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10 Schreibtischstühle für Kinder und Jugendliche im Test

ÖKO-TEST Oktober 2015
vom 25.09.2015

Schreibtischstühle für Kinder und Jugendliche

Sitzenbleiber

In der Schule können Eltern kaum Einfluss auf die Sitzmöbel für Kinder nehmen. Daheim schon. Wir haben neun Drehstühle und einen Kufenstuhl getestet. Drei Produkte krachen mit "ungenügend" durch, vier Stühle können wir empfehlen.

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25.09.2015 | Bereits seit einiger Zeit schlagen Kinderärzte und Orthopäden Alarm: Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden an Rückenschmerzen. Aber auch wenn Krankenkassen und Internetforen immer mal wieder mit erschreckenden Umfrageergebnissen und horrenden Prozentzahlen vorpreschen: "Wie viele Kinder und Jugendliche über Rückenprobleme klagen, ist nicht bekannt. Dafür gibt es keine verlässlichen repräsentativen Daten", sagt der Kinder- und Jugendmediziner Christian Neumann, zugleich Pressesprecher im Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) Rheinland-Pfalz. "Wir beobachten allerdings, dass die Zahl gerade jüngerer Patienten mit diesen Beschwerden immer mehr zunimmt. Ein Grund dafür ist auch das lange Sitzen am Schreibtisch in der Schule und zu Hause."

Beim Sitzen wird die Rückenmuskulatur einseitig belastet und die Lendenwirbelsäule entgegen ihrer natürlichen Biegung verformt. Daher kann langes Sitzen zu Haltungsschäden und Rückenschmerzen führen. "Kinder und Jugendliche sollten deshalb in regelmäßigen Abständen kleinere Bewegungspausen einlegen, um ihre Rückenmuskulatur zu entlasten", rät Neumann. Um einen Ausgleich in der Schule zu schaffen, fordert der BVKJ seit Langem eine Intensivierung des Sportunterrichts. Möglichen Gesundheitsschäden kann neben Entspannungs- und Bewegungspausen auch das sogenannte dynamische Sitzen, also ein häufiger Wechsel der Sitzpositionen, vorbeugen (siehe Kompakt).

Auch die richtige Auswahl des Schreibtischstuhls ist entscheidend. Allerdings: Drehstühle, Multifunktionsstühle oder andere Sitzmöbel, auf denen Kinder ihre Hausaufgaben machen oder lernen können, gibt es wie Sand am Meer - sowohl für den privaten Bereich als auch für die Schulen. Letztere sind besonders in der Pflicht, für eine vernünftige Ausstattung zu sorgen. Denn die meiste Zeit sitzen Kinder und Jugendliche ja in der Schule. Die Firma VS Vereinigte Spezialmöbelfabriken aus Baden-Württemberg zum Beispiel bietet mit Freischwingern, Drehstühlen und Hockern diverse Sitzmöbel, die sich den Produktauslobungen nach an die Körper der Schüler anpassen sollen. Das Unternehmen Marlower Möbel aus Mecklenburg-Vorpommern bietet Modelle unter anderem aus Holz oder Kunststoff, mit klassischer oder "luftgepolsterter" Rückenlehne sowie mit Stahlrohr- oder Alugestellen an. Der Schulträger, der letztlich über Auswahl und Kauf des Mobiliars entscheidet, kann da ebenso schnell in Entscheidungsnot geraten wie Eltern, die mit ihrem Nachwuchs im Möbelhaus auf Sitzprobe gehen. Fehlkäufe und Schnellschüsse, weil vielleicht nur auf den Preis geachtet oder dem Fachverkäufer voreilig vertraut wurde, sind dabei nämlich nicht ausgeschlossen.

ÖKO-TEST wollte wissen, ob es den (annähernd) perfekten Stuhl für Kinder und Jugendliche zu Hause überhaupt gibt. Deshalb haben wir zehn unterschiedliche Produkte eingekauft und in Laboren genauer unter die Lupe nehmen lassen. Im Schadstofftest überprüften die beauftragten Labore die Bezugsstoffe und Polster auf unerwünschte Substanzen. Im Pr

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Ein Schreibtischstuhl - als Synonym für einen Dreh- oder Multifunktionsstuhl - für Kinder und Jugendliche darf nicht der Gesundheit schaden und muss robust sein. Wir haben die Preisspanne weit gefasst. Von den zehn eingekauften Produkten kostete das billigste 26,90 Euro, das teuerste 464,55 Euro.

Der Praxistest
Ein Schreibtischstuhl muss sich gut auf die individuellen Körpereigenschaften eines Kindes abstimmen lassen können. Außerdem müssen die Stühle sicher sein, das heißt, sie dürfen weder unter dem Gewicht eines Kindes zusammenbrechen, noch beim Versuch sich draufzusetzen nach hinten wegrollen. Nach vorne oder hinten umkippen dürfen sie natürlich auch nicht. Um diese Gefahren für jeden Stuhl auszumachen, haben wir sie im Labor etlichen Prüfungen unterzogen, teilweise sogar strenger, als in der Norm vorgegeben. Außerdem haben unsere Experten das Polster, Quetschstellen für Finger und Füße sowie die verschiedenen Einstellmöglichkeiten der Stühle unter die Lupe genommen. Weil es kein für alle Stühle gleichermaßen geltendes, normiertes Testverfahren gibt, haben wir unsere Prüfung aus diversen Einzelnormen (darunter die DIN EN 1729 für Stühle in Bildungseinrichtungen sowie die DIN EN 1335 für Büro-Arbeitsstühle) zusammengestellt. Da besonders die Prüfverfahren, mit denen sich die Hersteller ein GS- oder TÜV-Siegel bestätigen lassen, möglicherweise nicht bei allen Stühlen gleich sind (Stichwort: variable Größenklassen), haben wir die Sicherheit aller Stühle nach den strengeren Vorgaben der DIN EN 1335 testen lassen.

Die Schadstoffe
Besonders im Sommer brüten Kinder häufig in kurzer Hose und T-Shirt über ihren Hausaufgaben. Weil ihre Haut dabei in Kontakt mit dem Stoffbezug kommen kann, wollten wir wissen, welche problematischen Inhaltsstoffe im Bezug und im Polster stecken. Unsere Erfahrung aus früheren Tests hat gezeigt, dass in den Textilien sensibilisierende Farbstoffe und verbotene Azo-Farbstoffe sowie halogenorganische Verbindungen enthalten sein können, von denen einige Allergien und sogar Krebs auslösen können.

Die Bewertung
Der Schadstofftest und der Praxistest mit Prüfungen zur Ergonomie, Handhabung und Sicherheit der Schreibtischstühle fließen zu je 50 Prozent in das Gesamturteil ein. Fällt ein Stuhl in dem Teilbereich Sicherheit mit "ungenügend" durch, kann er auch im Gesamturteil nicht besser abschneiden.

So haben wir getestet

Vorsichtig Quetschgefahr! Besonders im Bereich der Verstellmechanismen können Kinder sich weh tun.