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12 Kinderschminken im Test

Zum Fürchten

Jahrbuch Kleinkinder 2017 | Kategorie: Kinder und Familie | 19.01.2017

12 Kinderschminken im Test

Die meisten Kinder sind begeistert, wenn sie farbenfroh geschminkt in eine andere Rolle schlüpfen können. Doch viele Kinderschminken sind zum Gruseln, denn sie stecken voller Schadstoffe.

Kinderschminken stehen immer wieder in der Kritik. Denn teilweise sind sie stark belastet. Das zeigen zum Beispiel frühere ÖKO-TESTs oder die Analysen des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts (CVUA) Karlsruhe im Jahr 2014, das den verbotenen Farbstoff Lackrot (CI 15585) in mehreren WM-Fan-Schminken entdeckte.

Haben die vielen negativen Schlagzeilen dazu geführt, dass die Schminken nun besser sind? Um das herauszufinden, haben wir zwölf Produkte ins Labor geschickt.

Das Testergebnis

Die Hälfte der Produkte ist "ungenügend". Zwei Lichtblicke gibt es aber immerhin.

Die Edding Funtastics Face Fun Schminkstifte sind mit PHMB konserviert. Doch das ist ein CMR-Stoff, also eine jener Substanzen, die als krebserregend, erbgutverändernd und reproduktionstoxisch eingestuft sind. Somit ist der Konservierer aus Sicht der EU in Kosmetika seit 2015 formell nicht mehr erlaubt. Daran ändert auch nichts, dass der Stoff (noch) auf der Liste der erlaubten Konservierungsmittel steht. Auf diese Liste verweist die Industrie gern. Ob und wie die EU-Kommission das ändern wird, ist noch in der Schwebe. In den EU-Ländern sind die Mitgliedsstaaten und ihre Behörden für die Umsetzung des Verbots von PHMB verantwortlich. Die Untersuchungsanstalt Sachsen bestätigt mit Hinweis auf die Einschätzung der EU: "Daher werden Proben, in denen wir PHMB positiv nachweisen, (...) beanstandet."

In den Mammut Snazaroo Schminkstifte Neutral fand das Labor erhöhte Werte an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK). Zu den PAK gehören Verbindungen, von denen einige nachgewiesenermaßen krebserregend, andere krebsverdächtig sind. In den Schminkstiften steckt unter anderem das krebsverdächtige Naphthalin. Die Schminkstifte von Fries, Mammut, Tedi und die SES-Clowny-Schminke wiesen zudem MOAH auf. Diese aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffe sind möglicherweise auch krebserregend und können in mineralölhaltigen Substanzen wie Paraffinen stecken, die wir schon lange abwerten.

Die Livos Vida Naturschminke weist im Vergleich zu den anderen Testprodukten einen höheren Nickelwert auf. Nickelallergien sind verbreitet; Betroffene können auf solche Gehalte schon allergisch reagieren. In der wissenschaftlichen Literatur wird ein Gehalt von fünf Milligramm pro Kilogramm (mg/kg) als technisch vermeidbar beschrieben. Nach Untersuchungen des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit schaffen es die allermeisten Kinder- und Karnevalsschminken sogar, darunterzuliegen, das Livos-Produkt im Test jedoch nicht. In drei Farben steckt außerdem eine ordentliche Portion Chrom. Immerhin zeigen unsere Ergebnisse, dass es sich nicht um giftiges Chrom VI handelt.


Kinderschminke: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Fries 6 Schminkstifte
  • Fritz Fries & Söhne

Jofrika Nature for Fun 5 Schminkstifte
  • Jofrika

Edding Funtastics Face Fun 6 Schminkstifte
  • Edding

Livos Vida Naturschminke, 12 Farben
  • Livos

Eulenspiegel Junior Schmink-Palette, 6 Farben
  • Eulenspiegel

Fantasy Make Up Aqua, 6 Farben
  • Hesse & Voormann

SES Clowny 3 Crayons &  4 Tablets
  • SES

Mammut Snazaroo Schminkstifte Neutral, 6 Stifte
  • Mammut Vertrieb

Aquacolor Nass-Schminke
  • Kryolan

Schminkstifte, 5 Stifte
  • Tedi

Giotto Make Up Schminkstifte, 6 Stück
  • Lyra

Eberhard Faber Schminkfarben, 6 Farben
  • Eberhard Faber

12 Kinderschminken im Test
Jahrbuch Kleinkinder 2017 Seite 214
Jahrbuch Kleinkinder 2017 Seite 215
Jahrbuch Kleinkinder 2017 Seite 216
Jahrbuch Kleinkinder 2017 Seite 217

4 Seiten
Seite 214 - 217 im Jahrbuch Kleinkinder 2017
vom 19.01.2017
Abrufpreis: 2,00 €

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Wir kauften pünktlich zur Karnevalszeit 12 Schminken ein: feste Produkte und Stifte sowie Wasserfarben aus dem Bastelladen, Karnevalsshop, Supermarkt und vom Onlinehändler. Nur ein Testprodukt stellt im Namen den Bezug zu Kindern her, alle anderen richten sich aber durch ihre Aufmachung direkt an Kinder oder bieten sich einfach nur zum Schminken von Kindern an.

Die Inhaltsstoffe

Die Schminken unterscheiden sich vor allem dadurch, dass sie eine Wasser- oder Fettbasis haben. Unser umfangreiches Prüfprogramm passten wir den entsprechenden Produkttypen an und gaben zum Beispiel für parfümhaltige Farben eine große Duftstoffanalyse in Auftrag. Außerdem wollten wir wissen, ob in den Schminken Schwermetalle stecken beziehungsweise ob die mineralölhaltigen Bestandteile verunreinigt sind.

Die Weiteren Mängel

Für die Kinderschminken können die Anbieter die eingesetzten Farben für alle Nuancen aufzählen, nicht nur für das jeweilige Produkt. Das erkennt man an dem kleinen Zusatz "+/-" oder dem Hinweis "may contain". Was genau in der Schminke steckt, lässt sich dann anhand der Inhaltsstoffliste nicht erkennen. Informiert ein Anbieter auf Nachfrage, welche Farbbestandteile genau in seiner Schminke stecken? Wenn nicht, finden wir das nicht verbraucherfreundlich.

Die Bewertung

Stoffen, die verboten sind, zeigen wir die rote Karte. In unserer Bewertung unterscheiden wir jedoch, ob es sich beispielsweise um einen vorsätzlich zugesetzen Stoff handelt oder nicht. Im Falle der verbotenen Konservierungsmittel Isobutylparaben und PHMB sind wir strenger als etwa bei Nickel. Dessen Gehalt sehen unsere Experten in einem Fall zwar als nicht in Ordnung an, aber es ist von einer Verunreinigung auszugehen. Auch die Aufmachung des Produkts spielt eine Rolle - Paraffine werten wir beispielsweise stärker ab, wenn eine Abbildung impliziert, dass das Produkt auch auf den Lippen verwendet werden kann. Denn vom Mund lutscht man die Farbe schnell mal ab, und die Stoffe können so in den Körper gelangen.

Aktuelle Ausgabe
ÖKO-TEST November 2018: Schwerpunkt Mikroplastik
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Zugehörige Ausgabe:
Jahrbuch Kleinkinder 2017
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Erschienen am 19.01.2017

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