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Reaktionen: Riester-Renten

ÖKO-TEST Januar 2013
vom 28.12.2012

Reaktionen: Riester-Renten

Sozialbeirat bezweifelt die Wirksamkeit

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28.12.2012 | ÖKO-TEST hat die Riester-Rentenprodukte immer wieder als zu teuer, zu intransparent und zu leistungsschwach kritisiert. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt jetzt auch der Sozialbeirat der Bundesregierung. In seinem aktuellen Gutachten zum Rentenversicherungs- und Alterssicherungsbericht 2012 greift er viele von ÖKO-TEST aufgeworfene Fragen und Kritikpunkte auf. Das älteste Beratungsgremium der Bundesregierung bezweifelt vor allem, dass das bei Einführung der Riester-Rente gegebene Versprechen gehalten werden kann. Seinerzeit hieß es, wer privat vorsorge, könne sein Versorgungsniveau im Alter halten. Doch um das sinkende Rentenniveau auszugleichen, müssen die Bürger nicht nur vier Prozent ihres Bruttoeinkommens plus etwaige erzielte Steuervorteile aus der Riester-Förderung für die private Zusatzvorsorge aufwenden. Vielmehr müssten die Riester-Produkte auch mindestens eine jährliche Verzinsung von vier Prozent abwerfen und die Kosten der Verträge dürften nicht mehr als zehn Prozent betragen, um das ausgewiesene Gesamtversorgungsniveau zu erreichen. Das seien jedoch vielfach unrealistische Annahmen, so der Sozialbeirat, weil entweder die Kosten der Produkte höher liegen oder die Verzinsung von vier Prozent unterschritten wird. Schuld daran sei unter anderem zwar auch Euro- und Staatsschuldenkrise. "Die jüngste Entwicklung an den Kapitalmärkten und insbesondere das anhaltend sinkende Zinsniveau haben verstärkt Zweifel an der Effektivität einer kapitalgedeckten Altersvorsorge aufkommen lassen", gibt der Sozialbeirat zu bedenken. Die Hauptkritik des zwölfköpfigen Expertengremiums setzt aber vor allem bei den "als überhöht betrachteten Abschluss- und Verwaltungskosten sowie die für die Versicherten nachteiligen Kalkulationsgrundlagen" an.

Genau wie ÖKO-TEST befürchtet der Sozialbeirat nämlich, dass "durch die Vertragskosten ein (zu) großer Teil der staatlichen Förderung" von den Anbietern der Riester-Produkte "abgeschöpft wird". Auch die von ÖKO-TEST schon seit Jahren bemängelte Kalkulation der Tarife mit "überdurchschnittlich langen Lebenserwartungen" wird von dem Expertengremium massiv kritisiert. So hält der Sozialbeirat das Argument der Versicherungsbranche, nur Personen mit relativ hoher Lebenserwartung würden überhaupt eine Riester-Rente abschließen, in keiner Weise für stichhaltig. Auch die verwendeten Sterbetafeln selbst werden massiv kritisiert. Aus diesem Grund regen die Experten an, "die Regeln zur Verteilung von Risikogewinnen aus einer zu vorsichtigen Kalkulation zwischen Versicherung und Versicherten einer ständigen Überprüfung zu unterziehen".

Damit greifen sie indirekt auch die von ÖKO-TEST schon seit 2008 vorgetragene Kritik an der Mindestzuführungsverordnung auf, die die Verteilung der Gewinne zwischen Versicherer und Kunden regelt. Bislang dürfen die Versicherer nämlich 25 Prozent der Risikogewinne für sich behalten, obwohl diese zu 100 Prozent mit den Beiträgen der Kunden erwirtschaftet werden und umso höher ausfallen, je vorsichtiger die Anbieter kalkulieren und desto weniger Risiko sie selbst tragen.

Insgesamt fordert der Sozialbeirat den Gesetzgeber nachdrücklich auf, für Kostentransparenz bei der Riester-Rente zu sorgen und die Produkte vergleichbarer zu machen. Nur so sei sicherzustellen, dass die staatliche Förderung auch in voller Höhe bei den Verbrauchern ankommt und sich nicht die Anbieter die dickste Scheibe davon abschneiden. Das geplante neue Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz, mit dem der Gesetzgeber den "Versuch unternimmt, die Transparenz von Riester-Produkten insbesondere durch die Vorgabe eines standardisierten Informationsblattes zu erhöhen", wird von den Experten daher begrüßt, aber nicht als ausreichend angesehen. Vielmehr sei "zu prüfen, welche weiteren Maßnahmen zur Verbesserung des Verbraucherschutzes ergriffen werden können". Denn nach wie vor sorgen viel zu wenige für das Alter vor. Nach Angaben des Sozialbeirats haben rund 30 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten weder einen privaten Riester-Vertrag noch eine Betriebsrente, bei Arbeitnehmern mit weniger als 1.500 Euro Bruttolohn sind es sogar 42 Prozent. Und selbst die bestehenden Riester-Verträge täuschen ein zu hohes Versorgungsniveau vor: Ein Fünftel der abgeschlossenen Verträge werde nicht mehr bespart. ÖKO-TEST macht sich daher schon seit zwei Jahren für ein Altersvorsorgekonto stark, das kostengünstig, einfach und transparent bei einer Non-Profit-Organisation, wie der Deutschen Rentenversicherung, geführt werden könnte.

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