Startseite
20 Erdbeerjoghurt im Test

ÖKO-TEST Januar 2013
vom 28.12.2012

Joghurt, Erdbeer

Auf Beerenfang

Mal ehrlich: Sie stellen sich doch auch vor, dass in Ihrem Erdbeerjoghurt richtig viele Früchte stecken. Doch mit dieser wertvollen Zutat geizen viele Hersteller. Und übertünchen den fehlenden Geschmack mit Aromen - und gaaanz viel Zucker.

211 | 5

28.12.2012 | Wo sind denn die Erdbeeren? Sechs Prozent der roten Früchte gehören mindestens in einen Erdbeerjoghurt. Ein Blick auf die Becher im Supermarkt zeigt, dass manche Hersteller mehr auch gar nicht für nötig halten. Andere verschleiern den Fruchtgehalt gleich ganz, und schreiben nur, wie viel "Fruchtzubereitung" enthalten ist. Aber wie viel sind überhaupt sechs Prozent? Verdammt wenig! Neun Gramm pro Becher - das entspricht vielleicht gerade so einer Erdbeere. Und das auch nur, wenn diese sehr, sehr mickrig ist. Schmecken soll es dann aber wieder so, wie auf dem Deckel abgebildet: nach einer prallen Portion Beeren. Was auf der Zunge tanzt, ist aber vor allem Aroma. Zumindest bei Herstellern, die immer noch mit Früchten geizen und stattdessen lieber Geschmack aus dem Labor einsetzen.

Aber die werden langsam weniger. Denn in den vergangenen Jahren hat sich das Produkt Erdbeerjoghurt verändert. Und das auch wegen der zahlreichen Untersuchungen von ÖKO-TEST, die in den Molkereien mit großem Interesse gelesen werden. Mehr Frucht, weniger Aroma, heißt der Trend heute. Vorreiter dieser Bewegung sind seit jeher die Bio-Hersteller. Barbara Steiner-Hainz, Marketingleiterin der Milchwerke Berchtesgadener Land, weiß natürlich, dass man "ohne Aroma nicht den gleichen Geschmack hinbekommt". Aber will den der Verbraucher überhaupt? "Klar schmeckt unser Joghurt anders", sagt sie. "Aber der Kunde weiß dann auch, dass der Geschmack wirklich aus den Erdbeeren kommt und akzeptiert das." "Frischer" und "natürlicher" sind Attribute, die Steiner-Hainz dem Joghurt aus ihrem Haus zuordnet, im Gegensatz zu "bonbonartig", was bei konventionellen Herstellern lange Zeit als Trend galt. Auch bei Bio-Hersteller Andechser geht man keine Kompromisse ein und verzichtet auf Aroma - selbst wenn der Erdbeergeschmack zum Mindesthaltbarkeitsdatum stärker abnehmen kann als bei einem aromatisierten Produkt, wie Qualitätsmanager Gerd-Peter Simon erklärt.

Klar ist aber auch: Mit sechs Prozent ist es da nicht getan. 15 Prozent Erdbeeren sind im Joghurt der Andechser Molkerei enthalten. Wenn die Ernte in einem Jahr mal nicht so gut war, müsse man sich eben nach aromatischeren Sorten oder nach Erdbeeren aus anderen Ländern umsehen, damit der Joghurt nachher trotzdem noch so schmeckt, wie man es erwartet. Ein Aufwand, der seinen Preis hat. Aber er führt offenbar zum Erfolg. Denn "der Bio-Gedanke wird heutzutage auch von konventionellen Herstellern abgekupfert", sagt Simon. 14 Prozent Erdbeeren setzt Mövenpick seinem Rahmjoghurt zu - und verzichtet auf Aroma. Nur drei Zutaten - Joghurt, Erdbeeren, Rohrzucker - setzt Danone für seinen neuen Activia Pur Erdbeere ein, und weist darauf auch stolz auf der Vorderseite der Verpackung hin. Das Problem: "Das Aroma von Erdbeeren im Joghurt ist nicht besonders stabil, es zerfällt schnell", erklärt Katja Minak, Head of Health Affairs bei Danone. Die Lösung: Ein Knick-Becher mit zwei getrennten Kammern. Erst kurz vor dem Verzehr kommen Naturjoghurt und Fruchtpüree zusammen. Dafür gibt es auch noch einen anderen Grund: Würde man die Erdbeeren nämlich gleich in den Joghurt mischen, sähe das Produkt ziemlich blass aus, der Verbraucher würde die Nase rümpfen und sich fragen, wo denn die Erdbeeren im Joghurt seien. Mitbewerber Zott setzt zwar Aromen ein, doch selbst hier ist Zurückhaltung angesagt: Ein "spitzes" Aroma, wie Dr. Konrad Naßl aus dem Qualitätsmanagement von Zott einen überdrehten Geschmack nennt, sei bei der bayerischen Molkerei noch nie angesagt gewesen.

Doch noch vor wenigen Jahren fand ÖKO-TEST regelmäßig Joghurtdrinks und Kinderprodukte, die 100 oder gar 500 (!) mal so viele Aromen enthielten wie die wenigen enthaltenen Früchte. Ein Geschmacksfeuerwerk, das nichts mit dem zu tun hat, was an Frucht wirklich enthalten ist. "Überaromatisiert" nennen dies Geschmacksexperten. Bei einem Erdbeerjoghurt-Test im Jahr 2008 haben wir in mehr als jedem zweiten konventionellen Produkt 10-, 20- oder 50-fache Überaromatisierungen festgestellt. Allen voran die Joghurts mit geringen Fruchtgehalten. Stichprobenhalber haben wir für diesen Test einen Joghurt mit einem besonders geringen Fruchtanteil von nur 6,2 Prozent untersuchen lassen. Dieser wies nach Einschätzung unseres beauftragten Aromenexperten zwar immer noch etwa fünf bis zehn Mal mehr Aroma auf, als in der geringen Menge Frucht zu erwarten gewesen wäre, aber das gilt noch nicht als krasse Überaromatisierung.

Wir haben Erdbeerjoghurt mal wieder genauer unter die Lupe genommen und wollten wissen, welche Marken den strengen ÖKO-TEST-Kriterien standhalten. Eingekauft wurde sowohl Joghurt mit als auch ohne Aromenzusatz. In spezialisierten Laboren wurden die insgesamt 20 Produkte auf ihre Inhaltsstoffe untersucht. Außerdem haben wir uns auch die Deklaration ganz genau angeschaut und die Hersteller nach der Fütterung der Kühe gefragt.

Das Testergebnis

Keine Konkurrenz für einen selbst gemachten Erdbeerjoghurt: Die meisten Produkte kommen über ein mittelmäßiges Ergebnis nicht hinaus. Einige landen sogar im roten Bereich, weil einfach zu viele Mängel zusammenkommen.

ÖKO-TEST Januar 2013

Gedruckt lesen?

ÖKO-TEST Januar 2013 ab 3.80 € kaufen

Zum Shop

ÖKO-TEST Januar 2013

Online lesen?

ÖKO-TEST Januar 2013 für 2.99 € kaufen

Zum ePaper

Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Die Lieblingssorte der Deutschen ist und bleibt der Erdbeerjoghurt. In unserem Test mit dabei sind große Marken wie Zott, Müller und Landliebe, Produkte mit "Premium"-Image wie Weihenstephan und Mövenpick, aber auch preiswerte Handelsmarken. Selbstverständlich sind unter den insgesamt 20 ausgewählten Joghurts auch Marken aus dem Bio-Laden.

Die Inhaltsstoffe
Naturjoghurt, Frucht, Zucker und Aroma - das sind die Hauptkomponenten eines gewöhnlichen Erdbeerjoghurts. Alle Produkte haben wir auf Standardparameter wie den Zucker- und Fettgehalt sowie auf krankmachende Keime untersuchen lassen. Hat ein Hersteller laut Zutatenliste "Aroma" oder "natürliches Aroma" eingesetzt, ist der Fall klar: Diese Aromen haben nichts mit der Erdbeere zu tun. Gibt der Hersteller aber in der Zutatenliste an, er würde nur Erdbeeren oder "natürliches Erdbeeraroma" aus der Frucht einsetzen, haben wir dies im Labor auf den Wahrheitsgehalt prüfen lassen. Auch besonders ausgelobte Keimkulturen wurden in einem Spezialverfahren analysiert. Denn wenn solche Kulturen überhaupt etwas bringen sollen, dann nur, wenn sie auch in ausreichender Zahl im Becher stecken.

Die Weiteren Mängel
Was haben eigentlich die Kühe gefressen - Gras von der Weide oder Gen-Futter? Dies kann man im Labor zwar nicht direkt feststellen, aber man kann über eine Analyse bestimmter Fettsäuren darauf schließen, ob mehr Grün- oder doch mehr Kraftfutter im Trog war. Um in Sachen Gen-Futter sicherzugehen, haben wir bei den Molkereien nach Musterverträgen gefragt, um zu prüfen, ob eine Fütterung mit gentechnisch verändertem Futter verboten ist.

Die Bewertung
Zu viel Zucker, zu wenige Erdbeeren, stattdessen Aroma aus dem Labor, das womöglich noch als "natürliches Erdbeeraroma" verschleiert wird - ein solcher Joghurt kann von ÖKO-TEST auf keinen Fall empfohlen werden. Kein Wunder also, dass die meisten Marken durchfallen. Weil aber auch die Fütterung der Kühe ein wichtiges Kriterium bei der Bewertung eines Joghurts ist, gibt es zusätzliche Abwertungen für alle Molkereien, die ihren Landwirten noch immer eine Fütterung mit Gen-Pflanzen erlauben. Für sich betrachtet sind dies alles noch keine gravierenden Mängel, bei manchen Produkten summieren sie sich aber derart, dass am Ende ein enttäuschendes Gesamturteil steht.

So haben wir getestet

Welches Aroma ist im Joghurt? Das verrät die Zutatenliste. "Natürliches Aroma" ist dabei keinesfalls ein Qualitätsmerkmal, wie uns dieses Zeichen vorgaukelt. Denn dieses Aroma stammt gar nicht aus Erdbeeren.