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25 schwarze BHs im Test

Ab ins Körbchen!

ÖKO-TEST April 2009 | Kategorie: Kosmetik und Mode | 27.03.2009

25 schwarze BHs im Test

Nichts ist schwerer, als einen passenden BH zu kaufen: Schätzungen zufolge liegt jede zweite Frau bei der Wahl ihrer BH-Größe völlig daneben. Falsch läuft offenbar auch einiges bei der BH-Herstellung. So fielen in unserem Test etliche Modelle durch problematische Farbstoffe auf - und durch. Doch es gibt auch Gutes für untendrunter.

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Der Mann weiß, was er will. Er steht, grau melierter Bart, Brille, schwarze Lederjacke, vor dem rot lackierten Kassentisch, darauf liegen ein paar zarte Unterhöschen. Drei schwarze, ein rosafarbenes. Die sollen es sein. "Viel Spaß beim Verschenken", wünscht Sandra Maravolo. Kurzes Nicken, die Höschen verschwinden in der Tasche, der Mann verlässt den Laden, die Türglocke bimmelt hell. "Schönen Abend noch", murmelt er beim Hinausgehen.

Sandra Maravolo kommt hinter der Kasse hervor und läuft ein paar Schritte zum Regal. Vor ihr reihen sich Hunderte Büstenhalter an der Wand, schwarze, weiße, ein paar rote, rosafarbene, dazu gemusterte, mit Körbchen, ohne, gepolstert, aus Spitze, mit Strasssteinen, Schleifchen, Verzierungen, mit Bügel, ohne Bügel. "Manchmal kommen die Männer auch allein", sagt Sandra Maravolo. So wie heute. Aber meistens kommen die Frauen. Sie kommen in Sandra Maravolos hübschen Wäscheladen in der Frankfurter Innenstadt und wollen sich und ihre Männer verwöhnen. Mit erotischem Spielzeug und sinnlichen Pflegeprodukten, vor allem aber mit schöner Wäsche. "Doch nichts ist schwerer, als einen gut sitzenden BH zu kaufen", weiß Maravolo. Sie ordnet die Büstenhalter, leise klacken die Kleiderbügel aneinander, aus Lautsprechern an der Decke dudeln gedämpft Tangoklänge.

Hauptsache, die Größe stimmt

Was man beim BH-Kauf falsch machen kann? "So ziemlich alles", erzählt Maravolo. Sie schaut eindringlich über den Rand ihrer modischen Hornbrille. Die meisten wollen zu große Größen, achten nicht auf Sitz, Passform und Material, nehmen in Kauf, dass Brustband und Träger einschneiden, wenn nur die Körbchengröße stimmt. "Nehmen Sie zum Beispiel die Bügel", sagt Maravolo und öffnet kurzerhand den Reißverschluss ihrer Strickjacke. Darunter kommt ein schwarzer, aufwendig verzierter Büstenhalter zum

Vorschein. Maravolo drückt den Bügel gegen ihre Brustseite. "Wenn es hier kneift, hat man was falsch gemacht", sagt sie. Und zieht den Reißverschluss wieder hoch.

Erotik ohne schöne Wäsche, das geht nicht, weiß Maravolo. Aber was ist schöne Wäsche? "Push-ups und auffällige Modelle sind jedenfalls zurzeit nicht so gefragt." Lieber etwas, das sich unter dem Oberteil nicht abzeichnet. "Wie es dann ohne Shirt aussieht, ist ja eine andere Frage", sagt die Geschäftsinhaberin und lächelt. "Es muss in jedem Fall zum Typ passen. Der eine mag Spitze, der andere Mikrofaser, der nächste Baumwolle." Die Türglocke bimmelt hell, eine Kundin betritt den Laden. Sandra Maravolo schiebt ihre Brille hoch und sagt freundlich: "Guten Abend."

Rund 50 Millionen BHs gingen 2008 in Deutschland über den Ladentisch, weiß die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung. Wir haben 25 schwarze Modelle in Geschäften und im Versandhandel gekauft und auf problematische Inhaltsstoffe untersuchen lassen.

Das Testergebnis

Das Hauptproblem sind die Färbemittel in den BHs.

Sechs von 25 Modellen weisen teils immense Mengen an Farbstoffen auf, die in Verdacht stehen, Krebs zu erzeugen. Der Bügel-BH von KiK treibt es dabei im wahrsten Sinne auf die Spitze, denn er versteckte deutlich mehr als die gesetzlich erlaubten 30 mg/kg p-Aminoazobenzol im Bündchen und im Träger.

Zinnorganische Verbindungen haben wir nur in wenigen Modellen gefunden - dafür aber in teils rauen Mengen. Die Stoffe werden zum Beispiel als Farb- und Kunststoffstabilisatoren eingesetzt und sind in der Umwelt nur schwer abbaubar. Bereits sehr kleine Mengen genügen, um das Immun- und Hormonsystem von Tieren - und wahrscheinlich auch von Menschen - zu beeinträchtigen. In Kleidung, die den ganzen Tag direkt auf der Haut getragen wird, haben solche Stoffe also nichts verloren.

Eine Disziplin, in der fast alle BHs mit "gut" oder "sehr gut" abgeschnitten haben, ist die Reibechtheit. Die Textilien hielten den Abriebtests wacker stand - bis auf drei Ausnahmen: Der Calida Bügel-BH, der Speidel Bügel-BH und - ausgerechnet - das Modell von Naturhersteller Hess ließen ordentlich Farbe.

Wonderbras sollen ja bekanntlich für ein besonders beeindruckendes Dekolleté sorgen. Dies macht das Modell Wonderbra Transparent Line unter anderem mithilfe eines schmalen Kunststoffbündchens zwischen den Körbchen. Höchstwahrscheinlich aus diesem Kunststoffbündchen stammt der Weichmacher Diethylhexylphthalat (DEHP), der als fortpflanzungsgefährdend gilt. Deshalb steht er EU-weit auf der roten Liste und ist für Kinderspielzeug und Babyartikel verboten. In Unterwäsche hat er also auch nichts verloren.

Welcher BH für welchen Busen?

Kleiner Busen: Frauen mit geringer Oberweite sind die klassischen Kandidaten für Push-up-BHs. Denn diese drücken die Brust in die Mitte des Dekolletés und lassen sie üppiger aussehen. Wer sich in einem Push-up aber wie in einer Mogelpackung fühlt, für den eignen sich Triangelmodelle. Sie formen die Brust nicht, heben sie aber leicht an und lassen sie dadurch etwas größer wirken.

Großer Busen: Eine üppige Brust braucht vor allem eines: Halt. Den bekommt sie durch BHs mit Dreiviertel- oder Vollschalen (also festen Körbchen) und breiten Trägern. Der Verschluss sollte mindestens zwei Häkchen haben. Für ein beeindruckendes Dekolleté dürfen es unterlegte Halbschalen-BHs sein - sie rücken den Busen ins rechte Licht und geben guten Halt. Entgegen häufigen Befürchtungen vollbusiger Frauen lassen Halbschalen-BHs die Brust nicht noch größer erscheinen; vielmehr formen und stützen sie sie.

Echte Maßarbeit

BH-Größen setzen sich üblicherweise aus der Kombination von Unter- und Oberbrustweite zusammen. Die Unterbrustweite wird direkt unter dem Brustansatz, die Oberbrustweite an der stärksten Stelle des Busens gemessen. 75B bedeutet zum Beispiel: Die Unterbrust misst ungefähr 75 Zentimeter, die Körbchen- oder Cup-Größe hat die Kategorie B. Körbchengrößen lassen sich aus der Differenz zwischen Unter- und Oberbrustumfang ableiten. Hat eine Frau zum Beispiel einen Unterbrustumfang von 80 und einen Oberbrustumfang von 90 Zentimetern, beträgt die Differenz zehn Zentimeter. Diese Frau bräuchte Körbchengröße A. Wächst die Differenz, nimmt auch die Körbchengröße zu. Eine Differenz von 16 bis 18 Zentimetern wäre zum Beispiel Cup C, üppige 20 bis 22 Zentimeter bräuchten Cup E oder auch DD.

Mythos Büstenhalter

BHs und Brustkrebs: Der Zusammenhang stammt aus der Feder des amerikanischen Anthropologen Sydney Ross Singer, dessen Frau an Brustkrebs erkrankte. Darin, dass sie regelmäßig BHs getragen hatte, glaubte Singer die Ursache für ihre Erkrankung gefunden zu haben. In einer groß angelegten Studie befragte er 5.000 Frauen zu ihren BH-Tragegewohnheiten. Sein Ergebnis: BH-Trägerinnen haben ein 125 Mal höheres Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, als Frauen, die nie BHs anziehen. Seine Erklärung: Zu enge BHs behindern die Lymphdrainage, sodass Giftstoffe nicht mehr aus dem Körper transportiert werden können, sich im Gewebe stauen und die Wucherung hervorrufen. Wissenschaftlich belegen konnte Singer seine These allerdings nie. Vielmehr gilt es heute als erwiesen, dass zwischen Brustkrebs und dem Tragen von BHs kein Bezug besteht. Weitere Informationen unter www.krebsinformationsdienst.de

BH und Schutz vor hängenden Brüsten: Natürlich schützen BHs vor hängenden Brüsten - aber nur für den Augenblick! Beim Tragen stützen sie das Gewebe und modellieren den Busen. Doch der Natur ein Schnippchen schlagen können sie nicht. Denn auch Frauen, die regelmäßig einen BH tragen, ereilt gnadenlos das Alter, in dem die Brüste schlaffer werden. Beim Sport sollte man aber auf jeden Fall einen BH tragen, da das muskellose Brustgewebe sonst zu sehr gedehnt wird.

BH und Einstiegsalter: Sobald sich die ersten Rundungen am Mädchenoberkörper abzeichnen, muss der BH her - sonst bekommt man später Hängebrüste. "Aus medizinischer Sicht gibt es überhaupt keinen Grund, sofort mit Beginn der Pubertät einen BH zu tragen", sagt die Frauenärztin Dr. Christiane Richter-Ehrenstein von der Berliner Charité. Weder würde dies hängende Brüste verursachen noch sie verhindern. Bei sehr großen Brüsten allerdings seien BHs anzuraten.

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Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Felina Moments Art. 519504
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Felina
sehr gut
C & A Lingerie, Bügel-BH Art. 40150
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C & A
gut
Esprit Collection Bügel-BH, 11-62202L
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Esprit
gut
Hess Natur Baumwoll Bügel-BH ohne Metall, Art. 25574
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Hess Natur (Versand)
gut
Nur Die T-Shirt BH, Balconnet-Bügel-BH Art. 836050
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Nur Die
gut
Passionata Push-Up BH, Art. 5382/LK
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Passionata
gut
Skiny Poesy Woman Damen-Schalen-BH Art. 083235
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Skiny
gut
BeeDees Baumwoll-BH Rock'n'Roll N, Art. 10036974
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BeeDees
befriedigend
Calida Bügel-BH Art. 4320
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Calida
befriedigend
Censored, Bügel-BH, mit Gel-Polstern, Art. 39-298 BLK-Alice
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New Yorker
befriedigend
Hanro Satin Style 1331
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Hanro
befriedigend
H & M Bügel-BH Art. 255600
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H & M
befriedigend
Hunkemöller Marilyn b.black Art. 75393
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Hunkemöller
befriedigend
Mey Favourites Bügel-BH, Art. 74400/01
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Mey
befriedigend
Palmers BH P-Gracia, Art. 518738
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Palmers
befriedigend
Schiesser Bügel-BH Vision, doppelt gemoldet, Art. 103262
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Schiesser
befriedigend
Speidel Bügel-BH, 6311752
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Speidel
befriedigend
Bügel-BH Art. 85296/00
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KiK
ungenügend
Chantelle -Shirt-BH, Art. 3086
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Chantelle Lingerie
ungenügend
Damen-Welt BH
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Real
ungenügend
Nina von C. BH mit Bügel Art. 46 510 416V1 Romance
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Karl Conzelmann
ungenügend
Nuage by Lejaby, Art. 5113N
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Lejaby
ungenügend
Sloggi Hot Light T-Shirt Bra
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Sloggi
ungenügend
Triumph Angel Curves WDP
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Triumph
ungenügend
Wonderbra Transparent Line Art. 17571
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DBA Intimates Deutschland
ungenügend

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Die schwarzen BHs wurden im Januar und Februar 2009 eingekauft.

Problematische Inhaltsstoffe

Schwarze Farbe in Textilien hat es in sich. Darum waren wir gespannt auf die Ergebnisse unserer Farbstoffanalyse. Einige der analysierten Substanzen - etwa die aromatischen Amine Benzidin und p-Aminoazobenzol - sind EU-weit ab einer bestimmten Menge zum Färben von Textilien verboten, weil sie als krebserregend gelten. Bedenklich sind aber auch Dispersionsfarbstoffe, die die beauftragten Labore ebenfalls untersucht haben. In Textilien, die hauptsächlich aus Synthetik bestehen, kann freilich noch eine Menge mehr an Schadstoffen stecken. Zum Beispiel die problematischen zinnorganischen Verbindungen. Diethylhexylphthalat, ein weiterer Testparameter, ist ein Stoff, der dafür sorgt, dass Kunststoffe geschmeidig bleiben. Die phosphororganische Verbindung TBEP wird häufig als Flammschutzmittel eingesetzt, findet in dem BH aber wohl ebenfalls als Weichmacher Verwendung. Antimon wird zur Polyesterproduktion eingesetzt. Halogenorganische Verbindungen stammen vermutlich aus dem Färbeprozess, den die schwarzen BHs durchlaufen haben. Schließlich untersuchten die beauftragten Labore noch auf überflüssige optische Aufheller.

Praxisprüfung

Unsere Verbraucherberatung erreichen immer wieder Fragen rund um das Thema abfärbende Textilien: Schwarze BHs und weiße T-Shirts - kann das gut gehen? Dass wir bei unseren BH-Tests unbedingt auch die Reibechtheit mit unter die Lupe nehmen würden, war also schnell klar. Unser beauftragtes Labor war dabei nicht zaghaft: Es testete die BHs in trockenem und nassem Zustand sowie mit Alkoholzusatz. Letzteres sollte Deospuren simulieren - ein Problem, von dem unsere Leserinnen oft berichten.

Die Bewertung

Unser Gesamturteil setzt sich aus der Analyse der Inhaltsstoffe und der Prüfung der BHs auf Reibechtheit zusammen. Beide Ergebnisse sind ausschlaggebend für das Gesamturteil; das Hauptaugenmerk haben wir aber auf die Inhaltsstoffe gelegt. Wurden mehr als die gesetzlich erlaubten 30 mg/kg aromatische Amine gefunden und war das Produkt deshalb nicht verkehrsfähig, kann es nur "ungenügend" sein. Doch auch Produkte, die weiter verkauft werden dürfen, in der Inhaltsstoffbewertung aber von uns ein "ungenügend" bekommen, können im Gesamturteil nicht mehr besser abschneiden.