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10 Kinderbetten im Test

ÖKO-TEST Juli 2016
vom 30.06.2016

Kinderbetten

Geregelter Schlaf

Sicherheit geht vor, das verlangt schon die Norm. An der orientieren sich die meisten Hersteller von Kinderbetten, wie unser Test zeigt. Fast alle überzeugen in puncto Sicherheit. Allerdings lässt die Verarbeitung bei einigen zu wünschen übrig. Und ein Bett ist erheblich mit Schadstoffen belastet.

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30.06.2016 | Für die Sicherheit gibt es ein genaues Maß. Es beträgt 45 Millimeter. So gering sollte der Abstand zwischen zwei Gitterstäben eines Kinderbetts mindestens sein, damit das Baby nicht seinen Kopf hindurchstecken und womöglich hängen bleiben kann. Das gibt die zuständige Norm DIN EN 716 vor. Auch das Höchstmaß, wie weit die Holzlamellen im Seitengitter auseinandergebogen werden dürfen, wenn das Baby oder Kleinkind einmal versuchen sollte, seine Arme, Beine oder seinen Kopf hindurchzuzwängen, ist darin festgelegt: Der Abstand zweier Bauteile oder der Durchmesser von Öffnungen in einem Kinderbett darf selbst unter Belastung 65 Millimeter nicht überschreiten.

So weit die gute Nachricht. Die schlechte: Hersteller sind nicht zur Anwendung von DIN-Normen verpflichtet. Es sei denn, der Gesetzgeber hat ihre Einhaltung für eine bestimmte Produktgruppe zwingend vorgeschrieben - was bei Kinderbetten nicht der Fall ist. Aber: Die Produzenten orientieren sich meist an den DIN-Normen. Schon alleine deshalb, da sie so in juristischen Auseinandersetzungen korrektes Verhalten besser nachweisen können. "Die Norm gibt ihnen Rechtssicherheit", erklärt die für den Fachbereich Möbel zuständige Projektmanagerin im Institut für Normung (DIN), Irina Darian.

Sie gibt Einblick in die Arbeit des DIN-Ausschusses "Holzwirtschaft und Möbel", der mit seinem Arbeitsausschuss "Anforderungen an Kindermöbel" zuständig für die Sicherheit von Kinderbetten ist. Hier werde diskutiert, ob das geforderte Maß der Abstände von Gitterstäben geändert werden soll oder ob sich ein Kind am Bett irgendwo verfangen kann. "Ziel ist immer, mehr Sicherheit herzustellen", so Darian.

Einer der Mitglieder im Arbeitsausschuss ist Felix Scharnagl, Möbelexperte des TÜV Rheinland. Er überarbeitet derzeit mit anderen Experten die seit 2013 gültige Version der Norm zur Sicherheit von Kinderbetten, deren Ursprung im Jahr 1975 liegt. "Mit der Veröffentlichung der Neufassung ist Ende 2016 zu rechnen", prognostiziert Scharnagl. Seine Arbeitsgruppe reagiere auf neue Entwicklungen, Trends, Risiken und konkrete Unfälle. "Wir haben zum Beispiel den Eindruck, dass Reisekinderbetten immer mehr als normale Betten eingesetzt werden", nennt Scharnagl ein Beispiel. "Das stellt ganz andere Anforderungen."

Obwohl es seit mehr als 40 Jahren Normen für Kinderbetten gibt, ist diese Marktbeobachtung dringend nötig. Denn auch in Deutschland treten immer wieder Sicherheitsmängel auf. So musste erst im April 2016 die Firma Roba ein Beistellbett zurückrufen. Die Lamellen des Seitengitters konnten leicht brechen oder sich aus der Verankerung lösen. Es bestand die Gefahr, dass sich ein Kleinkind Verletzungen an den Splittern zuzieht oder es den Kopf in der entstandenen Lücke einklemmt. Das Bett genügte nicht den Anforderungen der DIN EN 716.

Wie wichtig die Norm ist, verdeutlicht auch Norbert Vogt von der Uni Kiel, der für ÖKO-TEST die Kinderbetten einer Praxisprüfung unterzog. Er wirkt wie Scharnagl im DIN-Arbeitsausschuss mit

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Wir haben zehn Kinderbetten meist in der hierzulande gebräuchlichsten Größe von 140 mal 70 Zentimeter eingekauft, das günstigste kostete 119 Euro, das teuerste 499 Euro. Alle Testmodelle sind sogenannte mitwachsende Betten, also mit höhenverstellbarer Bodenplatte. Fast alle lassen sich später von einem Kleinkindbett in ein Juniorbett umbauen. Sieben Modelle besitzen aus dem Seitengitter herausnehmbare Sprossen.

Die Praxisprüfung
Kinderbetten müssen einiges aushalten. Sobald die Kleinen sich aufrichten können, springen sie zum Spaß auch mal auf der Matratze herum oder zerren an den Gitterstäben. Das von uns beauftragte Praxislabor überprüfte die Sicherheit der Betten, ob sie den Anforderungen der Norm DIN EN 716:2013 entsprechen. Es testete, ob Kinder nicht mit dem Kopf im Seitengitter stecken oder an hervorstehenden Teilen hängen bleiben können. Die Böden mussten eine Dauerhaltbarkeitsprüfung überstehen, die Seitenteile wurden auf ihre Festigkeit überprüft, die Gitterstäbe mussten einer Belastungsprüfung standhalten. Die Experten kontrollierten die Verarbeitungsqualität, die Nutzung der Verstellmöglichkeiten, die Ergonomie und Handhabung sowie den Zeitaufwand für die Montage. Zudem maßen sie die Herstellerangaben nach und prüften die Gebrauchsanweisung auf ihre Verständlichkeit.

Die Inhaltsstoffe
Kinderbetten sind sehr unterschiedlich beschaffen. Manche bestehen aus Massivholz, für Teile werden auch Pressspan oder MDF-Platten verwendet. Die Holzbestandteile haben wir darauf prüfen lassen, ob sie Formaldehyd ausgasen. Lackierte und beschichtete Komponenten ließen wir auf problematische Phthalate und Weichmacher, umstrittene halogenorganische Verbindungen sowie Schwermetalle und andere Elemente testen, Kunststoffbestandteile auf PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen.

Die Bewertung
Ein gutes Bett muss sicher sein. Dafür sollte es nicht nur in der Praxisprüfung gut abschneiden, sondern auch frei von eindeutig gesundheitsrelevanten Schadstoffen sein. Ein schlechtes Testergebnis Inhaltsstoffe kann damit ein Kinderbett mit einer guten Praxisprüfung im Gesamturteil verschlechtern.

So haben wir getestet

Gefahrenpotenziale: Zu geringer Abstand des Bettenbodens zum Gitterrand.

So haben wir getestet

Vorstehende Gewindeeinsatzbuchse aus Messing im Griffbereich des Kindes.