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19 Spieluhren im Test

Jahrbuch Kleinkinder 2017
vom 19.01.2017

Spieluhren

Ausgedudelt

Kinder herzen und knutschen ihre Spieluhren, während sie ihnen lauschen. Allerdings weisen viele getestete Einschlafhilfen Sicherheitsmängel auf. Fünf Uhren erhalten das schlechteste Testurteil. Doch es gibt Alternativen: Jeweils vier Spieluhren sind "sehr gut" und "gut".

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19.01.2017 | Die ersten knuffigen Stofffreunde sind oft Spieluhren. Am Gitter befestigt oder direkt im Bettchen begleiten sie die Jüngsten mitunter jeden Abend in den Schlaf.

ÖKO-TEST hat nachgeforscht, wie sicher Spieluhren derzeit sind. Wir haben 19 einem intensiven Praxistest unterziehen und auf Schadstoffe checken lassen.

Das Testergebnis

Vier Spieluhren erhalten die Bestnote. Weitere vier der flauschigen Einschlafhilfen schneiden mit "gut", vier noch mit "befriedigend" ab. Fünf Uhren fallen mit "ungenügend" durch.

Bei den schlechtesten Uhren rissen im Praxislabor während der Zugprüfung Stoffe und Nähte ein. Unter leichter Kraftanwendung wird so die Faserfüllung zugänglich. Kinder könnten etwas davon herauspulen und sich in den Mund stopfen. Ein klarer Verstoß gegen die Spielzeugnorm EN 71. Diese Spieluhren hätten so nicht verkauft werden dürfen. Sie sind nach unserer Meinung nicht verkehrsfähig.

Nach Auskunft des Deutschen Instituts für Normung (DIN) ist die heutige kritische Betrachtung faserartigen Füllmaterials seit 2011 Teil der Norm, nachdem es in Frankreich einen dokumentierten Todesfall gegeben hatte. Für die Beurteilung der möglichen Risiken durch die Spieluhren aus unserem Test sind die Landesuntersuchungsämter zuständig. Unabhängig davon wissen ÖKO-TEST-Leser aber schon einmal, dass sie die schlecht verarbeiteten Produkte für Babys nicht zu kaufen brauchen.

Unseren vergangenen Spieluhrentest aus dem Jahr 2009 betitelten wir mit "Ruhe bitte!" Nicht ohne Grund. Fünf Spieluhren dudelten damals lauter, als es die Spielzeugnorm erlaubt. Seitdem haben die Anbieter offenbar dazugelernt. Diesmal tönte keines der eingenähten Spielwerke über dem gesetzlichen Schalldruckgrenzwert. Er liegt derzeit für sogenanntes ohrnahes Spielzeug bei 60 Dezibel, gemessen auf einen halben Meter Abstand. Leise sind die meisten Dudeltiere damit trotzdem nicht. 17 Uhren schallten mit Werten zwischen 50 und 60 Dezibel etwas lauter als ein normales Gespräch. Wir haben die Lautstärke deshalb sicherheitshalber auch in Ohrnähe nachmessen lassen. Auch auf 2,5-Zentimeter-Abstand spielte keine Uhr so laut, dass Kinderohren Schaden nehmen könnten.

Kleinkinder gehen mit ihren Spieluhren oft innige Beziehungen ein. Mit den flauschigen Freunden wird intensiv gekuschelt, dabei auch mal kräftig hineingebissen. Ihr textiles Gewebe sollte daher nicht krank machen. Ganz auszuschließen ist das bei vielen der getesteten Spieluhren leider nicht. Im Plüsch von drei Produkten wies das von uns beauftragte Labor das hautreizende Halbmetall Antimon nach. Gelangt es ins Blut, wirkt es giftig. 13 Anbieter bringen die Weißanteile in den vernähten Textilien mit optischen Aufhellern zum Strahlen. Sie werden in der Natur kaum abgebaut und belasten dort Böden, Pflanzen und Tiere. Über den Schweiß gelangen sie auf die Haut und können dann im Sonnenlicht für Rötungen sorgen.

Völlig unnötig ist zudem das bromierte Flammschutzmittel Decabromdiphenylether in den Spielwerken der Babyfehn

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Fisch, Frosch, Hase und Co.: Wir haben 19 Spieluhren für Kleinkinder eingekauft. Die billigste für 6,99 Euro, die teuerste für 39,90. Unterwegs waren unsere Einkäufer dafür unter anderem in Kaufhäusern, Onlineshops, Drogerien sowie im Spielzeugfachhandel. Der Test umfasst sowohl Plüschspieluhren bekannter Marken als auch preiswerte Ware.

Die Inhaltsstoffe
Spieluhren sind so liebevoll gestaltet, dass der Nachwuchs kaum von ihnen lassen kann. Wir wollten deshalb wissen, ob sie voller Schadstoffe stecken. Die von uns beauftragten Labore fahndeten nach krebserregenden Farbstoffen, PVC/PVDC/chlorierten Verbindungen, hautreizendem Antimon sowie optischen Aufhellern. Auch auf der Checkliste der Labore: verbotene Weichmacher, umweltschädliche bromierte Flammschutzmittel in den mechanischen Spielwerken sowie halogenorganische Verbindungen, von denen einige Allergien und Krebs verursachen können.

Praxistest
Spieluhren fallen unter die europäische Spielzeugnorm EN 71. Sie legt genau definierte Tests fest, die Spielwaren bestehen müssen. Zentrale Frage daher: Halten die Uhren die EU-Vorgaben ein? Reißen die Nähte, wenn das Kuscheltier gedrückt, geschlagen, gedreht und gezogen wird? Möglicherweise lösen sich dabei Kleinteile, die Kinder verschlucken können. Kritisch sind auch zu lange Fäden oder Schnüre, von denen eine Strangulationsgefahr ausgeht. Wir haben ebenfalls nachmessen lassen, ob die eingesetzten Spielwerke lauter als erlaubt tönen. Sicher sind Kuscheltiere zudem nur dann, wenn sie nicht leicht entflammbar sind. Ferner ließen wir prüfen, ob die verarbeiteten Gewebe in Speichel- und Schweißsimulanzien abfärben.

Die Bewertung
Geht es um die Gesundheit von Kleinkindern, gibt es keine Kompromisse. Sowohl im Praxistest als auch bei den Inhaltsstoffen legen wir die Messlatte deshalb teils höher als geltendes Recht. Für die Bestnote müssen die Spieluhren unseren hohen Ansprüchen in beiden Kategorien gleichermaßen genügen.

So haben wir getestet

In der Nahtzugmaschine müssen Spieluhren von der Spielzeugnorm vorgegebenen Zugkräften standhalten.

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Bestellnr.: J1701
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