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28.12.2012 | Das Oberlandesgericht Brandenburg hat dem Möbelhaus Höffner verboten, mit der vom Deutschen Institut für Servicequalität (DISQ) vergebenen Auszeichnung "1. Platz, Bestes Möbelhaus" zu werben. Ein Grund: Mit dem Siegel sei der Eindruck erweckt worden, beim Deutschen Institut für Servicequalität handele es sich um eine öffentliche, staatliche oder staatlich anerkannte Einrichtung. Denn tatsächlich ist das DISQ eine Agentur, die sich unter anderem durch die Vermarktung ihres Siegels finanziert. Doch nicht nur der Name ist unserer Meinung nach Verbrauchertäuschung. Auch die Untersuchungen des DISQ werfen immer wieder Fragen auf, so eine aktuelle Erhebung zu Vergleichsportalen für Kfz-Versicherungen. Darin waren uns Unstimmigkeiten bei den vom DISQ für www.transparo.de und www.aspect-online.de erhobenen Werten aufgefallen. Sie müssten zu den gleichen Ergebnissen kommen, da beide Portale den gleichen Rechner nutzen. Doch laut DISQ gab es erhebliche Unterschiede. So habe Transparo für den Tarif Basis der Admiral Direkt einen Jahresbeitrag von 682,11 Euro ausgewiesen, Aspect-Online dagegen 762,35 Euro. Unser Versuch, Licht in das Dunkel der Untersuchung zu bringen, wirft ein bezeichnendes Licht auf die Arbeit des DISQ:

10.10. ÖKO-TEST an DISQ: Wie erklären Sie, dass bei identischen Profilen und gleichen Rechnern unterschiedliche Ergebnisse entstehen können?

12.10. DISQ an ÖKO-TEST: Aufschluss darüber können nur die Anbieter der Vergleichsrechner selbst geben.

16.10. ÖKO-TEST an DISQ: Nach unseren Recherchen kommen die unterschiedlichen Preise zustande, weil mit unterschiedlichen Anschaffungspreisen für die Autos gerechnet wurde (damit hätte das Institut schlicht einen Fehler gemacht).

16.10. DISQ Geschäftsführerin Bianca Möller an ÖKO-TEST: Wir haben mit identischen Fahrzeugwerten gerechnet - nämlich mit 45.000 Euro. Daher können die unterschiedlichen Ergebnisse nicht auf unterschiedliche Fahrzeugwerte zurückgeführt werden.

22.10. ÖKO-TEST an DISQ: Wir haben den Fall von der Admiral Direkt prüfen lassen. Das Unternehmen kommt zu folgendem Ergebnis: Fahrzeugwert 20.000 Euro - Preis 682,11 Euro; Fahrzeugwert 45.000 Euro - Preis 762,35 Euro.

23.10. DISQ an ÖKO-TEST: Wir haben keine Erklärung dafür.

23.10. ÖKO-TEST an DISQ: Vielleicht können die Portale eine Erklärung liefern.

24.10. DISQ Geschäftsführerin Bianca Möller an ÖKO-TEST: Ich habe mit Aspekt-Online Kontakt aufgenommen. Spontan gab es keine Erklärung. Das Unternehmen meldet sich, sobald es etwas herausgefunden hat.

1.11. ÖKO-TEST an DISQ: Haben Ihre Recherchen ein Ergebnis gebracht?

1.11. DISQ an ÖKO-TEST: Bisher haben wir noch keine Antwort erhalten.

8.11. ÖKO-TEST an DISQ: Aspect-Online hat uns mitgeteilt, dass die Berechnungen eine Zeit lang gespeichert werden. Man kann also nachvollziehen, mit welchen Werten gerechnet wurde. Bitte holen Sie doch von dem Unternehmen die entsprechenden Informationen ein.

Seit 8.11. DISQ an ÖKO-TEST: Schweigen. Die fragwürdige Untersuchung wurde bis zum Redaktionsschluss dieses ÖKO-TEST-Magazins nicht zurückgezogen, sondern unverändert verbreitet.

Die Portal-Studie ist zudem kein Einzelfall. Schon in einer Untersuchung zu gesetzlichen Krankenkassen waren uns Fehler aufgefallen. Auch diese Studie wurde vom DISQ bei Redaktionsschluss nicht zurückgezogen, sondern wird - soweit das die Zusammenfassung der Ergebnisse im Internet erkennen lässt - noch unverändert verbreitet.
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