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11 Fahrradhelme im Test

ÖKO-TEST April 2018
vom 29.03.2018

Fahrradhelme

Kopfsache

Helme schützen. Sie können Kopfverletzungen verhindern oder abmildern. Gerade diese sind oftmals lebensgefährlich. Der überwiegende Teil der getesteten Helme bietet ordentlichen Schutz.

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29.03.2018 | Arntraud Markert hat den Unfall noch lebhaft vor Augen. Sie war mit ihrem Fahrrad auf dem Radweg unterwegs, als plötzlich von links ein Auto aus einer Ausfahrt herausfuhr. Die Pkw-Fahrerin hatte nicht nach rechts, sondern nur kurz nach links geschaut, ob die Bundesstraße, auf die sie einbiegen wollte, frei war. Das Nächste, an das sich Arntraud Markert erinnert, ist, dass sie auf dem Rücken unter dem Auto lag, bis zur Brust eingeklemmt, und ihr der Fahrradlenker schmerzhaft gegen das Brustbein drückte.

Sie hatte Glück im Unglück: Sie brach sich bei dem Unfall zwar das Brustbein, doch ihr Kopf blieb unverletzt. Dabei muss der Aufprall rücklings nach hinten auf den Boden enorm gewesen sein: "Der Helm hatte lauter kleine Löcher von den Steinen auf dem Radweg, den konnte ich danach wegschmeißen", sagt sie. Die Ersthelferin, die den Unfall zufällig aus dem Auto beobachtet hatte und herbeigeeilt war, habe nur gesagt: "Ein Glück, dass Sie einen Helm aufhatten!"

Der geschilderte Unfall zeigt zwei Dinge: Ein Fahrradhelm schützt zwar nicht vor jeder Art Verletzung, zumal bei einer Kollision mit einem anderen Fahrzeug. Doch er kann Kopfverletzungen verhindern oder mildern. Laut Statistik der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) machen diese zwar nur 25 Prozent der Verletzungen bei Fahrradunfällen aus, viel häufiger betroffen sind mit 60 Prozent Arme und Beine. Allerdings sind mehr als 70 Prozent der in Lebensgefahr schwebenden Radfahrer schwer am Kopf verletzt.

Eine gemeinsame Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) mit dem Institut für Rechtsmedizin München und dem Universitätsklinikum Münster aus dem Jahr 2014 ergab, dass von 117 tödlich verunglückten Radfahrern nur sechs einen Helm trugen. Mehr als die Hälfte der 117 tödlich Verunglückten starb an den Folgen eines Schädel-Hirn-Traumas. Immerhin: Die Bereitschaft unter Radfahrern, freiwillig einen Helm zu tragen, ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Waren es laut Bundesanstalt für Straßenwesen im Jahr 2010 über alle Altersgruppen hinweg nur 9 Prozent, lag die Quote 2016 bereits bei 17 Prozent.

Aber schützt die Sicherheitsausrüstung vor jeder Art von Kopfverletzung und birgt ein unsachgemäßes Tragen nicht sogar Gefahren? "Ein Helm bietet keinen absoluten Schutz. Leichte und schwere Kopfverletzungen, Verletzungen der Halswirbelsäule und des Gesichts können auch mit Helm auftreten", heißt es hierzu in einer Stellungnahme der DGOU. Theoretisch können laut DGOU auch durch unsachgemäßes Tragen der Helme Verletzungen entstehen. Dabei handele es sich jedoch höchstens um Einzelfälle. Das dürfe nicht dazu führen, dass Radfahrer "keinen Helm tragen".

Wir haben elf Fahrradhelme in die Labore geschickt. Wir wollten wissen, wie gut sie schützen und wie es um Komfort und Handhabung bestellt ist. Zudem ließen wir die Helme auch auf problematische Inhaltsstoffe testen.

Das Testergebnis

Die "guten" aufs Köpfchen. Nur ein einziger Fahrradhelm schneidet mit "sehr gut" ab, sieben sind aber immerhin "gut".

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Wir haben elf Fahrradhelme eingekauft. Im Test sind überwiegend Schalenhelme in klassischer Form, aber auch welche, die im Design BMX- oder Skateboard-Helmen gleichen. Mit dabei: drei Modelle mit LED-Rückleuchten.

Der Praxistest
Ein Fachlabor prüfte in Anlehnung an die internationale Norm EN 1078 die Schutzfunktion der Helme. Zum Ermitteln des Stoßdämpfungsvermögens ließen die Experten die Testhelme, gefüllt mit einem Normprüfkopf, auf einen flachen Untergrund fallen sowie auf eine Kante, die der eines Bordsteins nachempfunden ist. Die Norm legt den Mindeststandard fest. Wir wollten wissen, ob die Helme noch mehr Schutz bieten und ließen sie unter verschärften Bedingungen testen. So prüfte das Labor zusätzlich die Stoßdämpfwirkung an einem Aufprallpunkt an Stirn und Schläfe, der außerhalb der Norm liegt. Der Radverkehr wird wegen verbesserter Gangschaltungssysteme und elektronischer Tretunterstützung (E-Bikes, Pedelecs) immer schneller, deshalb nahmen die Laborexperten zusätzlich auch die niederländische Vorschrift NTA 8776 für Speed-E-Bikes als Grundlage. Im Abstreiftest nach EN-Norm prüften sie, ob der Helm mit geschlossenem Kinnriemen und Verstellsystem bei plötzlichem Zug auf dem Prüfkopf bleibt. Nach einem ebenfalls von der Norm vorgegebenen Verfahren testeten sie die Belastbarkeit von Riemen und Verschluss und ob sie sich unter einer Belastung mit einem Gewicht einhändig öffnen lassen. Das ist wichtig für den Fall, dass der Helmträger, etwa nach einem Unfall, festhängt. Zu einer guten Ausstattung gehören Reflektoren und - zumindest an den vorderen Belüftungsöffnungen - ein Insektenschutz, damit keine Wespe mit dem Fahrtwind unter die Helmschale gelangen kann.

Die Inhaltsstoffe
Wir schickten die Helmbestandteile mit andauerndem Hautkontakt zur Schadstoffanalyse in die Labore, darunter Innenpolster, Kinngurte und Plastikteile des Verstellsystems. Die Kunststoffe ließen wir unter anderem auf schädliche Weichmacher, die Polster auf problematische Farbstoffe analysieren.

Die Weiteren Mängel
Die Platinen der LED-Rücklichter ließen wir darauf untersuchen, ob sie mit bromierten Verbindungen behandelt sind, Produkt und Verpackungen, ob sie PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen enthalten. Bei der Entsorgung werden diese zu einem Umweltproblem. Auch die Vollständigkeit der Gebrauchsanweisung und die Kennzeichnung am Helm spielten bei diesem Testergebnis eine Rolle.

Die Bewertung
Sicherheit geht vor. Deshalb beruht das Gesamturteil auf der Praxisprüfung. Ein schlechtes Urteil der Inhaltsstoffe kann dieses Ergebnis aber weiter verschlechtern.

So haben wir getestet

Ein Praxislabor prüfte, wie gut die Helme Stöße dämpfen und ob sie bei plötzlichem Zug auf dem Prüfkopf bleiben.