1. oekotest.de
  2. Tests
  3. 13 Schnurlostelefone im Test

13 Schnurlostelefone im Test

Ruf nich an

ÖKO-TEST Jahrbuch Bauen, Wohnen, Renovieren für 2010 | Kategorie: Freizeit und Technik | 09.11.2009

13 Schnurlostelefone im Test

Viele Schnurlostelefone schmücken sich mit Begriffen wie Eco-Mode, strahlungsreduziert oder energiesparend. Eine heftige Ausstrahlung haben die meisten dennoch. Inzwischen gibt es wenigstens ein paar Geräte, die nicht rund um die Uhr, sondern nur beim Telefonieren gepulste Mikrowellen aussenden.

Neuer Artikel vorhanden: 15 Schnurlostelefone im Test

Bei jährlich rund acht Millionen DECT-Telefonen, die nach Zahlen der GfK verkauft werden, gibt es keine Zweifel, wie die Deutschen am liebsten telefonieren: schnurlos. Damit nehmen sie die häufig stärkste Quelle hochfrequenter elekt­romagnetischer Strahlung im privaten Haushalt in Kauf. Und zwar nicht nur beim Telefonieren selbst - mit dem heftig strahlenden Hörer direkt am Kopf. Auch wenn das DECT eine geringere Sendespitzenleistung als das Handy hat, ist die Belastung meist höher, weil der Funkmast in Form der Basis mitten im Wohnraum steht. Die Basis der meisten Geräte sendet rund um die Uhr Funkwellen aus, um mit dem Mobilteil in Kontakt zu bleiben. Somit wird das Telefon zur Dauerstrahlenquelle. Schon 2006 hat das Bundesamt für Strahlenschutz die Industrie aufgefordert, Telefone zu entwickeln, die im Stand-by-Betrieb strahlungsfrei sind.

Wir haben 13 Schnurlostelefone eingekauft, die mit einem Eco-Mode, mit einer Anpassung der Sendeleistung, einem Logo "strahlungsreduziert" oder Ähnlichem werben. Wir wollten wissen, wie strahlungsreduziert sie tatsächlich arbeiten. Darüber hinaus haben wir die Geräte einem großen Praxistest unterzogen.

Das Testergebnis

Trotz "Eco"-Welle bleibt die Zahl der konsequenten Vertreter klein. Nur drei Geräte im Test schalten die Strahlung nach dem Telefonat ab: das Orchid Eco Low Radiation LR4610, das Swissvoice Avena 748 und das Siemens Gigaset A580 - wobei die Basis des A580 in unregelmäßigen Abständen, die mal 20 Sekunden, mal über zehn Minuten lang sein können, ganz kurze Funkimpulse aussendet. "Ob solche ab und zu auftretenden kurzen Funkimpulse schon biologisch kritisch sind, wer weiß", sagt unser baubiologischer Berater Wolfgang Maes, "in jedem Fall sind sie überflüssig, und mit der beworbenen hundertprozentigen Abschaltung nach Gesprächsende passt das nicht zusammen." Drei Schnurlose regeln stark herunter, wenn das Mobilteil in der Basis steckt, vier schalten dann so gut wie ab - "so gut wie" heißt für uns: sie regeln um einen Faktor von einer Million und mehr herunter. Ein winziger, aber überflüssiger Rest bleibt.

Drei Modelle funken selbst dann weiter, wenn das Mobilteil in der Ladestation steckt. Das Philips CD250 reduziert die Strahlungsleistung im Stand-by zwar, aber nicht genug. Beim Hagenuk Accento 400 ist von Reduzierung keine Spur - sowohl beim Telefonieren als auch danach. Und das Motorola D701 regelt während des Telefonats ein wenig herunter, geht aber danach gleich wieder voll auf Sendung.

Etliche Hersteller werben damit, die Funkintensität beim Telefonat bedarfsgerecht anzupassen. Die meisten regulieren die Strahlungsstärke im Eco-Mode um 50 bis 75 Prozent herunter, wenn guter Funkkontakt zum Mobilteil besteht. Das hört sich zunächst zwar gut an, sagt aber letztlich nichts darüber aus, wie stark die Strahlung beim Telefonieren wirklich auftritt. Entscheidend ist, wie hoch die maximale Strahlungsstärke ist. Beispiel: Das Hagenuk-DECT, das beim Telefonieren gar nicht herunterregelt, strahlt ähnlich stark wie das Panasonic-Modell, das um 50 bis 70 Prozent reduziert.

Während des Telefonats wurden in einem Meter Entfernung zur Basis Werte zwischen rund 2.000 und 9.000 Mikrowatt pro Quadratmeter gemessen. Aus baubiologischer Sicht ist das jenseits von Gut und Böse, da schon ab 100 Mikrowatt pro Quadratmeter biologische Effekte nachweisbar sind. Beim Telefonat ist die Strahlungsbelastung durch das Mobilteil am Ohr noch einmal um ein Vielfaches höher. Und zwingen Wände, Möbel oder die Entfernung zum Hörer die Basis, stärker zu senden, reizt das Telefon auch schnell seine maximale Strahlungsstärke aus.

In unserer Testwohnung konnten alle DECT-Telefone mindestens über 25 Meter und durch fünf Wände telefonieren, im Freien schafften sie zwischen 275 und 350 Metern. Um zu erfahren, wie sich die Reichweiten im Eco-Mode und im Standardmodus unterscheiden, haben wir ein Modell in verschiedenen Einstellungen durchtesten lassen. Ergebnis: Bei voller Strahlung schaffte es 330 Meter im Freien, im Eco-Mode 275 Meter. Drinnen sendete es in beiden Einstellungen problemlos durch sechs Wände und über 30 Meter.

Alle Schnurlostelefone übertragen Stimmen und Töne klar und nahezu unverfälscht. Ganz und gar ohne störende Hintergrundgeräusche lassen aber nur das Siemens A580, das Panasonic KX-TG8200 und das Swissvoice Avena 748 telefonieren. Beim Philips-DECT ist der Gehörschutz nicht ganz in Ordnung. Das heißt: Wenn auf der anderen Seite ein lauter, schriller Ton gesendet wird, dimmt das Gerät nicht von selbst herunter.

Alle Schnurlosen lassen sich mehr oder weniger gut bedienen. Bei einigen Geräten bezahlt der Nutzer allerdings schickes Design mit Komfortmangel. Bei den Hochglanz-DECTs Hagenuk Accento 400 und Grundig Illion 1 etwa sind die Tasten sehr klein geraten. Beim Motorola D701 und dem Orchid LR4610 stören wackelige Tasten. Die meisten Mobilteile haben einen kleinen Haken: Ihre Displays sind bei Spiegelungen nicht mehr "sehr gut", sondern nur "gut" lesbar.

"Eco" bedeutet bei den meisten Geräten auch: energieeffizient. Die Hälfte der Schnurlosen schafft einen schmalen Energieverbrauch von weniger als einem Watt. Das sah bei unserem Test 2007 noch ganz anders aus.

Test kostenlos abrufen (PDF)

Bitte beachten Sie: das Speichern und Betrachten von PDF-Dateien auf mobilen Geräten erfordert möglicherweise zuvor die Installation einer App oder die Änderung von Einstellungen.

Telefone, DECT: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Audioline Slim Dect 500
  • Audioline

    ausreichend

Panasonic KX-TG8200
  • Panasonic

    ausreichend

AEG Colombo
  • AEG

    ausreichend

DeTeWe Style 200
  • DeTeWe

    ausreichend

Motorola D701
  • Motorola

    ungenügend

Siemens Gigaset E360
  • Siemens

    ausreichend

Swissvoice Avena 748
  • Swissvoice

    befriedigend

Siemens Gigaset A580
  • Siemens

    befriedigend

T-Home Sinus 102
  • T-Home

    ausreichend

Grundig Illion 1
  • Grundig

    ausreichend

Philips CD250
  • Philips

    mangelhaft

Orchid Eco Low Radiation DECT LR4610
  • Orchid

    befriedigend

Hagenuk Accento 400
  • Hagenuk

    mangelhaft

Aktuelle Ausgabe
Spezial Energie
Spezial Energie
Zugehörige Ausgabe:
ÖKO-TEST Jahrbuch Bauen, Wohnen, Renovieren für 2010
ÖKO-TEST Jahrbuch Bauen, Wohnen, Renovieren für 2010

Erschienen am 09.11.2009