1. Home
  2. Tests

77 Grundnahrungsmittel vom Discounter im Test

Super Märkte?

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2011 | Kategorie: Essen und Trinken | 08.10.2010

77 Grundnahrungsmittel vom Discounter im Test

98 Prozent der Deutschen kaufen beim Discounter. Und das längst nicht mehr nur wegen der niedrigen Preise. Doch kann Billigware mit Markenprodukten mithalten? Wir haben den Test gemacht.

Ein Einkauf bei Lidl und Co. kann so ziemlich alles sein - außer ein großes Einkaufserlebnis. Warum aber zieht es die Deutschen dann so stark zum Discounter?

98 Prozent, so die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), kaufen zumindest einmal im Jahr im Discounter ein. Etwa jeder Zweite deckt sogar rund zwei Drittel seines Bedarfs bei Aldi und Co. Der Preis allein kann es kaum sein. Denn billige Butter gibt's längst auch woanders. "Einfach" und "schnell" sind die Attribute, die neben dem Preis das Erfolgskonzept der Discounter umreißen.

ÖKO-TEST wollte wissen, ob die Produkte ihr Geld wert sind und hat Grundnahrungsmittel eingekauft, die man immer im Hause haben sollte.

Das Testergebnis

An rund zwei Drittel der 77 getesteten Lebensmittel gab es gar nichts auszusetzen. Elf Produkte haben nur kleine Mängel und schneiden noch "gut" ab. Die schlechteste Note "ausreichend" gibt es für ein Sonnenblumenöl von Netto und einen Tiefkühlspinat von Aldi Süd.

Häufig liegt es am entsprechenden Lebensmittel, wie die Qualität der Produkte ausfällt. Durchgehend "sehr gut" waren beispielsweise Kaffee, Spaghetti, passierte Tomaten, Butter, Gouda und Salz.

Es gibt nur "gute" und "sehr gute" Naturjoghurts. Die meisten Hersteller setzen allerdings noch Deckel ein, die chlorierte Kunststoffe enthalten. Auch einen niedrigen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren haben wir abgewertet. Denn dieser spricht dafür, dass die Kühe viel Kraftfutter, aber nur selten Grünfutter gesehen haben.

Das Altdeutsche Doppelback Roggenmischbrot von Norma ist das einzige mit Punktabzug, weil es in zwei unterschiedlichen Chargen am Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) jeweils Schimmelbefall aufwies. Der Hersteller sollte das MHD kürzer wählen.

Die Weizenmehle von Aldi Nord und Penny sind mit erhöhten Gehalten des Schimmelpilzgifts Deoxynivalenol belastet. Das Gift bildet sich unter ungünstigen Witterungsbedingungen in den Getreideähren und kann das Immunsystem beeinträchtigen.

Nicht sonderlich rosig sieht es beim Sonnenblumenöl aus. Das Öl wird auf dem Etikett als für die Ernährung besonders wertvoll gepriesen. Nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen sind aber Raps- und Olivenöl für die Gesundheit wesentlich günstiger. Sie enthalten mehr Ölsäure, die das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringern kann. In Sonnenblumenöl steckt dagegen mehr Linolsäure, die die Öle weniger hitzestabil macht. Das bemängeln wir, weil es zwischenzeitlich schon Sonnenblumenzüchtungen gibt, die höhere Ölsäureanteile aufweisen und damit auch höher erhitzbar und zudem gesünder sind. Alle Öle werden zum Braten empfohlen, sind aber tatsächlich für so hohe Temperaturen weniger geeignet.

Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) fanden die von uns beauftragten Labore im Premium Sonnenblumenöl von Netto. Der gefundene Wert lag umgerechnet auf die Leitsubstanz Benzo(a)pyren knapp unter der gesetzlichen Höchstmenge für diese Substanz. Zu den PAKs gehört eine ganze Stoffgruppe, von denen viele Vertreter krebserregend und erbgutschädigend sein können. Der hormonell wirksame Weichmacher Diethylhexylphthalat (DEHP) steckt im Vita D'or Sonnenblumenöl von Lidl. Die Menge ist aus gesundheitlicher Sicht zwar eher unbedenklich. Doch DEHP ist für Lebensmittelverpackungen verboten, wenn sie fettreiche Produkte schützen. Der Stoff geht dann besonders gut über. Deshalb müssen nicht nur die Verpackungen, sondern auch alle anderen Materialien in der Fertigung der Öle unbedingt frei von Weichmachern sein.

Fünf der sechs Tiefkühlspinate enthalten relativ hohe Mengen an Cadmium. Die tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge für das giftige Schwermetall wurde kürzlich stark gesenkt. Mit jeweils einer Portion der fünf Produkte wird die daraus errechnete tägliche akzeptable Menge zu mehr als 50 Prozent ausgeschöpft, was zur Abwertung führt. Die Ergebnisse sollten dennoch keinesfalls dazu bewegen, weniger Gemüse zu essen, da diese wichtige Bausteine einer gesunden Ernährung sind.

Erhöhte Nitratwerte führen beim Spinat von Aldi Süd und Lidl zur Abwertung. Nitrat ist ein natürlich im Boden vorkommender Stoff, der aber auch durch Dünger in die Pflanze gelangen kann. Nitrat kann im Magen-Darm-Trakt in gefährliches Nitrit umgewandelt werden, das wiederum die Vorstufe zur Bildung von krebserregenden Nitrosaminen ist. Deshalb sollte die Aufnahme möglichst gering sein. Berechnet für eine 60 Kilogramm schwere Person, nimmt man mit je einer Portion der beiden Spinatprodukte mehr als die Hälfte der täglich akzeptablen Aufnahmemenge zu sich. Als Portionsgröße haben wir 225 Gramm zugrunde gelegt - eine halbe Packung.

Schadstoffe haben wir in den Mineralwässern der Discounter im Test nicht gefunden. Doch alle sind in Einwegflaschen abgefüllt, deren Umweltbilanz im Verhältnis zu Mehrwegflaschen enorm abfällt. Deshalb kann kein Produkt besser als mit "befriedigend" abschneiden.

Werbung mit Selbstverständlichkeiten verunsichert den Verbraucher und fällt unter Deklarationsmängel. So enthält kein Sonnenblumenöl Cholesterin und alle Mineralwässer sind selbstverständlich vegan und glutenfrei. Auf dem Vitalitasia Gebirgsquelle Medium von Netto wird dennoch mit diesen Attributen geworben. Und auf den Sonnenblumenölen von Norma und Penny steht, dass die Produkte cholesterinfrei sind.

So reagierten die Hersteller

Bär Brot, Hersteller des Altdeutschen Doppelback von Norma, teilte uns mit, dass bei den Rückstellmustern der von uns getesteten Ware kein vorzeitige Schimmelbildung festgestellt wurde.

Test kostenlos abrufen (PDF)

Bitte beachten Sie: das Speichern und Betrachten von PDF-Dateien auf mobilen Geräten erfordert möglicherweise zuvor die Installation einer App oder die Änderung von Einstellungen.

Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Unsere Einkäufer waren zirka zwei Wochen Dauergast in den sechs umsatzstärksten Discountern Aldi Nord, Aldi Süd, Lidl, Netto, Norma und Penny. Vom Brot und Butter über Kaffee und Tee bis zu Joghurt, Käse und Sonnenblumenöl haben sie 13 unterschiedliche Grundnahrungsmittel in teilweise bis zu zehnfacher Ausführung eingekauft, um sie in acht Speziallabore zu schicken, in denen sie auf diverse Schadstoffe untersucht wurden.

Die Inhaltsstoffe

Egal ob Kaffee, Mehl oder Joghurt: Jedes Lebensmittel wird auf spezifische Schadstoffe geprüft, die darin vorkommen könnten. In Getreideprodukten wie Brot, Mehl und Spaghetti stehen beispielsweise diverse Schimmelpilzgifte im Fokus. Im Getreide können außerdem Rückstände von Pestiziden und Halmverkürzern stecken sowie das giftige Schwermetall Cadmium, das die Pflanzen aus dem Boden aufnehmen. Milchprodukte wie Käse, Joghurt und Butter wurden auf gesundheitlich bedenkliche Keime wie Salmonellen, typische Hygienekeime, aber auch auf mögliche Rückstände von Reinigungsmitteln oder Weichmachern untersucht. Auch den Gehalt an positiven Inhaltsstoffen lassen wir prüfen. So zum Beispiel Omega-3-Fettsäuren in Milchprodukten, die auf hohen Grünfutteranteil hindeuten und der Radikalfänger Lycopin in passierten Tomaten. Tee und Tiefkühlspinat untersuchten die von uns beauftragten Labore auf Rückstände von über 500 Pestizidwirkstoffen, denn die Sträucher und das Gemüse werden häufig gegen Insekten, Pilze und Unkräuter gespritzt. Spinat kann zudem mit Nitrat und Cadmium belastet sein. Im Sonnenblumenöl können sich krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe befinden, die schon überall in der Umwelt vorhanden sind und durch Verbrennungsprozesse entstehen. Kaffee ist hingegen häufig mit den krebserregenden Stoffen Acrylamid und Furan belastet, die sich beim Rösten aus eigenen Inhaltsstoffen bilden.

Die Bewertung

Häufig lehnen wir uns bei der Bewertung von Schadstoffen an gesetzlichen Höchstmengen an, sind oft aber noch strenger als der Gesetzgeber. Akzeptable Aufnahmemengen, die mit großer Wahrscheinlichkeit nicht schädlich sind, dienen uns ebenso zur Einordnung. Sie werden in Tierversuchen ermittelt. Wenn wenig von eigentlich qualitativ wertgebenden Stoffen in den Lebensmitteln steckt, zum Beispiel zu wenig Lycopin in passierten Tomaten, gibt es auch Punktabzug.

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2011
ÖKO-TEST Jahrbuch für 2011