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10 Kugelbahnen im Test

ÖKO-TEST Dezember 2017
vom 23.11.2017

Kugelbahnen

Aus der Bahn!

Sie stehen in Mitmach-Ausstellungen, Kinderzimmern oder im Warteraum bei Kinderärzten: Kugelbahnen gelten als spannendes und pädagogisch wertvolles Spielzeug. Wir haben zehn Modelle getestet. Nur zwei Produkte sind "sehr gut".

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23.11.2017 | Gebannt schauen dutzende Kinderaugen auf die fünf golfballgroßen Kugeln, die nebeneinander auf ihrer erhöhten Startposition liegen. "Welche kommt wohl als erste unten im Ziel an?", rätseln die Mädchen und Jungen, und inspizieren die Metall-Kugelrennbahn im Experiminta Museum Frankfurt (Main) ganz genau: Bahn eins fällt am steilsten ab und ist mittellang, zwei und drei sind weniger steil. Bahn vier, die kürzeste Strecke, verläuft in einem etwa 45 Grad großen Winkel nach unten. Bahn fünf hat eine bauchige Form. Noch ehe die Kinder einen Tipp abgeben können, kommen die Kugeln in Fahrt. Nur einen Wimpernschlag später hat die Kugel auf Bahn eins das Rennen gemacht. Die Erklärung ist einfache Physik: Auf dem steilen Anfangsweg kann sie mehr Geschwindkeit aufnehmen als die Konkurrenz, und hängt dadurch selbst die Kugel auf der kürzesten Bahn locker ab. Die bauchige Nummer fünf war die langsamste.

Schon einfache Kugelbahnen fördern die Entwicklung und Fähigkeiten von Mädchen und Jungen bereits im Kleinkindalter: Da sind zum Beispiel Form und Farbe der Kugeln als visuelle Reize. Materialen wie Holz oder Kunststoff fühlen sich unterschiedlich an und lassen sich mit ihrer mal glatten, mal rauen Oberfläche anders greifen. Das Klackern der Kugeln auf der Bahn oder wenn sie an Glöckchen stoßen, regt die akustische Wahrnehmung der Kinder an.

"Die Feinmotorik wird dadurch geschult, dass die Kinder lernen, die Kugeln und Murmeln mit ihren Fingern zu greifen. Gleichzeitig fördert das Spielzeug die Hand-Auge-Koordination, indem die Kinder die Kugeln auf den richtigen Platz auf der Bahn legen müssen, bevor sie losrollen", sagt Barbara Mühlfeld, Sprecherin des Landesverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Hessen. Ältere Kinder profitierten außerdem von frei aufbaubaren Modellen, da diese Geschicklichkeit, planerisches Denken und räumliches Vorstellungsvermögen voraussetzten. Schließlich müssten Kinder die Bauteile so aufbauen, dass die Kugeln problemlos bis ins Ziel rollen können. In ihrer Praxis, sagt Kinder- und Jugendärztin Mühlfeld, benutze sie eine Kugelbahn, um die Kinder beim Impfen abzulenken. Auch in ihrem Wartezimmer stehe ein Modell.

Toller Lerneffekt und pädagogisch wertvolles Spielzeug - schön und gut. Aber was genau nehmen die Kinder da eigentlich in ihre Hände? Sind die Kugelbahnen sicher? Wir haben zehn Modelle eingekauft und zur umfassenden Praxis- und Schadstoffprüfung in die Labore geschickt.

Das Testergebnis

Zwei-Klassen-Spielzeug! Die eine Hälfte der Kugelbahnen ist mit "sehr gut" oder "gut" empfehlenswert, darunter das günstigste Produkt für Kinder ab einem Jahr. Die andere Hälfte fällt mit "mangelhaft" und "ungenügend" durch, darunter ein Modell, das so nicht hätte verkauft werden dürfen. Es ist unserer Meinung nach nicht verkehrsfähig. Grund für die schlechten Ergebnisse sind überwiegend krebserregende oder krebsverdächtige Farbstoffe im Lack oder in textilen Bestandteilen am Spielzeug. Eine Kugelbahn fiel durch die praktische Sich

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Holz, Kunststoff, vormontiert oder als Klötzchen für kleine Baumeister: Der Spielzeugmarkt bietet eine große Auswahl an einfachen und anspruchsvolleren Kugelbahnen für Kinder jeglichen Alters. Wir haben insgesamt zehn Produkte für Ein- bis Zehnjährige für 7,99 Euro bis 79,99 Euro eingekauft und umfassend in Laboren prüfen lassen.

Die Inhaltsstoffe
Unter anderem aus früheren Spielzeug-Tests wissen wir, dass farbiger Lack krebserregende oder krebsverdächtige aromatische Amine enthalten kann. Zudem ließen wir testen, ob krebsverdächtiges Formaldehyd aus den verklebten Holzteilen ausgast. Ein umfangreiches Materialscreening, unter anderem auf Phthalate, Ersatzweichmacher oder phosphororganische Verbindungen, gehörte ebenfalls zum Prüfprogramm.

Der Praxistest
Spielzeug für Kinder muss sicher sein. Das bedeutet: Zu kleine Kugeln oder andere verschluckbare Kleinteile in Spielzeug für Kinder unter drei Jahren sind tabu. Ebenso zu lange Schnüre, mit denen sich ein Kind strangulieren könnte, sowie andere Gefahrenquellen. Das von uns beauftragte Labor hat deshalb ganz genau hingeschaut und streng nach Spielzeugnorm geprüft. Kann es sich ein Hersteller tatsächlich erlauben, hier durchzufallen? Im Stabilitätstest wurde überprüft, ob sich beispielsweise die mit Plastikzapfen verbundenen Elemente lösen oder sogar das Holz bricht. In einem Belastungstest ließen wir außerdem prüfen, wann Modelle mit Steckverbindungen, überwiegend Produkte aus Kunststoff, einknicken. Dafür wurden die zusammenbaubaren Teile bis zu 100 Montagezyklen unterzogen. Auch Holzspielzeug muss gut verarbeitet sein: Es darf nicht sein, dass Kinder sich an Splittern, schlecht verarbeiteten Teilen oder herausstehenden Schrauben verletzen können. Wie sauber arbeiten die Hersteller?

Die Weiteren Mängel
Auf Spielzeug sind etliche Angaben notwendig, etwa Hinweise auf mögliche Gefahren, ein Reinigungsweise an Produkten für Kinder unter drei Jahren, zum richtigen und sicheren Aufbau oder das CE-Kennzeichen als Hinweis für Verbraucher, dass der Hersteller die Sicherheit seines Spielzeugs garantiert.

Die Bewertung
Wenn Kinder mit belasteten Materialien spielen müssen, verstehen wir keinen Spaß! Inhaltsstoffe wie krebserregende oder krebsverdächtige aromatische Amine werten wir deshalb streng um mindestens vier Noten ab. Vier Noten Abzug gibt es auch, wenn ein Produkt in der Praxisprüfung Sicherheitsmängel für Kinder unter drei Jahren aufwies. Wenn ein von uns getestetes Produkt nicht verkehrsfähig ist, kann es selbstverständlich nicht besser sein als "ungenügend".

So haben wir getestet

Die Größe muss stimmen: Das von uns beauftragte Labor hat mit einer Prüfschablone gemessen, ob die Kugeln die erforderliche Größe haben oder ob sie für Kinder gefährlich werden können.

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