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16 Schwimmhilfen im Test

ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2009
vom 07.01.2009

Schwimmhilfen

Abgesoffen!

Alle untersuchten Schwimmhilfen aus PVC sind in unserem Test mit Pauken und Trompeten durchgerasselt. Zwar bestanden die meisten Plastikflügel den Praxistest, allerdings sind alle randvoll mit bedenklichen Stoffen und fünf sogar mit verbotenen Weichmachern belastet.

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07.01.2009 | Bei Hitze geht nur noch eins: Kinder einpacken und ab ins Schwimmbad oder an den See. Dabei gehören Schwimmflügel und Co. mit in die Badetasche. Wir haben 16 billige und teure Schwimmhilfen eingekauft, das Material analysieren lassen und auch die Sicherheit überprüft.

Das Testergebnis

Können die kleinen Wasserratten noch nicht schwimmen, kommen Eltern um Schwimmhilfen nicht herum. Umso fassungsloser macht uns, dass wir lediglich das Schlori Schwimmkissen mit der Note "sehr gut" empfehlen können. Alle anderen Marken fallen mit einem "ungenügend" durch den Test.

Die Cherek's Kraulquappen, die Sima Auftriebshilfe, die Surf And Sun Arm Bands, der Swimtrainer Classic, Fortgeschrittene und die 123 Pool School Schwimmhilfe zum Rollen enthalten mehr als 0,1 Prozent der in Spielzeug und Babyartikeln reglementierten Phthalatweichmacher DEHP oder DINP. Wir werten das nur um vier Stufen ab, denn diese Phthalate sind für Schwimmflügel nicht ausdrücklich verboten. Somit sind diese Produkte sogar noch verkehrsfähig. In den anderen Marken stecken alternative Weichmacher wie DINCH, das von BASF hergestellt wird, oder Diethylhexylterephthalat (DEHT). Die Ersatzstoffe sind noch nicht hinreichend bewertet, sodass wir sie ebenfalls abwerten, allerdings weniger streng als die verbotenen Phthalatweichmacher. Die beiden Bema-Schwimmflügel und die Blue Shark Fun Schwimmhilfe sind nach Information auf der Verpackung phthalatfrei, was durch unsere Analysen bestätigt wurde. Theoretisch könnten die Hersteller verträglichere Zitratweichmacher einsetzen. Allerdings lösen sich auch die alternativen Weichmacher aus dem PVC. Die beste Lösung wäre ein Verzicht auf Weich-PVC. So konnten etwa in unserem Test Schwimm- und Badespielzeug aus dem Jahr 2004 nur Produkte überzeugen, die nicht aus PVC waren.

Alle Schwimmhilfen aus PVC sind mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) kontaminiert und erhalten dafür Minuspunkte. Im Wesentlichen steckt Naphthalin in den Flügeln, das vermutlich als Biozid für den Transport und die Lagerung eingesetzt wird. Nach Meinung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) ist die PAK-Belastung von Verbraucherprodukten möglichst niedrig zu halten, denn einige Vertreter sind krebserregend. Zudem zeige die Erfahrung, dass viele Produkte PAK-frei herstellbar seien.

Neun Produkte werten wir wegen Dibutylzinn und/oder anderen zinnorganischen Verbindungen ab. Diese Substanzen werden in PVC als Stabilisatoren gegen Licht und Hitze eingesetzt. Viele sind wegen ihrer hohen Giftigkeit etwa als Biozide in Schiffsanstrichen verboten. Zudem schädigen Dibutyl- und Tributylzinn schon in geringen Dosen vermutlich auch beim Menschen das Immun- und Hormonsystem. Technisch ist der Verzicht von zinnorganischen Verbindungen schon längst kein Problem mehr, denn sie lassen sich durch Calcium-Zink-Stabilisatoren ersetzen.

Aus den Schwimmflügeln Spider-Man 3, dem Smoby Armband Finding Nemo und den Speedo Roll Up Armbands löste sich mehr Bisphenol A als nach der Spielzeugnorm (DIN EN 71) erlaubt ist. Das Lösemittel Isophoron kritisieren wir in zwölf Schwimmhilfen. Es stammt vermutlich aus den Druckfarben und ist während der Produktion leicht, nämlich durch eine thermische Nachbehandlung, zu entfernen. Bereits 2002 hatte das BfR in Zusammenhang mit Babybüchern festgestellt, dass man ein krebserzeugendes Potenzial von Isophoron nicht ausschließen kann und es in Spielzeug so weit wie möglich reduziert werden soll. Technisch machbar seien Gehalte von sechs Milligramm pro Kilogramm. Wir analysierten in den betroffenen Schwimmhilfen jedoch Werte im zwei- und dreistelligen Bereich. Einen Minuspunkt für das nervengiftige Phenol kassierten zudem zehn Produkte. Weitere Kritikpunkte waren Chlorparaffine im Swimtrainer Classic, Fortgeschrittene und in mehr als der Hälfte der Marken phosphororganische Verbindungen. Sie werden meist als Flammschutzmittel in Kunststoffprodukten eingesetzt und sind in Schwimmhilfen völlig sinnlos. Die Sima Auftriebshilfe erhält noch einen Minuspunkt für den hohen Gehalt an giftigem Antimon.

Sind die billigen Marken für 2,99 Euro genauso sicher wie ein Produkt für 26,95 Euro? Dies wollten wir wissen und schickten die Schwimmhilfen, die juristisch als persönliche Schutzausrüstung gelten und unter das Geräte- und Produktsicherheitsgesetz (GPSG) fallen, zum Sicherheitscheck ins Labor. Bei allen Marken prüften die Tester den Auftrieb und Restauftrieb, der wichtig wird, wenn eine der Luftkammern kaputt ist. Hier bestanden alle Produkte den Test. Bei den Cherek's Kraulquappen ließen sich die Ventile allerdings nicht so eindrücken, dass sie glatt mit der Oberfläche abschließen; daran kann man hängen bleiben. Zudem rissen die Stöpsel ab und erwiesen sich als so klein, dass sie von Kindern verschluckt werden können. Das Rückschlagventil des Swimtrainer Classic, Fortgeschrittene, hielt bei geöffneten Stöpseln nicht ausreichend dicht. Das GS-Zeichen für geprüfte Sicherheit trägt das Exemplar unserer Meinung nach zu Unrecht.

Bei acht Schwimmhilfen kritisieren wir fehlende Warn- und Kennzeichnungshinweise, die in Deutsch auf jeder Schwimmhilfe gut lesbar stehen sollten. Bei drei Produkten fehlt das Informationsetikett auf der Verpackung. Es klärt den Verbraucher beim Kauf über Grundlegendes, wie für welches Alter oder welches Gewicht die Schwimmhilfe geeignet ist, auf. Bei Blue Shark Fun Schwimmmanschetten Circus vermissten wir gar die Bedienungsanleitung, in der etwa beschrieben ist, wie die Schwimmhilfen aufzublasen und die Stöpsel zu sichern sind und wie man sie anpasst.