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35 Discounter:  Marken und Eigenmarken im Vergleich im Test

ÖKO-TEST Juni 2018
vom 24.05.2018

Lebensmittel: Marke oder Discounter

Keine einsame Spitze

Lohnt es sich, für Markenprodukte wie Iglo oder Barilla mehr Geld auszugeben? Oder ist das Billigprodukt am Ende genauso gut? Unser Vergleich von 35 Discount- und Herstellermarken offenbart nur geringe Unterschiede - im Guten wie im Schlechten.

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24.05.2018 | Wenn es um den Einkauf für den täglichen Bedarf geht, dann sind die Deutschen echte Sparfüchse. Kein Wunder also, dass Discounter mit ihren Dauertiefpreisen und Angebotsaktionen zu den bevorzugten Einkaufsstätten zählen. Das unterstreichen die aktuellen Zahlen des EHI Retail Institute. Danach haben Discounter im vergangenen Jahr 45,7 Prozent der Umsätze aller Lebensmittelgeschäfte erwirtschaftet, während Supermärkte wie Edeka und Rewe auf einen Anteil von 39,5 Prozent kamen.

Discounter bieten aber noch mehr: ein überschaubares Sortiment und eine Vielzahl an sogenannten Handelsmarken. Handelsmarken - Experten sprechen auch von Eigenmarken - zeichnen sich dadurch aus, dass sie im Besitz von Handelsunternehmen sind und in der Regel auch nur dort vertrieben werden. Der Vorteil: Die Händler haben die Produktion selbst in der Hand und weil es sich meist um massentaugliche Artikel handelt, sichern sie sich obendrein Mengenvorteile. Daraus folgt: Sie können ihre Produkte billiger anbieten. Verbraucher wollen aber nicht nur sparen, sie legen auch Wert auf Qualität. Das zeigt eine aktuelle Studie des Marktforschungsinstituts Ipsos in Kooperation mit der Lebensmittel Zeitung zu Handelsmarken. Danach findet ein Großteil der Befragten die Qualität beim Einkaufen sogar wichtiger als den Preis: Für 42 Prozent ist die Qualität das wichtigste Kaufkriterium, für 31 Prozent ist es der Preis. Was die Studie noch zeigt: Die Erwartungen werden offensichtlich erfüllt, denn 85 Prozent der Befragten sagen, Handelsmarken seien genauso gut wie Herstellermarken.

Was Markenartikel aus Sicht der Hersteller teuer macht, fragten wir einige Anbieter im Test. Friederike Ahlers, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit bei Tiefkühlhersteller Frosta, erklärt, ein wesentlicher Grund für die höheren Kosten bei Frosta sei das spezielle Konzept, auf sämtliche Zusatz- und Hilfsstoffe zu verzichten. Das bedeute, die Zutaten allein müssten den Geschmack bringen und das verteuere den Einkauf. Auch Entwicklungsarbeit werde mitbezahlt. So habe es beispielsweise zwei Jahre gedauert, die Kunststoffbeutel auf ein sortenrein recycelfähiges Material umzustellen. Alfred Karl, Geschäftsführer von Tante Fanny Frischteig, erläutert, dass Marktforschung und Produktentwicklung eine Marke verteuerten. Der Handel erwarte von der Marke zudem eine breite Unterstützung, von der Einlistung bis hin zu einer bedarfsgerechten Logistik.

Der Kommunikationsverantwortliche von Iglo, Alfred Jansen, begründet die Preisunterschiede mit einer langjährig bewiesenen Qualität der Rohstoffe aus regionalem Anbau und einer "unverwechselbaren Rezeptur". Auf ein möglichst genaues Nachahmen der traditionellen italienischen Küche kommt es Feinkosthersteller Barilla an. Die Zutaten würden sorgfältig ausgewählt, wobei in erster Linie der Geschmack, die Lebensmittelsicherheit und die Eignung für die Rezeptur wichtig seien.

Wir haben fünf verschiedene Fertigprodukte von Aldi, Lidl, Netto, Penny und Norma gegen entsprechen

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Sind Produkte vom Discounter genauso gut wie vergleichbare Markenartikel? Das haben wir an 35 Produkten aus fünf Produktgruppen überprüft. Im Wettstreit: die Eigenmarken von Aldi Nord, Aldi Süd, Lidl, Norma, Penny und Netto Marken-Discount gegen ein bekanntes Markenprodukt.

Die Inhaltsstoffe
Im Labor ließen wir die Produkte auf typische Schadstoffe untersuchen. So standen bei Rahmspinat Analysen zu Nitrat und Cadmium an, während die reishaltigen Nasi Gorengs unter anderem auf anorganisches Arsen getestet wurden. In fettreichen Produkten wie Pesto, Blätterteig und Kartoffelsalat suchten die Labore nach Mineralölbestandteilen und Fettschadstoffen. Bei den Pestos fahndeten sie auch nach Weichmachern, die aus den Schraubdeckeln übergegangen sein könnten. Gekühlte Artikel wie Blätterteig und Kartoffelsalat wurden mikrobiologischen Tests unterzogen. Weitere Analysen befassten sich mit dem Salzgehalt und Pestiziden.

Die Weiteren Mängel
Unter diesem Punkt reklamieren wir unter anderem zu kleine Portionsangaben auf den Verpackungen. Zudem prüfte ein Labor die Verpackungen auf PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen.

Die Bewertung
In den Pestos und Blätterteigen führen vor allem Belastungen mit Mineralöl (MOSH/POSH) und potenziell krebserregenden MOAH zu Abzügen. Nitrat und Cadmium im Rahmspinat bewerten wir in Anlehnung an die Grenzwerte für Tiefkühlspinat und Blattgemüse. Die Nasi-Goreng-Produkte enthalten durchweg zu viel Salz. Kritisch sehen wir auch Pestizide und Keimhemmungsmittel, die von internationalen Organisationen als besonders bedenklich eingestuft werden. Diese Stoffe gefährden in erster Linie die Anwender. Rückstände im Essen sollten vorsorglich ebenfalls vermieden werden.

So haben wir getestet

Woher kommt das Fleisch? Das können Verbraucher per QR-Code herausfinden; wie die Tiere gehalten wurden, erfahren sie jedoch nicht.

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