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24 Mittel gegen Blasenentzündung (Cranberrypräparate) im Test

ÖKO-TEST Oktober 2009
vom 25.09.2009

24 Mittel gegen Blasenentzündung (Cranberrypräparate) im Test

Pipifax

Wiederkehrende Harnwegsinfektionen machen besonders Frauen zu schaffen. Präparate mit Cranberry versprechen Abhilfe. Doch für viele getestete Nahrungsergänzungsmittel können die Hersteller nicht ausreichend belegen, wie viel Wirkstoff überhaupt darin steckt. Das ist aber für die Einschätzung der Wirksamkeit entscheidend.

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25.09.2009 | Wenn es beim Wasserlassen mal wieder brennt, sich der Harndrang verstärkt und frau häufiger als sonst zur Toilette rennt, dann hat sie's mal wieder erwischt: eine Harnwegsinfektion. Diese überaus häufige Erkrankung erleidet jedes Jahr eine von 20 Frauen. Betroffen sind vor allem jüngere, sexuell aktive Frauen, viele mehrfach im Jahr.

Dass Frauen viermal häufiger an einer Harnwegsinfektion leiden als Männer, liegt zum einen an ihrer deutlich kürzeren Harnröhre. Zum anderen liegen Scheide und Darmausgang eng beieinander, sodass es bei falscher Hygiene zu einer Schmierinfektion kommen kann und Bakterien aus dem Darm in die Harnröhre gelangen. Vier von fünf Infektionen verursacht das Bakterium Escherichia coli.

Ohne Risikofaktoren wie Harnsteine, Tumore, Katheter oder Diabetes verläuft die Mehrzahl der Harnwegsinfekte unkompliziert. Nierenschäden sind nicht zu befürchten.

Leichtere unkomplizierte Harnwegsinfektionen kann frau selbst behandeln. Im Vordergrund steht das Durchspülen, das heißt, möglichst viel trinken, um die Bakterien auszuschwemmen. Eine solche Behandlung kann auch zusätzlich zu einer Antibiotikatherapie sinnvoll sein oder wenn der Arzt problematische Keime ausschließen kann.

Seit einiger Zeit drängt die aus Nordamerika stammende Cranberry auf den Markt. Wieder einmal waren es die indianischen Ureinwohner, die die Bedeutung der Beere fürs Wohlbefinden und die Gesundheit erkannt haben sollen. Jetzt gibt es sie als getrocknete Frucht, Saft, Konzentrat, Pulver, abgefüllt in Kapseln oder zu Tabletten gepresst. Cranberryhaltige Nahrungsergänzungsmittel werden mit Auslobungen wie "Unterstützung einer gesunden Blasenfunktion", "kann die Widerstandskraft der Blasenschleimhaut stärken" oder - ganz detailliert - "trägt bei zur Verringerung der Festsetzung bestimmter E.-coli-Bakterien an Blase und Harnwegen" vermarktet.

Tatsächlich hat die Forschung gerade für die letzte Aussage Hinweise darauf gefunden, warum Cranberrys so wirken könnten: Sekundäre Pflanzenstoffe, sogenannte Proanthocyanidine, sollen nicht nur für die kräftige antioxidative Wirkung verantwortlich sein, sondern auch das Anheften krankmachender E.-coli-Bakterien an die Blasenwand verhindern.

Doch was ist wirklich dran an den Versprechungen? ÖKO-TEST hat 24 Cranberrypräparate eingekauft, die Anbieter nach Nutzenbelegen gefragt und die Produkte im Labor auf Pestizide und ein Schimmelpilzgift untersuchen lassen. Zusätzlich haben wir einen kritischen Blick auf Inhaltsstoffe und Deklaration geworfen.

Das Testergebnis

Auch wenn die Inhaltsstoffe der Cranberry ein vielversprechender Ansatz sind, um wiederkehrenden Harnwegsinfekten vorzubeugen: Wirklich überzeugend ist die Situation nicht. Dass letztlich nur drei Produkte ein "gutes" Gesamturteil erreichen, liegt vor allem an der undurchsichtigen Deklaration des Cranberrygehaltes.

Die Anbieter scheuen Kosten und Mühen für eigene Untersuchungen

Zwar sind Cranberrypräparate nicht zur Behandlung einer akuten Harnwegsinfektion geeignet. Sie sind aber bei häufig wiederkehrenden Infekten einen Versuch wert, deren Anzahl zu verringern. Dies ist in etlichen Studien belegt, vor allem bei Frauen jüngeren und mittleren Alters. Unklar ist der Effekt jedoch bei älteren Frauen und Männern. Hier brachten Studien keine eindeutigen Resultate. Warum sich die Wirkung bei jüngeren und älteren Frauen unterscheidet, ist unklar. Insgesamt stufen wir den grundsätzlichen Nutzen nur als "gut" belegt ein.

Die Nutzenbelege, die uns die Anbieter zuschickten, bezogen sich fast ausnahmslos auf allgemeine Literaturangaben, nur in Ausnahmefällen (Tuim Urofemin Cranberry-Extrakt, Filmtabletten von Dr. Willmar Schwabe und Cranberry +C, Tabletten von Sanitas) auf das konkrete Produkt. Anscheinend scheuen die Anbieter Kosten und Mühen, lassen sich die Pulver, Kapseln und Tabletten doch auch ohne konkrete Qualitätsnachweise verkaufen.

Proanthocyanidine (PAC) gelten derzeit als die für die Effekte der Cranberrys maßgeblichen Inhaltsstoffe. Doch bis heute gibt es keine allgemein anerkannte Methode zur Bestimmung des PAC-Gehaltes in Cranberryprodukten. Alle Methoden sind störanfällig und liefern stark unterschiedliche Ergebnisse. Die französische Agentur für Lebensmittelsicherheit AFSSA geht von einer erforderlichen Mindestmenge von 36 mg PAC oder 29 g frischen Cranberrys in einer Tagesportion aus, um die Anzahl der Harnwegsinfektionen zu verringern. Entsprechende Gehalte, ermittelt über die Deklaration oder über Anbieterinformationen, haben wir als "plausible" produktbezogene Belege eingestuft. Dies ist aber nur bei sieben Produkten der Fall. Zwei Anbieter machen überhaupt keine Angaben zum PAC- oder Cranberrygehalt, wofür es eine Abwertung um drei Noten gibt. Alle anderen weisen geringe, in der Tabelle als "nicht ausreichende" bezeichnete PAC- und/oder Cranberrygehalte auf. In einigen Fällen entsprach die Tagesportion des Nahrungsergänzungsmittels gerade mal um die zehn Gramm frische Cranberrys. Dies führt zur Abwertung um zwei Noten. Gehaltsangaben auf der Verpackung wie "1.200 mg Cranberrykonzentrat" sind wenig hilfreich, da sich daraus nicht auf die ursprünglich eingesetzte Menge an Cranberrys zurückrechnen lässt.

Was die Blase gegen krank machende Keime wappnet, muss nicht zwangsläufig auch die Abwehrkräfte allgemein stärken. Dies gelingt auch durch eine Anreicherung mit Vitamin C nicht. Entsprechende Aussagen, die sich auf die Stärkung der Abwehrkräfte oder die Unterstützung des Immunsystems beziehen, werten wir daher um zwei Noten ab.

Ein krebsverdächtiger und ein nicht zugelassener Zusatz in zwei Produkten

Die Espara Cranberry Preiselbeere, Kapseln ent-halten unter anderem auch ein Pulver aus Bärentraubenblättern. Die Blätter sollen die Harnwege desinfizieren. Sie enthalten Arbutin, aus dem Hydrochinon entsteht. Dieses steht unter dem Verdacht, erbgutverändernd und krebserzeugend zu wirken. Daher werten wir hier um vier Noten ab.

Fragwürdig ist auch der Zusatz von Paradiesnusspulver als Selenquelle in den Allpharm Cranberry Kapseln. Nicht nur, dass die Pflanzen das Selen in einer zellgiftig wirkenden Form anreichern. Nach Auffassung verschiedener Behörden fällt Paradiesnusspulver unter die Regelung der Novel-Food-Verordnung und hätte daher ein Genehmigungsverfahren durchlaufen müssen. Der Anbieter verweist hingegen auf die Stellungnahme eines privaten Instituts, das Paradiesnusspulver als verkehrsfähig einstuft.

So reagierten die Hersteller

Auf unsere Frage nach Nutzenbelegen für ihre Produkte gab es einige typische Antworten. "Unser Endprodukt wurde keinen Studien zur Wirksamkeit unterzogen, da es zu den einzelnen verwendeten Substanzen bereits vielfache wissenschaftliche Untersuchungen gibt", schrieb uns die Firma Espara, Anbieter der Espara Cranberry Preiselbeere, Kapseln. Ähnlich auch Anbieter Bad Heilbrunner Naturheilmittel (Biovital Uro Phyto Cranberry Hochdosiert, Tabletten): "Eigene Studien liegen nicht vor. Das Produkt wurde mit Bezug auf bekannte Literatur entwickelt." Das Biovital-Produkt soll demnächst auch die relevanten 36 mg Proanthocyanidine (PAC) in einer Tagesdosis erreichen. "Wir geben bei den neuen Packungen eine Tagesdosierung von bis zu 4 Tabletten an. Damit wird bei Berücksichtigung der photometrischen Gehaltsbestimmungsmethode eine Tagesdosierung von 36 mg PAC erreicht", teilte der Hersteller mit.

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Allpharm Cranberry Kapseln
Allpharm

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Aurica Cranberry-Kapseln
Aurica

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Avitale Cranberry Kapseln
Avitale

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Biovital Uro Phyto Cranberry Hochdosiert, Tabletten
Bad Heilbrunner

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Bergland Cranberry Lutschtabletten
Bergland-Pharma (Apotheke)

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ausreichend

Das gesunde Plus Cranberry Kapseln mit Vitamin C
Dm

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Original Cranberry Taler
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Dr. Groß Cranberry vital, Tabletten
Dr. Groß

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Tuim Urofemin Cranberry-Extrakt, Filmtabletten
Dr. Willmar Schwabe (Apotheke)

Tuim Urofemin Cranberry-Extrakt, Filmtabletten

ungenügend

Espara Cranberry Preiselbeere, Kapseln
Espara

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Urovit Cranberry-Kapseln Bio
GSE Vertrieb

Urovit Cranberry-Kapseln Bio

gut

Gall Pharma Cranberry 400 mg GPH Kapseln
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Sanct Bernhard Cranberry Kapseln 500 mg
Kräuterhaus Sanct Bernhard

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Omnivit Cranberry Harnwege Vital Kapseln
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Gesundform Cranberry-36, Kapseln
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Cystorenal Cranberry Plus, Kapseln
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Drofa Vital Cranberry Harnwege Kapseln
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Altapharma Cranberry Plus Vitamin C, Kapseln
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Cranberry +C, Tabletten
Sanitas

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Synomed Cranberry Tabletten
Synomed (Apotheke)

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Töpfer Dr. Nowack's Cranberry Kapseln
Töpfer

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ausreichend

Cranberry + C Vital, Kapseln
Trend Pharma

Cranberry + C Vital, Kapseln

mangelhaft

Cranberry 2500, Kapseln
Vaniplan-Pharma (Apotheke)

Cranberry 2500, Kapseln

ausreichend

Cranberola Cys-Control, Portionsbeutel
Weber & Weber (Apotheke)

Cranberola Cys-Control, Portionsbeutel

ausreichend