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27.05.2011 | ÖKO-TEST-Magazin 04/2011: Nachhaltige Fonds werden umweltbewussten Anlegern gern als saubere Investments offeriert, durch die sich Geld und Moral verbinden lassen. Doch nur fünf von 73 durch ÖKO-TEST untersuchte Fonds boten Anlegern auch wirklich ein lupenreines, dunkelgrünes Depot. Unter den restlichen 68 nachhaltigen Fonds entdeckte ÖKO-TEST dagegen so manches "schwarze Schaf". In 51 Fonds steckten sogar Aktien von Atomfirmen wie EDF, dem größten Betreiber von Atomanlagen weltweit, oder von E.ON-Konzern, der in Deutschland Atomkraftwerke unterhält, sowie Vattenfall, der in Deutschland und Schweden aktiv ist, wie die ÖKO-TEST-Untersuchung in der aktuellen Aprilausgabe zeigt. Doch inzwischen haben viele Fondsgesellschaften auf die ÖKO-TEST-Kritik reagiert.

Zehn Gesellschaften, die insgesamt 33 der untersuchten Fonds verwalten, geben auf Nachfrage jetzt an, ihre Haltung zur Atomkraft zu revidieren. "Wir haben unsere Kriterien enger gefasst und schließen fortan sämtliche Betreiber von Atomenergieanlagen aus", versicherte zum Beispiel der LBBW Global Warming Fonds. Das klingt gut. Ein kompletter Ausschluss aller Atomtitel ist bei dieser Formulierung zwar nicht zu erwarten. Doch die Aktie des skandinavischen Atomkraftwerkbetreibers Fortum, die wir im Fondstopf fanden, wurde entfernt.

Auch der Kepler Ethik Aktienfonds (A) hat reagiert. Die von ÖKO-TEST kritisierte Aktie des britischen Atomenergieproduzenten Centrica wurde aus dem Fondstopf entfernt, die Anlagekriterien verschärft. "Produzenten von Atomstrom sind ab sofort komplett ausgeschlossen - ohne jede Toleranz beim Umsatzanteil. Darüber hinaus werden aber auch Produzenten von Uran oder Kernkraftwerkskomponenten ausgeschlossen, wenn diese Geschäfte einen Umsatzanteil von mehr als zehn Prozent ausmachen. Das Gleiche gilt für Stromhändler und Lieferanten von Uran und Kernkraftwerkskomponenten", teilte die österreichische Fondsgesellschaft mit.

Der von HSBC Global Asset Management gemanagte INIK Fonds ist ebenfalls gerade dabei, die Anlagebedingungen des Fonds zu überarbeiten. Künftig sollen atomstromproduzierende Unternehmen generell aus dem Anlageuniversum ausgeschlossen werden, sofern der Konzern mehr als fünf Prozent seines Umsatzes mit Atomstrom erwirtschaftet. Außerdem hat der Fonds, bei dem wir mehrere Atomtitel im Fondstopf fanden, mittlerweile nach eigenen Angaben keine atomstromproduzierenden Unternehmen mehr im Portfolio. Auch Union Invest hat nach Angaben der Verantwortlichen alle Atomtitel aus den Portfolios der von ihr gemanagten Fonds (KCD-Union Nachhaltig Mix, KCD Union Nachhaltig Renten, Liga-Pax-Balance Stiftungsfonds Union und LIGA-Pax-Cattolico Union) entfernt und ab sofort bei allen Fonds die Atomenergie als Ausschlusskriterium definiert. Einen Beleg dafür mochte die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken aber nicht liefern. "Wir bitten um Verständnis, dass wir ihnen keine Aufstellung über einzelne Portfoliopositionen bzw. Transaktionen geben können. Aber wir sind verpflichtet, alle Anleger gleich zu behandeln", teilte Union Invest mit und verwies auf die kommenden Produktinformationen und Halbjahresberichte.

Andere Fondsgesellschaften geben sich weniger zugeknöpft. Der Raiffeisen-Ethik-Aktien-A-Fonds ließ uns wissen, dass die von ÖKO-TEST kritisierte Aktie von ENI, die zusammen mit EDF vier Atomkraftwerke in Italien bauen will, mittlerweile aus dem Portfolio entfernt wurde. Damit ist der Fonds jetzt atomenergiefrei. Der Pioneer Global Ecology Fonds teilte uns mit, die zwischenzeitlich erworbenen Aktien des Atomkraftwerkbetreibers GDF Suez seien wieder aus dem Portfolio entfernt worden. Auch Pioneer will in Zukunft alle reinen Kernkraftwerksbetreiber aus dem Anlageuniversum des Global Ecology Fonds ausschließen. Zu einem kompletten Ausschluss der Atombranche konnte sich der Fonds allerdings nicht durchringen. "Für uns ist entscheidend, dass viele der Versorger ja auch stark im Bereich erneuerbare Energien investieren. Deshalb haben wir für unsere Anlagepolitik lediglich einen Grenzwert definiert. Demnach darf ein Unternehmen maximal fünf Prozent seines Umsatzes mit Atomstrom machen", berichtet Pioneer.

Die belgische Dexia Asset Management hat ebenfalls viele von ÖKO-TEST kritisierte Atomaktien wie Rio Tinto, General Electric, Iberdrola und Centrica aus seinen Fondsportfolios genommen. Reine Atomaktien, wie Uranförderer und -minen, schließt die belgisch-luxemburgische Fondsgesellschaft zudem komplett aus ihrem Anlageuniversum aus. Ansonsten wurden Atomtitel zwar nicht generell gebannt, die Anforderungen aber weiter verschärft.

Bei der Schweizer Fondsgesellschaft Sarasin standen Atomtitel dagegen schon bislang auf der Negativliste. Bis auf die Aktie der österreichischen Verbund AG fand ÖKO-TEST daher auch keine weiteren Atomaktien im Depot der Sarasin-Fonds. Den von Greenpeace gegen die Verbund AG erhobenen Vorwürfe im Umgang mit Atomstromimporten wollen die Schweizer jetzt aber nachgehen.
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