Apothekenkosmetik im Test: Wie gut sind die Produkte wirklich?

ÖKO-TEST Jahrbuch Kosmetik für 2013 | Autor: Redaktion | Kategorie: Kosmetik und Mode | 09.11.2012

Apothekenkosmetik im Test: Gesichtscremes, Körperlotionen, Waschgele und -schäume.
Foto: Gorodenkoff/Shutterstock

Apothekenkosmetik genießt den Ruf, gut verträgliche Inhaltsstoffe zu enthalten. Doch was ÖKO-TEST seit Jahren kritisiert, zeigt sich auch in diesem Test: Bei vielen Produkten lässt die Qualität zu wünschen übrig.

Aktualisiert am 09.11.2012 | Apotheken bieten eine große Auswahl an Kosmetikprodukten an. Um herauszufinden, welche Apothekenkosmetik wirklich gut ist und für welche Produkte man das Geld lieber gleich sparen sollte, hat ÖKO-TEST 38 Gesichtscremes, Körperlotionen, Waschgele und -schäume im Labor auf ihre Inhaltsstoffe untersuchen lassen.

Apothekenkosmetik im Test: Das Ergebnis 

Das Testergebnis: Das Image ist häufig besser als der Inhalt. Bei den Gesichtscremes fällt knapp ein Drittel der getesteten Produkte mit "mangelhaft" und "ungenügend" durch. Nicht viel besser ist das Ergebnis für die Körperlotionen. Nur in der Kategorie Gesichtsreinigung gibt es eine größere Auswahl an empfehlenswerten Produkten. Was ist ansonsten aufgefallen? 

  • Zweimal die Note sechs für eine bekannte Marke: Sowohl die Feuchtigkeitspflege als auch die Körpermilch der Marke enthalten aber eine Reihe von problematischen Inhaltsstoffen. In beiden Produkten stecken unter anderem polyzyklische Moschus-Verbindungen, die sich im menschlichen Fettgewebe anreichern.
  • Neun der zwölf Produkte zur Gesichtsreinigung können wir empfehlen. Größter Ausreißer nach unten ist hier ein Reinigungsgel, das künstlichen Moschus-Duft und die halogenorganische Verbindung Chlorphenesin enthält, die als allergieauslösend gilt.
  • Duftstoffe sind in Apothekenkosmetik offenbar eher selten ein Problem. Nur für eine Körperpflege gibt's Punktabzug, weil sie Lyral enthält, das häufig Allergien auslöst.

Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Magazin 9/2012 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch Kosmetik für 2013 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

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Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Der Einkauf: Ob unrein, trocken oder empfindlich - in Apotheken gibt es eine große Auswahl an speziellen Produkten für die Haut. Besonders gefragt sind Pflege- und Reinigungsprodukte für das Gesicht, aber auch Körperlotionen werden gerade von Menschen mit Hautproblemen häufig in der Apotheke gekauft. Daher haben wir insgesamt 38 Produkte aus diesen Kategorien für unseren Test ausgewählt. Natürlich durften Marken wie Vichy und Eucerin, Marktführer im Apothekenmarkt, nicht fehlen. Aber auch französische Luxusmarken wie Caudalie und Lierac, die seit einigen Jahren auf den Markt drängen, haben wir eingekauft. Marken, die nicht nur in der Apotheke, sondern auch im Drogeriemarkt oder im Naturkosthandel zu finden sind, wurden nicht berücksichtigt.

Die Inhaltsstoffe: Alle Produkte, die Parfüm enthalten, wurden einer umfassenden Duftstoffanalyse unterzogen. Waschgele und -schäume, die auf der Basis von PEG/PEG-Derivaten hergestellt sind, ließen wir auf Dioxan-Rückstände untersuchen. Denn zur Herstellung dieser waschaktiven Substanzen wird giftiges Ethylenoxid verwandt. Dabei können Verunreinigungen von krebsverdächtigem Dioxan im Kosmetikmittel zurückbleiben. Auch Konservierungsmittel umfasste das Prüfprogramm. Formaldehyd/-abspalter, halogenorganische Verbindungen und Methylisothiazolinon beispielsweise sollen Kosmetika vor Keimbefall schützen, können aber auch Allergien auslösen.

Die Bewertung: Wer eine empfindliche Haut hat, sucht Pflege- und Reinigungsmittel nach den Inhaltsstoffen aus. Mehr als die Hälfte der Kosmetikprodukte aus der Apotheke in unserem Test enthält PEG/PEG-Derivate. Weil sie die Haut für Fremdstoffe durchlässiger machen können, bewerten wir sie in Cremes und Lotionen, die auf der Haut bleiben, strenger als in Waschgelen und -schäumen, die wieder abgewaschen werden. Bei Substanzen wie Formaldeyd/-abspaltern machen wir diesen Unterschied nicht, Formaldehyd gilt als krebsverdächtig.

Bewertungslegende 

Zur Abwertung um vier Noten führt: Formaldehyd/-abspalter. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) halogenorganische Verbindungen; b) PEG/PEG-Derivate in Produkten, die auf der Haut bleiben; c) polyzyklische Moschus-Verbindungen (künstlicher Moschus-Duft); d) der bedenkliche UV-Filter Ethylhexyl Methoxycinnamate. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) der deklarationspflichtige Duftstoff Lyral, der Allergien auslösen kann; b) PEG/ PEG-Derivate in Produkten, die abgewaschen werden; c) die bedenklichen Parabene Propyl-/Butylparaben und/oder Isobutylparaben; d) mehr als ein Prozent Paraffine/Erdölprodukte/apolare Silikonverbindungen; e) mehr als 10 mg/kg Diethylphthalat; f) mehr als 10 mg/kg Methylisothiazolinon.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: ein Produkt, das als "nicht komedogen" beworben wird, aber die komedogene Substanz Isopropyl Myristate enthält. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Umkarton, der kein Glas schützt; b) PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe in der Verpackung.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder schlechter ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.

Testmethoden 

Deklarationspflichtige Duftstoffe/Nitromoschus-Verbindungen/polyzyklische Moschus-Verbindungen/Diethylphthalat: Deklaration und/oder Extraktion mit TBME, GC-MS. Formaldehyd/-abspalter: Saure Wasserdampfdestillation, Derivatisierung mit Acetylaceton, Ausschütteln mit n-Butanol und Bestimmung mittels Fotometrie. Methylisothiazolinon: Extraktion mit Essigsäure/Methanol (80/20) mit anschließender Bestimmung an der LC-MS/MS. Halogenorganische Verbindungen (falls nicht deklariert): a) Wasserdampfdestillation, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; b) Reinigung der Proben mit Kieselgel, Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. Parabene: Deklaration und/oder HPLC-DAD sowie LC-MS/MS. Paraffine/Erdölprodukte/apolare Silikonverbindungen: Deklaration und/oder HPLC/RI. PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: Mai – Juni 2012

Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Magazin 9/2012 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch Kosmetik für 2013 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

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