussagen eingeflosssen - unabhängig davon, dass viele von ihnen derzeit noch von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit geprüft werden.

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